Neustart in der «Braui» – Luzerner Gäste blieben aus
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Julia und Eckhard Schwöbel sowie Alois Keiser übernehmen die «Braui» Ende des nächsten Jahres. (Bild: PD)

Pächter und Mitarbeitern wird gekündigt Neustart in der «Braui» – Luzerner Gäste blieben aus

4 min Lesezeit 1 Kommentar 05.10.2015, 13:31 Uhr

Die Besitzer der «Rathaus Brauerei» wollen das Lokal bald in Eigenregie führen. «Nach 17 Jahren ist es Zeit für einen Neubeginn», sagt Julia Schwöbel von der Besitzerfamilie. Der Pachtvertrag mit Hans-Ruedi Bachmann werde per Ende September 2016 aufgelöst. Pächter Bachmann reagiert ungehalten und muss allen seinen Mitarbeitern kündigen.

Seit 1998 wird im Arkadengeschoss des Rathauskellers gebraut. Im Restaurant Rathaus Brauerei haben momentan verschiedene Parteien das Sagen: Besitzerin der Liegenschaft ist die Stadt Luzern.

Inhaber des Restaurants ist die Familie Schwöbel, welche die Brauerei seinerzeit ins Leben gerufen hat. Schwöbels haben einen Mietvertrag mit Baurecht für 50 Jahre und haben das Lokal ihrerseits verpachtet. Die Führung des Lokals vertraute die Familie seit der Eröffnung dem Gastronomen Hans-Ruedi Bachmann an.

«Sie können sich vorstellen, was das für unseren Betrieb bedeutet.»

Hans-Ruedi Bachmann, Pächter

Heute teilte die Familie Schwöbel mit, dass in rund einem Jahr alles anders werden soll. Das Restaurant Rathaus Brauerei wird per 1. Oktober 2016 von der Gambrinus Gastronomie AG übernommen, die mehrheitlich im Besitz der Familie Schwöbel sei. «Die Verwaltungsratspräsidentin Julia Schwöbel und das Mitglied im Verwaltungsrat Alois Keiser übernehmen die strategische und operative Geschäftsführung. Eckhard Schwöbel wird den Pachtvertrag mit dem jetzigen Pächter nicht verlängern und löst diesen per Ende September 2016 auf», heisst es in der Medienmitteilung vom Montagmorgen.

Schwöbel: «Wir sind schon zufrieden»

Zu den Gründen, dass der langjährige Pächter gehen muss, äussert sich Julia Schwöbel nur vage. «Wir sind schon zufrieden», sagt sie. «Aber es ist schöner, ein solches Lokal in Eigenregie zu führen.» So könne man zum Beispiel die Speisekarte selber gestalten. «Wir wollen das Lokal ausserdem zugänglicher machen für die Luzerner», sagt sie. Nach 17 Jahren sei es ausserdem Zeit für einen Neubeginn.

«Wir rechnen mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Wochen.»

Julia Schwöbel von der Besitzerfamilie

Laut Schwöbel soll das Restaurant im Oktober 2016 schliessen und dann renoviert und saniert werden. «Wir rechnen mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Wochen», sagt die VR-Präsidentin der Gambrinus Gastronomie AG. Voraussichtlich per Dezember werde die «Braui» wieder eröffnet. «Das Konzept behalten wir bei», sagt Julia Schwöbel. Auch in der neuen Rathaus Brauerei stünden saisonale Spezialitäten der hauseigenen Brauerei im Mittelpunkt. Was neu dazu kommt, steht noch nicht fest.

«Es ist schade, dass heute nur wenige Luzerner das Angebot nutzen», sagt Schwöbel, «wir wollen ihnen auch im Winter etwas bieten, Apéros veranstalten und innovative neue Gerichte anbieten.» Heute wird das Lokal hauptsächlich von Touristen und weniger von Einheimischen besucht. Nicht angetastet wird die Brauerei, und auch Braumeister Rainhard Knispel, der mittlerweile zum Inventar gehört, darf bleiben.

 «Ich muss allen kündigen, neue Mitarbeiter kann ich nur befristet anstellen.»

Hans-Ruedi Bachmann, Pächter

Bachmann: «Nicht schön und nicht üblich»

Weniger Freude am Neubeginn hat der heutige Pächter Hans-Ruedi Bachmann. «Das ist nicht schön», sagt er zentral+. «Dass man einen solchen Wechsel schon ein Jahr vorher kommuniziert, ist nicht üblich. Sie können sich vorstellen, was das für unseren Betrieb bedeutet.» Bachmann beschäftigt rund 30 Personen mit unterschiedlichen Pensen. «Ich muss allen kündigen. Neue Mitarbeiter kann ich nur befristet anstellen.» Bachmann tönt ausserdem an, dass die Chemie zwischen ihm und den Besitzern schon länger nicht mehr stimmt. Er will diese Internas aber nicht über die Medien kommunizieren.

Julia Schwöbel meint zur Kritik Bachmanns, warum man den Wechsel so früh kommuniziert, man habe Gerüchten ein Ende setzen wollen. «Es wird schon länger darüber geredet in Luzern, wer das Lokal übernehmen soll. Das schafft Unsicherheit, deshalb wollten wir Klarheit schaffen.» Zum Personal meint Schwöbel, man werde «selbstverständlich» diejenigen Mitarbeiter übernehmen und neu anstellen, die im neuen Restaurant Brauhaus arbeiten wollten. In der Schliessungszeit gebe es natürlich eine Pause.

Die neuen Chefs

Der neue starke Mann in der Braui wird also Alois Keiser sein, assistiert von Julia Schwöbel als Vertreterin der Besitzer. Der 41-jährige Touristiker und Gastronom übernimmt als Teilhaber die Geschäftsführung der Gambrinus Gastronomie AG. Keiser war während acht Jahren Geschäftsführer im Stadtkeller und ist seit 2012 CEO der Gotthard Raststätte A2 Uri AG. Vor dem Engagement im Stadtkeller war er in der Geschäftsleitung der Pilatus-Bahnen und im Art Deco Hotel Montana in Luzern tätig.

Julia Schwöbel amtet als Verwaltungsratspräsidentin der neuen Gambrinus Gastronomie AG und ist seit September 2012 Mitglied des Verwaltungsrates der Rathaus Brauerei Luzern AG. Sie führt seit Jahren ihr eigenes Unternehmen, die auf Schlüsselanhänger spezialisierte Firma «KeeeART».

«Wir möchten auch andere Restaurants mit unserem Bier beglücken.»

Julia Schwöbel

Gambrinus will weitere Lokale übernehmen

Eher im Hintergrund wirken werden Eckhard Schwöbel und seine zweite Tochter Anne-Kathrin Schwöbel. Der 75-jährige Schwöbel hat in München Brauwesen studiert, bevor er von 1972 bis 2001 in Sempach als Geschäftsführer der B. Braun Medical AG wirkte. Bekannt wurde er nicht zuletzt durch den Kauf des «Stadtkellers» vor sechs Jahren.

Die Gambrinus Gastronomie AG sei momentan in Gründung, erklärt Julia Schwöbel. Alois Keiser wird ebenfalls Teilhaber sein. Die Firma Gambrinus Gastronomie AG sei interessiert, weitere Lokale in Luzern zu übernehmen. «Am liebsten natürlich Lokale mit Bierausschank. Wir möchten auch andere Restaurants mit unserem Bier beglücken», sagt Julia Schwöbel. 

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1 Kommentare
  1. G. Hauf, 06.10.2015, 16:09 Uhr

    Ja, das verspricht wahrscheinlich nichts Gutes. Es ist zu befürchten, dass hier wieder ein neuer „gastronomischer Vielfrass“ entsteht, der möglichst viel Lokale mit seinem Bier füllen will. Der gastronomische Einheitsbrei frisst sich langsam durch die Stadt Luzern. Schade !

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