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«Neusicht» – die grösste Galerie Luzerns
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Im Neubad findet sich kaum noch eine unbemalte Wand. Das «Neusicht» hat Einzug gehalten. (Bild: jav)

Künstler nehmen das Neubad ein «Neusicht» – die grösste Galerie Luzerns

4 min Lesezeit 22.10.2015, 11:48 Uhr

Im Luzerner Kulturzentrum Neubad findet ab Donnerstag das Festival «Neusicht» statt. Dafür haben die Organisatoren von «Viva con Agua» zahlreiche nationale und internationale Künstler eingeladen. Und jetzt kann man in Luzern ganz einfach Kunst shoppen und gleichzeitig Gutes tun.

Es riecht nach frischer Farbe im Neubad. Überall wuseln Künstler und Helfer des «Neusicht»-Festivals umher. Musik hallt durch das alte Hallenbad, die Stimmung ist aufgeregt und euphorisch. 

Denn das Neubad wird am Wochenende zu einer einzigen riesigen Galerie. Und es werden nicht nur Bilder aufgehängt, auch zahlreiche Wände der Zwischennutzung werden dauerhaft bemalt. Treppen, Gänge, auch der Lift wird Teil der Ausstellung. «Und das ist erst der Anfang», sagt Tugce Dumanli von der Veranstalter-Organisation «Viva con Agua». Denn das Festival «Neusicht» soll ab jetzt jedes Jahr stattfinden. «Und jedes Mal wird mehr zur dauerhaften ‹Galerie Neubad› dazukommen», so Dumanli.

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Die Idee stammt aus Hamburg, wo die Mutter-Organisation bereits seit Jahren das St. Pauli Stadion künstlerisch bespielt. «Die kriegen da einfach den Schlüssel des Stadions in die Hand gedrückt», schwärmt Dumanli.

Grosser Einsatz, grosse Namen

Seit über einer Woche sind nun die Organisatoren von «Viva con Agua» gemeinsam mit Kollegen aus Hamburg und rund 40 ehrenamtlichen Helfern dabei, das Kunst-Festival im Neubad aufzubauen. Dabei können sie auch auf die Unterstützung von zahlreichen Betrieben zählen, die Farbe, Holz und Arbeitskraft sponsoren. «Es ist grossartig, wie viel Hilfe wir erhalten», freuen sich die Veranstalter.

Während des Festivals stellen 51 Künstler ihre insgesamt bis zu 200 Werke aus. Die Künstler kommen unter anderem aus Uganda, Mexiko, Wien, Hamburg, Berlin, Lugano, aber auch aus dem Neubad selbst. Und unter den Ausstellern sind zahlreiche bekannte Namen und preisgekrönte Künstler. Konstanze Habermann, die Lebenspartnerin von Bela B. von den «Ärzten», ist ebenfalls mit von der Partie.

Der Organisator

«Viva con Agua Schweiz» wurde 2009 gegründet. Der Verein setzt Wasserprojekte in Ländern um, in welchen der Zugang zu Wasser eingeschränkt ist.

Mit diversen kreativen Projekten – wie dem «Neusicht» – sammelt der Verein seine Spenden: im Bereich Sport, Musik und Kunst. Daneben organisiert «Viva con Agua» Workshops für Schüler und setzt sich für die Bildung und Sensibilisierung zum Thema Wasser und Hygiene ein.

Aber auch bei den Musikern, die für die insgesamt fünf Konzerte an diesem Wochenende anreisen, sind bekannte Namen wie Manilio, Huck Finn, oder Open Season Soundsystem vertreten. Und für «Viva con Agua» treten diese nur für Spesen auf. Die guten Kontakte, welche die Organisation mit zahlreichen Künstlern und Musikern pflegt, zahlt sich offensichtlich immer wieder aus.

Das Thema – natürlich Wasser. «Das war die einzige Vorgabe – ausgehend davon haben die Künstler ihre Arbeiten ganz unterschiedlich weiterentwickelt oder einen neuen Bezug dazu gefunden. Eine neue Herangehenswese.

Keine politische Galerie

Automatisch kam auch der Bezug zur aktuellen Flüchtlingsthematik ins Spiel. «Wir wollen keine politische Galerie sein, aber unbedingt für gesellschaftlich aktuelle Themen Raum schaffen. Dies ergibt sich aus der Situation, unseren Interessen und denen der Künstler, dass sich einige der Werke auch darum drehen», erklärt Gregor Anderhub, Geschäftsführer von «Viva con Agua» Schweiz.

Ein Beispiel ist das Projekt des Berliner Künstler-Duos «Various & Gould», welches gemeinsam mit Flüchtlingen in Luzern ihre Serie «Face Time» weiterführt. Eine Art kollektiver Selbstporträts. Die Kommunikation läuft zum grossen Teil auf Deutsch, Englisch oder mit Händen und Füssen. «Kunst ist eine universelle Sprache», sagen die Künstler. Die letzten Arbeiten laufen. Gerade werden die entstandenen Gesichter in die Rahmen gefügt. Nun kommen auch Bildtitel und Namen der Künstler –beziehungsweise Workshopteilnehmer – auf Papier. Einer der Teilnehmer hat sich bereits selbst einen Künstlernamen verpasst und amüsiert damit die anderen Teilnehmer.

«Es ist nicht einfach nur ein Workshop. Wichtig war uns ganz besonders, dass die Teilnehmer ihre Produkte auch ausstellen und zum Verkauf anbieten können», erläutern die beiden Künstler. «Es geht darum, sich auf Augenhöhe zu begegnen.»

Vermittlung im Pool

Wie bei den anderen Künstlern geht beim Verkauf eines Bildes der Erlös zu 70 Prozent an «Viva con Agua» – also an deren Projekte – und zu 30 Prozent an die Künstler. Bei den Bildern, die im Workshop von Various and Gould entstanden, wird das Geld unter den Teilnehmern aufgeteilt.

Und alle Bilder sind zu verkaufen. Ausser die bemalten Neubadwände selbstverständlich. Auch die Fassade des alten Hallenbads wird mit einer Lichinstallation bespielt. «Und der Bauwagen auf dem Vorplatz wird ebenfalls bemalt», erklärt Anderhub.

Die riesige Galerie kann man kostenlos besichtigen. Nur der Eintritt zu den Konzerten im Pool kostet – und das Geld geht selbstverständlich wieder an «Viva con Agua».

Am Samstag finden neben der Ausstellung und den Konzerten auch noch ein Vortrag und verschiedene Workshops zum Thema Wasser, Privatisierung, Kompost-WCs und weiteren Themen zum Titel «Neusicht» statt. Denn dieser ist nicht nur in Anlehnung an das Neubad enstanden, sondern steht vor allem für die Inhalte: Andere Sichtweisen und Perspektiven aufzuzeigen.

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