Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Neun Dinge, die man über Zugs Olli wissen muss
  • Gesellschaft
  • Technik
  • Verkehr
Alleine fahren mag Olli noch nicht: Zum Transport wird er aufgeladen. (Bild: lha)

Wie gefährlich sind die selbstfahrenden Shuttles? Neun Dinge, die man über Zugs Olli wissen muss

4 min Lesezeit 2 Kommentare 07.03.2017, 18:20 Uhr

Auf Zuger Strassen fahren bald zwei Shuttles, die sich selber lenken. Ist das nun grossartig? Oder gar gefährlich? Und wieso wird gerade Zug Schauplatz des Verkehrsexperiments? Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich Zuger seit Dienstag stellen.

Zug bekommt einen selbstfahrenden Shuttlebus (zentralplus berichtete): Klingt nach Science-Fiction. Was bisher als utopische Zukunftsvision behandelt wurde, rückt nun plötzlich in die Realität. «Realität» heisst in diesem Zusammenhang direkt vor die Zuger Haustüren. Nun schauen die Zuger kopfschüttelnd aus dem Haus und fragen sich, wer denn nun die zwei Neuen in der Stadt sind.

1. Die selbstfahrenden Elektro-Shuttles, die in Zug ab Sommer herumkurven werden, heissen Olli. Woher kommt der reizende Name?

Namensgeber für das achtplätzige Elektro-Shuttle-Modell Olli ist ein Oktopus. Und Oktopusse sind süss und schlau, genau wie Olli, erklärt Damien Declercq, der Vize-Präsident der Entwicklerfirma Local Motors.

Unterstütze Zentralplus

2. Wo gibt es sonst noch solche Projekte?

Es gibt selbstfahrende Busse in Berlin, ebenfalls von derselben Firma. In der Schweiz ist ein solches Projekt einzigartig. Deswegen müssen erst auch noch alle Formalitäten vom Bundesamt für Strassen bewilligt werden. Das Bundesamt steht aber hinter dem Versuch und alle Beteiligten sind optimistisch, dass bis im Sommer alle Papiere beieinander sind. Damit Olli mit gutem Gewissen und gültigen Papieren durch die Strassen von Zug kurven kann.

3. «Selbstfahrend …» Ist das Ding wirklich sicher?

Damien Declercq beruhigt: «Der Shuttle fährt sicherer, als normale Lenker Auto fahren würde. Das Auto hat 30 verschiedene Sensoren, viel mehr als ein Mensch, und ausserdem keine eingeschränkten Blickwinkel.» Die vielen Sensoren machen Olli tatsächlich zu einem tendenziell vorsichtigeren Fahrer. In Berlin, wo Reporter der Berliner Zeitung bereits mitfahren konnten, bremste Olli sogar für eine Geschwindigkeitsschwelle, weil Olli die Schwelle für einen Menschen oder ein Tier hielt, das vor ihm auf dem Boden liegt.

Davon abgesehen fährt noch immer ein Fahrer mit. Zwar eher als Aufpasser für den Notfall. Ganz alleine darf Olli noch nicht fahren.

Der grosse Moment der Enthüllung: Erstmals wird Shuttlebus Olli der Öffentlichkeit präsentiert.

Der grosse Moment der Enthüllung: Erstmals wird Shuttlebus Olli der Öffentlichkeit präsentiert.

(Bild: lha)

4. Wieso eigentlich nur ein einziger Shuttle und nicht gleich eine ganze Flotte?

Es sei ein Versuch, ein Experiment, sagt Andreas Meyer, CEO der SBB: «Lasst uns mal etwas ausprobieren.» Klar, Olli werde auch mal stehen bleiben, es werde Pannen geben. Aber «aus den Erfahrungen in Zug können wir lernen. Wir sind alle herausgefordert, etwas Neues zu entdecken».

5. Wohin fährt Olli genau?

Das Projekt startet im Sommer und beginnt sehr wahrscheinlich mit einer einfachen Strecke: vom Zentrum in Richtung V-Zug. Das soll aber erst der Anfang sein, erzählt Damien Declercq: «Die Strecke sollte im Verlauf des Testes immer komplizierter werden.» Vorstellbar seien viele Varianten, erzählte SBB CEO Andreas Meyer. Einfache Shuttle-Fahrten bis hin zum Einsatz als Linienbus der ZVB mit Stopps entlang der Strecke während des ersten Teils des Projektes. «Auch ob man Olli per Internet bestellen kann, sollte getestet werden.» Solche Fahrten «On Demand» wären auch das eigentliche Ziel im zweiten Teil: Durch intelligente Fahrgemeinschaften könnte der lokale Verkehr enorm entlastet werden.

6. Wie lange wird Olli auf Zuger Strassen unterwegs sein?

Das Projekt dauere ab diesem Sommer voraussichtlich zwei Jahre, sagt Andreas Meyer. Wann genau aber die verschiedenen Phasen an der Reihe sind, ist noch nicht klar. Das werde im Laufe des Projektes entschieden.

Neugierig besteigen Mobility-Geschäftsführer Patrick Marti und Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller den selbstfahrenden Shuttle.

Neugierig besteigen Mobility-Geschäftsführer Patrick Marti und Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller den selbstfahrenden Shuttle.

(Bild: lha)

7. Wieso kommt dieses Projekt genau nach Zug?

Das Technologiecluster habe die ersten Kontakte hergestellt, sagt Dolfi Müller. Local Motors wurde dann von der SBB angefragt und so kam das Projekt ins Rollen. Natürlich verfolgten alle Beteiligten bereits vor dem Zusammenschluss ähnliche Ideen. Dank der Zusammenarbeit mit der ZVB ist es zudem möglich, Olli voll in den öffentlichen Verkehr zu integrieren. Davon erhoffen sich alle Beteiligten umso aussagekräftigere Ergebnisse für zukünftige Folgeprojekte.

8. Wer war dagegen?

Niemand: Zumindest lokal gab es keinen politischen Gegenwind, sagt Dofi Müller. Der Stadtrat sei geschlossen hinter dem Projekt gestanden. «Zukunftspolitik ist unser Ding», fasst es Dolfi Müller lachend zusammen. Der bisher fehlende politische Gegenwind kommt aber wohl auch daher, dass Zug nicht übermässig finanzielle Mittel zur Verfügung stellen muss. «Wir mussten nicht einmal ins Parlament», ergänzt Dolfi Müller.

Andreas Meyer verrät später noch, dass das Projekt im Ganzen etwa zwei Millionen Franken kosten wird, wobei auch der Bund einen Teil beiträgt.

9. Was heisst das für die Stadt Zug?

Zusammengefasst dürfen sich Zuger als Pioniere brüsten und werden wohl in Zukunft von einer Verkehrsentlastung profitieren. Dolfi Müller: «Das Projekt Zentrum Plus wurde verworfen. Der selbstfahrende Shuttle kann momentan zwar einen Stadttunnel nicht ersetzen. In Zukunft könnten solche Systeme den Zuger Verkehr aber schon entlasten.» Dolfi Müller sieht sogar schon ganz konkrete Szenarien, wie Olli die Zuger Mobilität verändern könnte: «Ich kann mir gut vorstellen, wie unsere Kinder mit Olli in die Schule oder zur Arbeit fahren.» Wobei das dann vielleicht nicht mehr Olli ist, sondern eher Ollis Nachkommen.

Die Beteiligten des Projektes posieren vor dem Shuttlebus.

Die Beteiligten des Projektes posieren vor dem Shuttlebus.

(Bild: lha)

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Lionel Hausheer, 07.03.2017, 22:34 Uhr

    Soweit ich weiss, verkehren die Minibusse in Sion bis jetzt bloss in der Fussgänger- und Begegnungszone der Altstadt. Die Ollis in Zug sollen hingegen im Verkehr integriert werden. Davon abgesehen sind die Projekte aber tatsächlich sehr ähnlich ;).

  2. Simon Popp, 07.03.2017, 20:16 Uhr

    Finde ich ein tolles Projekt. Die Einzigartigkeit, zu den Minibussen der Postauto AG in Sion, sehe ich noch nicht.