Neues Luzerner Theater will mit Wettbewerb grossen (Ent-)Wurf landen
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Das Stadttheater an der Bahnhofstrasse mit der Liegenschaft Buobenmatt dahinter (rosa). (Bild: Hoehn)

Kredit von fast 2,5 Millionen Franken nötig Neues Luzerner Theater will mit Wettbewerb grossen (Ent-)Wurf landen

5 min Lesezeit 6 Kommentare 02.07.2021, 11:00 Uhr

Wo heute das Stadttheater steht, ist ein Neubau geplant. Dazu wird im Herbst ein zweistufiger Architekturwettbewerb lanciert – erwartet werden 80 Vorschläge. Die Planer haben in vielerlei Hinsicht freie Hand, doch die Anforderungen ans Siegerprojekt sind hoch. Vom Tisch ist die Idee, die Liegenschaft Buobenmatt miteinzubeziehen – obwohl sogar ein Kauf zur Debatte stand.

Welches Theater wird Luzern in zehn Jahren beglücken? Das ist nicht nur eine architektonische, sondern insbesondere auch eine inhaltliche Frage. Der Stadtrat möchte diese Diskussion – gemeinsam mit den Theaterfachleuten – aber auf der Grundlage eines konkreten Projekts führen. Er lanciert darum einen Architekturwettbewerb für einen Neubau am heutigen Standort.

Diesen Freitag präsentierten die Verantwortlichen die Eckpunkte für den Wettbewerb. Klar ist bereits jetzt: Es soll ein Neubau mit diesen drei Veranstaltungsräumen werden: ein grosser Saal mit Orchestergraben für mindestens 600 Leute, ein kleiner Saal für zirka 350 Zuschauer sowie ein multifunktionales Studio. Dazu kommen ein grosszügiges Foyer sowie Platz für die Gastronomie. In Zukunft wird das Theater ganzjährig bespielt und stärker zum Begegnungsort im Stadtzentrum. Bevölkerung, Künstlerinnen, Musiker und Passanten sollen sich gemäss der Vision «in der Theater-Beiz» begegnen, die täglich geöffnet sein wird.

Zehn bis zwölf Entwürfe werden vertieft

Gleichzeitig soll das Bauprojekt auch dem Ortsbild und dem Denkmalschutz Rechnung tragen. Zur Erinnerung: Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und Denkmalpflege haben sich dezidiert gegen einen Neubau ausgesprochen. Sie fordern, dass das Stadttheater als ortsbildprägendes Denkmal zu erhalten sei. Die Projektierungsgesellschaft hat sich bekanntlich darüber hinweggesetzt – mit dem damit verbundenen rechtlichen Risiko (zentralplus berichtete).

Vom Neubau-Projekt erhoffen sich die Verantwortlichen einen Befreiungsschlag aus diesem Dilemma. Um den Fächer möglichst weit zu öffnen, ist ein anonymer zweistufiger Projektwettbewerb geplant. Das heisst: In einer ersten Runde, die im Oktober startet, können alle Interessierten ihre Ideen entwickeln. Laut Stadtpräsident Beat Züsli rechnet man mit rund 80 Projekten. Zehn bis zwölf der vielversprechendsten Entwürfe sollen im zweiten Schritt weiter konkretisiert werden. Als Präsident des international besetzten Preisgerichts fungiert der Architekt Patrick Gmür, der aus der Region Luzern stammt und als langjähriger Stadtarchitekt von Zürich die nötige Erfahrung mitbringt.

«Wir möchten die Architektenteams dazu ermutigen, gross zu denken, frei zu denken.»

Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin Stiftung Luzerner Theater

Der Wettbewerb überlässt den Teilnehmern bewusst viel Spielraum. «Wir möchten die Architektenteams dazu ermutigen, gross zu denken, frei zu denken», sagte Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater am Freitag vor den Medien. So gibt es beispielsweise keine Vorschriften für den Abstand zur Reuss oder zur Jesuitenkirche, obwohl gerade der Bezug zum benachbarten Sakralbau für Gesprächsstoff sorgt (zentralplus berichtete). Auch was die Höhe betrifft, haben die Architekten freie Hand.

Die Verantwortlichen wollen im Einzelfall entscheiden, welche Ideen überzeugen. «Wir vertrauen der visionären Kreativität der Architekten, einen wirklich grossen Wurf des 21. Jahrhunderts zu schaffen, der auch betrieblich funktioniert», sagte Aufterbeck Sieber. Man sei überzeugt, sagte David Keller von der Arthur-Waser-Stiftung, dass das Siegerprojekt «die Forderungen des Ortsbildschutzes besser erfüllen wird, als es das bestehende Gebäude vermag».

Kurzum: Die Hoffnung besteht, dass die Architekten am Ende einen derart grandiosen Entwurf vorlegen, dass sich auch die eidgenössischen Kommissionen und andere Kritiker vom Neubau überzeugen lassen.

Grösser denken – bis zur Buobenmatt?

Schon länger geistert die Idee umher, die angrenzende Liegenschaft Buobenmatt in die Planung einzubeziehen. Zumal dort mit dem Umzug der kantonalen Verwaltung an den Seetalplatz ohnehin Räume freiwerden. Laut dem Stadtrat wäre es tatsächlich interessant, einzelne Nutzungen dort unterzubringen. Denn um das Fuder fürs neue Theaterhaus nicht zu überladen, werden jene Räume ausquartiert, die für den Betrieb nicht zwingend nötig sind. Das betrifft Büroplätze genauso wie die Kostümabteilung.

Die Luzerner Pensionskasse als Eigentümerin dieses Gebäudes konnte allerdings keine feste Zusage für die Vermietung von Räumen für später machen – auch weil derzeit noch nicht klar ist, ab wann das Theater sie überhaupt brauchen würde.

2013 stimmten die Luzerner der Neugestaltung der Bahnhofstrasse zu: Visualisierung des Siegerprojekts.

Allerdings schlug sie als Alternative vor, das ganze Gebäude zu verkaufen. Doch weder die Stadt noch die Projektierungsgesellschaft wollten diese Option weiterverfolgen. Zum einen aus zeitlichen Gründen; zum anderen, weil dies das Projekt finanziell zu stark belastet hätte, sagte Stadtpräsident Beat Züsli.

Auswirkungen hat das neue Theater auch auf die andere Seite hin, Richtung Bahnhofstrasse. Diese wird gemäss einem Volksentscheid bekanntlich neu gestaltet. Daran will der Stadtrat grundsätzlich festhalten, wie er beteuert. Trotzdem gewährt er den Architekten auch in diesem Punkt Freiheiten: Im Wettbewerbsverfahren wird die Möglichkeit offen gelassen, allfällige Anpassungen an der geplanten Neugestaltung der Bahnhofstrasse zur Diskussion zu stellen.

Stadtparlament entscheidet im September

Man darf also gespannt sein auf die Entwürfe für das neue Luzerner Theaterhaus. Das Siegerprojekt wird bis Ende 2022 erwartet und im Januar 2023 der Öffentlichkeit präsentiert. Für den Architekturwettbewerb ist ein Kredit von 2,45 Millionen Franken nötig. Davon wird voraussichtlich eine Million Franken von der Arthur-Waser-Stiftung übernommen. Der Kredit wird im September dem Luzerner Stadtparlament unterbreitet.

Neues Theater generiert Wertschöpfung von über 30 Millionen Franken

Eine Studie der Universität St. Gallen im Auftrag der Projektierungsgesellschaft zeigt: Das neue Luzerner Theater bringt eine regionale Wertschöpfung von 28,3 Millionen Franken in der Agglomeration. Betrachtet man die Zentralschweiz insgesamt, sind es sogar 32,6 Millionen Franken. Die Studie bewertet das Projekt unter regionalwirtschaftlichen Gesichtspunkten positiv, wobei die Effekte vor allem in der Stadt und in der Agglomeration anfallen.

So steigt durch das Projekt die Standort- und Wohnattraktivität und ermöglicht es dem Tourismus, neue Zielgruppen zu erreichen. Allerdings genügt ein neues Gebäude dafür nicht – der Inhalt müsse den gleichen hohen Qualitätsanforderungen genügen, so die Studie. «Alles in allem lässt sich festhalten, dass die potenziellen Effekte eines neuen Luzerner Theaters weit über den Neubau einer Kultureinrichtung hinausgehen können, wenn das Vorhaben als Gelegenheit verstanden wird, die damit verbundenen künstlerischen, touristischen und stadtentwicklungsbezogenen Chancen aufzugreifen.»

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6 Kommentare
  1. Josh, 05.07.2021, 10:11 Uhr

    Luzern braucht kein teures Theater. Ich bin als Steuerzahler nicht bereit, ein paar elitäre Kulturkonsumenten zu subventionieren, die ihr Banausentum mit ihrem subventionierten Besuch schmücken.

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    1. Scheidegger, 07.07.2021, 15:20 Uhr

      Hoppla! Würde mich mal schlau machen, wie sich das Luzerner Theater finanziert. Und Hoppla, werden Sie feststellen, dass die ganz gutbetuchten Menschen, aus Liebe zur Kunst, sehr tief in die Tasche greifen. Der Steuerzahler wird da jährlich mit ca. CHF 50.– – wenn überhaupt – belastet. Nebenbei gehören Sie als Steuerzahler einer solidarischen Gesellschaft an, welche eben auch mal etwas mitfinanziert, dass einem persönlich nicht ganz so passt. Wie schon mal geschrieben: Alles eine Frage der Intelligenz.

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  2. Müller, 03.07.2021, 15:47 Uhr

    Das Neue Theater vor das Inseli eine tolle Form einer Art von einer Muschel, so wie das Opernhaus in Kanada, das Inseli bietet den perfekten Eingang als Park der evtl. verbessert werden müsste , Vorausgesetzt die Carparkplätze verschwinden endlich ,doch bis geplant ,Abgestimmt und Gebaut wird vergehen sicher 30 Jahre,

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  3. Hegard, 02.07.2021, 14:00 Uhr

    In der Buobenmatt könnten Sie ja eine neue Bibliothek Bauen Uni Nähe.
    Und in der Sempacherstr Uni Bibliothek ein neues Theater bauen.lm Vögeli
    Gärtli könnten sie unterirdisch ein Lager Bauen.Gut erreichbar mit ÖV.Parkhsus in der Nähe.schöner Vorpark

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  4. Scheidegger, 02.07.2021, 13:42 Uhr

    «Wir möchten die Architektenteams dazu ermutigen, gross zu denken, frei zu denken!» Dann aber wirklich gross und frei denken, auch die Luzerner Bevölkerung. Ein solches Projekt eröffnet tatsächlich Chancen, birgt aber auch grosse Risiken (siehe Salle Modulable-Debakel).

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  5. Marcel Sigrist, 02.07.2021, 13:00 Uhr

    «Wir möchten die Architektenteams dazu ermutigen, gross zu denken, frei zu denken.». Aber dann den Schandfleck Buobenmatt nicht in die Planung mit einbeziehen. Widerspricht sich doch komplett.
    Das Theater braucht Platz. Dass es ohne Buobenmatt Auslagerungen braucht, wird ja gesagt.
    die Luzerner Pensionskasse würde das Gebäude verkaufen. Aber nein, ein Kauf steht bei den Verantwortlichen nicht im Fokus. Aus zeitlichen Gründen..sic. Wie lange wird schon an einem neuen Theater herumgedoktert? Gross zu denken und frei zu denken fordern und gleichzeitig die städtebauliche Chance links liegen lassen, bravo!

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