Historikerinnen und Germanisten sollen mehr arbeiten

Faule Studenten? Luzerner Dozentin provoziert mit Aussagen

Die Dozentin Andrea Franc möchte mehr Disziplin und Qualität in den Geisteswissenschaften sehen.

Die Wirtschaftshistorikerin Andrea Franc kritisiert Studierende aus den Geisteswissenschaften. Sie würden zu wenig arbeiten und zu viel kosten. Daher sollen sie lieber eine Handwerkslehre machen.

Die Dozentin Dr. Andrea Franc hat mit pointierten Aussagen provoziert. In einem Interview in der NZZ beklagt sie sich über Studierende von geisteswissenschaftlichen Fächern und wirft ihnen vor, zu wenig zu arbeiten und die Sozialkassen überdurchschnittlich zu belasten. Eine Zumutung also für die Wirtschaft.

Andrea Franc ist Privatdozentin für Geschichte an der Universität Basel und Dozentin für Geschichte des ökonomischen Denkens an der Universität Luzern. Andrea Franc ist also selbst Geisteswissenschaftlerin, hat mit 30 promoviert und wurde mit 42 Jahren habilitiert.

Secondos studieren Wirtschaft, Schweizer kiffen im Unterricht

Laut Andrea Franc läuft vieles schief an den Schweizer Universitäten. Verwöhnte Kinder aus dem Bildungsbürgertum würden Geschichte, Germanistik, Psychologie oder Ethnologie studieren, im Unterricht kiffen, bedeutungslose Masterarbeiten schreiben, ohne Ziel doktorieren und letztlich nur in Teilzeit-Pensen arbeiten.

Im Vergleich seien Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte einkommensorientierter, würden eher Wirtschaft studieren und anschliessend Vollzeit arbeiten und auch gut verdienen. Sie würden die Sozialkassen füllen, welche die Germanisten auffangen müssen, wenn sie als Pensionierte von ihrer Pension nicht leben können.

Franc erklärt sich die Mini-Pensen in den Geisteswissenschaften durch die Nationalität. In den Geschichtsseminaren sässen Studierende mit klassischen Schweizer Nachnamen, die es sich offenbar irgendwie leisten können, nach dem Abschluss wenig zu arbeiten, oder eine gut verdienende Partnerin hätten.

In den Wirtschaftsvorlesungen sässen allerdings Studierende mit typischen Nachnamen aus den Balkan-Ländern. Das seien Kinder aus bildungsfernen Schichten und mit Migrationsgeschichte, die sich das nicht leisten könnten.

Auch Handwerkerinnen verdienen mehr

In der Analyse von Andrea Franc wäre es auch sinnvoller, eine Lehre als Polymechanikerin zu machen. Diese würde mindestens 65'000 Franken im Jahr verdienen, wogegen ein Philosoph 48'000 Franken im Jahr verdient. Das gemessen an einer Teilzeit Anstellung. Die Vollzeit Löhne seien in den Geisteswissenschaften nicht das Problem, die seien gut, erklärt sie.

Ein weiteres Argument ist, dass studierte Geisteswissenschaftlerinnen zu spät in den Arbeitsmarkt einsteigen und zu wenig Sozialbeiträge bezahlen. Die langen Bildungswege wären teuer und würden sich nicht lohnen, wenn eine Person mit 35 Jahren dann nur 40 oder 50 Prozent arbeitet.

Von Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen hagelt es nun heftige Kritik. Die ehemalige NZZ-Redaktorin Barbara Villiger-Heilig hat die Aussagen von Franc auf Twitter scharf kritisiert. Den Vergleich zwischen einem Handwerksberuf und einem klassischen Beruf eines Philosophen sei lächerlich, da es das Konzept eines Vollzeit arbeitenden Philosophen so gar nicht gäbe.

Früher waren Historiker Diplomaten, heute Telefonistinnen

Andrea Franc ärgert sich auch deswegen, weil die Geisteswissenschaften einen Viertel der Studierenden beherbergen. Das seien 47'000 Studierende. Vor 70 Jahren seien die Geisteswissenschaften noch ein respektabler Studienbereich gewesen. Sie präzisiert: «Die in den 1950ern geborenen Akademiker, die Geschichte studierten, konnten Diplomaten werden. Auch die 1960er-Jahrgänge kamen noch überall unter. Heute muss man als Germanist froh sein, wenn man ein paar Stunden Deutsch für Ausländer unterrichten kann oder als Kunsthistoriker im Museum das Telefon abnehmen darf.»

In Vergleichen nennt sie Historiker faul, weil sie ihr Handwerk nicht so klar definieren würden wie Ärzte, Anwälte oder Sanitäre. Ihr Vorschlag wäre nach dem englischen und amerikanischen Vorbild, die Eintrittsschwellen in die Universitäten zu erhöhen. So würden die Abgänger der Geschichtswissenschaften dann wieder Diplomatinnen werden.

Andrea Franc will eine grünliberale Bildungspolitik

Andrea Franc ist auch politisch aktiv. Sie hat für die Grünliberalen das Amt einer Schulrätin inne. In ihrem Interview spricht sie sich für eine Bildungsqualität aus, die keine Vorteile aufgrund des sozioökonomischen Status zulässt. Studiengebühren sollen einkommensabhängig berechnet werden und gerechter ausfallen. So würden die Geisteswissenschaften wieder an Ansehen gewinnen.

Denn Latein und Griechisch zu können, sei noch immer ein Zeichen von guter Bildung. Als Vorbilder einer exzellenten Bildung nennt sie anschliessend Christoph Blocher und Boris Johnson. Mit ihren Aussagen positioniert sie sich auch klar gegen Positionen der Linken, die sich eine Planwirtschaft wünschten. Sie vermisse Arbeitsethos, Disziplin und Spezialisierung.

Verwendete Quellen

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