«Bitte realistisch bleiben»

In seinem Leserbrief kritisiert Markus Rast, dass am Rotkreuzer Info-Abend zum Zuger Stadttunnel die Befürworter viel mehr Gewicht zugesprochen bekommen hätten. Gegnerische Argumente hätten es hingegen schwer gehabt. Das schaffe ein grosses Ungleichgewicht, moniert er.

Leserbrief:

Im Gegensatz zum Info-Abend zum Stadttunnel Zug im Casino Zug, der gut besucht war (ca. 300 – 400 Personen), nahmen in Rotkreuz nur ca. 50 – 60 Personen daran teil. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil viele Stimmbürger und Stimmbürgerinnen der Zuger Gemeinden noch nicht realisieren, dass sie sich zum Stadttunnel Zug äussern können. Ja, mit Ihrer Stimme im Juni 2015 für oder gegen das Mammutprojekt Stellung beziehen können.

Da ein weiteres Pro-Komitee gegründet wurde, sprechen an den Roadshows nun vier Personen für den Stadttunnel und nur zwei dagegen. Die Moderation des Podiums erfolgt zudem durch den Baudirektor selbst. Gegnerische Argumente aus dem Publikum kommentiert er immer gleich im Anschluss, wohingegen die Podiumsteilnehmer kaum Chancen erhalten, sofort auf Argumente aus dem Volk einzugehen. Das schafft ein grosses Ungleichgewicht.

Von den Befürwortenden wird nun stark an die Solidarität der Zuger Gemeinden mit der Stadt Zug appelliert, aber auch sonst wird mit allen Mitteln versucht, eine positive Stimmung herbei zu schreiben, zu reden und zu visualisieren. Hier einige mir aufgefallene Beispiele:

  • Wir lassen euch via kantonalen Finanzausgleich Millionen zukommen, bitte unterstützt uns nun mit eurem Ja, wenn wir das Generationenprojekt realisieren wollen.
  • Für das Überleben des Wirtschaftsstandortes Zug (Stadt und Kanton) ist die Erreichbarkeit mit dem Auto überlebenswichtig.
  • Bei der Präsentation der Vorteile des Stadttunnels mit vom Verkehr entlasteten Strassen z.B. Vorstadt mit Null Fahrzeugen und Neugasse mit 1000 Fahrzeugen pro Tag, wird ganz klein mit einem * darauf hingewiesen, dass die ZVB Bussfahrten, die Anlieferungsfahrten und die Zubringer (?) in diesen Zahlen nicht berücksichtigt sind (siehe Flyer Pro Stadttunnel).
  • Der Postplatz auf der Visualisierung der Baudirektion hat sich im Gegensatz zur Realität gewaltig vergrössert (siehe Anzahl Marktstände mal 3 Laufmeter + Freiflächen vor der Post und Freifläche vor der Busachse).
  • Immer wieder wird argumentiert, dass die ersten Zahlungen zu Lasten der Staatsrechnung erst 2023/2024 fällig werden. Doch wer bezahlt bis dahin die Landkäufe, die Käufe der Rechte, die Löhne der Planer, der Mitarbeitenden der Baudirektion etc.? Darauf habe ich keine Antwort erhalten. (Sie werden vermutlich aus einer anderen Kasse bezahlt, doch das ist auch Geld, das von den Zuger Steuerzahlenden kommt).


Stadttunnel und Umweltbelastung.

Die grossen Zusammenhänge wie: der Beitrag des Stadttunnels an die Klimaerwähnung (40 – 60’000 Umwegkilometer pro Tag und den damit zusammenhängenden CO2-Werten), das Erreichen der 2000 Watt-Gesellschaft, (der die Zuger StimmbürgerInnen im Mai 2011 zustimmten), der Energiebedarf für Lüftung und Beleuchtung etc., sind an den Roadshows bis jetzt noch nicht angesprochen worden. Und dabei müsste Regierungsrat Heinz Tännler als Umweltdirektor (und Baudirektor) selbst diese Themen ansprechen.

In der ganzen Tunnel und ZentrumPlus Planung steckt wirklich viel Arbeit der Fachleute und des Begleitgremiums, aber leider sind die Konsequenzen nicht zu Ende gedacht. Nach dem kürzlichen Schock, dass der Kanton Zug 2014 sage und schreibe 86 Mio. weniger Steuern einnahm als budgetiert und der Aussage des Finanzdirektors in der Neuen Zuger Zeitung vom 2. April «Hier haben wir wohl auch wegen der früheren hohen Einnahmen zu optimistisch budgetiert», ist es meines Erachtens angebracht, die Relationen in verkehrstechnischer und finanzieller Hinsicht dieses Monsterprojekts etwas realistischer anzuschauen.

Markus Rast, Cham

 

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