Zuger zieht Bilanz

Hanspeter Uster tritt als Aufseher der Bundesanwaltschaft ab

Hanspeter Uster, der ehemalige Zuger Regierungsrat, wirft einen kritischen Blick zurück. (Bild: zvg)

Der ehemalige Zuger Regierungsrat Hanspeter Uster steht dem neuen Bundesanwalt Stefan Blättler zu nahe, um seine Arbeit zu beaufsichtigen. Deshalb tritt er zurück – und zieht Bilanz über den Zustand der Schweizer Justiz.

Hanspeter Uster tritt als Aufseher der Bundesanwaltschaft zurück. «Ich bin mit Stefan Blättler, dem neuen Bundesanwalt, zwar nicht befreundet, aber es wäre dennoch zu viel Nähe gewesen. Wir haben in verschiedenen Gremien zusammengearbeitet», sagt der ehemalige Zuger Regierungsrat in einem Interview mit der «NZZ».

Entweder Blättler oder er hätte verzichten müssen. «Es war klar, wer das sein wird», so Uster weiter. Er habe Stefan Blättler aber nicht in sein Amt portiert.

Uster trat seine Aufgabe als Aufseher der Bundesanwaltschaft an, als bereits erste Untersuchungen betreffend Blätters Vorgänger Michael Lauber und den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino liefen (zentralplus berichtete). Nach einem Disziplinarverfahren musste Lauber gehen, auch wenn die Treffen nie restlos geklärt werden konnten.

Hanspeter Uster kritisiert den mangelnden Mumm der Staatsanwälte

Uster erklärt im Interview, was ihm Sorgen macht an der Schweizer Justiz. Er hatte nämlich grösste Mühe einen ausserordentlichen Bundesanwalt zu finden, um die Vorwürfe gegen Lauber zu klären. «Ich führte im Auftrag der parlamentarischen Gerichtskommission etwa vierzig Telefongespräche, um einen Nachfolger für Herrn Keller zu finden. Alle haben abgesagt.»

Der zuerst eingesetzte ausserordentliche Bundesanwalt Stefan Keller musste im Laufe des Verfahrens in Ausstand treten. Schliesslich gelang es Uster zwei Sonderbundesanwälte Ulrich Weder und Hans Maurer zu gewinnen – beide waren über 70 Jahre alt. «Man fand also am Ende in diesem Land, in diesen 26 Kantonen, mit Ach und Krach zwei Leute, die sich bereit erklärten, dieses heisse Eisen noch einmal anzufassen», so Uster.

Dass von den aktiven Staatsanwälten keiner bereit sei, den Fall eines Kollegen zu untersuchen, findet Uster ein «grundlegendes Problem».

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