Neuer Vertrag beim SC Kriens? Bruno Berner will bis April zuwarten
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Bruno Berner hatte in der Vorrunde allen Grund zu jubeln. (Bild: Urs Lindt/ freshfocus)

Trainer will Fokus auf nächstes Saisonviertel legen Neuer Vertrag beim SC Kriens? Bruno Berner will bis April zuwarten

7 min Lesezeit 21.01.2020, 17:48 Uhr

Der SC Kriens liegt nach der Hinrunde auf dem guten dritten Platz der Challenge League. Bei Bruno Berner ist noch unklar, ob er über die Saison hinaus bei Kriens bleibt. Er fordert professionellere Strukturen – und erklärt im Interview, wem er den Sprung in die Super League zutraut.

zentralplus: Vor dem Saisonstart erklärten Sie, Ziel sei es, besser als im Vorjahr zu sein. Das wäre der achte Platz. Derzeit liegt man auf Position drei. Wie entspannt verläuft die Vorbereitung?

Bruno Berner: Die Stimmung ist gut. Wir haben zwölf Punkte mehr als letzte Saison. Es ist bemerkenswert, welche Leistungssteigerung unsere Jungs gemacht haben.

zentralplus: Was hat sich beim SC Kriens verändert?

Berner: Wir treten jetzt mehrheitlich mit zwei Stürmern an. Letztes Jahr waren wir doch stark auf Saleh Chihadeh angewiesen. Ich bin prinzipiell ein Trainer, der gerne mit zwei oder gar drei Stürmern spielt. Ich stehe für Angriffsfussball.

zentralplus: Darf man als Cheftrainer eigentlich zufrieden sein? Oder ärgern Sie sich noch über das Cup-Out oder die Heimniederlage gegen GC trotz klarem Chancenplus?

Berner: Gute Leistungen schützen vor Rückschlägen nicht. Die Leistungen waren insgesamt zufriedenstellend. Aber klar, ein Cheftrainer kann und darf eigentlich nie zufrieden sein.

zentralplus: Man kann eine Euphoriewelle auskosten oder die Mannschaft immer wieder bremsen. Was sind Sie für ein Typ Trainer?

Berner: Bremsen darf man nie. Mit Euphorie und Enthusiasmus durchs Leben gehen, hier kann man sich ein Vorbild an kleinen Kindern nehmen. Fakt ist, wir haben eine gute Ausgangslage, um uns eine dritte Challenge-League-Saison zu sichern. Aber innerhalb weniger Wochen kann sich alles ändern.

«Wir lassen nach wie vor zu viele Chancen aus.»

zentralplus: Im letzten Winter wollten Sie unbedingt einen erfahrenen Sechser holen. Der Wunsch konnte mit Burim Kukeli erst im Sommer erfüllt werden. Wo sollte das Team aktuell verstärkt werden?

Berner: Als Trainer sieht man immer Verbesserungspotential. Aber an der Transferfront ist es bei uns ruhig. Wenn man tiefer klassiert ist, macht man zwangsläufig mehr Retuschen. Ich denke, wir lassen nach wie vor zu viele Chancen aus. Wir haben lediglich zwei Mal mehr als zwei Tore erzielt. Zudem muss man festhalten, dass unser Tor-Verhältnis trotz Rang drei negativ ist. Das hält uns wach. Auch wenn diese Statistik durch das überlegene Lausanne verzerrt wird.

zentralplus: Die Überlegenheit der Lausanner ist beeindruckend. Sie gewannen drei Mal in Serie 5:0. Ist das Aufstiegsrennen gelaufen?

Berner: Ja. Mit einem Milliardär im Rücken haben sie einen eigenen Campus aufgebaut. Einen solchen haben sonst nur Basel und GC, wobei letztere eher damit zu kämpfen haben.

zentralplus: Positiv aufgefallen ist in der Vorrunde Jan Elvedi. Ist er der nächste SC-Kriens-Spieler, der bereit ist für den Sprung in die Super League?

Berner: Vom Potential her ja. Er spielt unglaublich konstant und ich traue ihm zu, dass er in der Super League zum Thema wird.

zentralplus: Sieht man die Parallelen zu seinem Zwillingsbruder und Nati-Star Nico Elvedi?

Berner: Sie sind grundverschieden. Jan ist körperlich fast robuster und auch sprungkräftiger. Bei Nico ging die Entwicklung viel schneller. Jan hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen und ist zurzeit erwerbstätig. Ihr Vater war bei meiner Zeit im Nachwuchsbereich des FCZ übrigens mein Vorgesetzter.

zentralplus: Müssen Sie noch immer viele Eingeständnisse machen, weil gewisse Spieler erwerbstätig sind?

Berner: Ja, ich bin ständig auf der Suche nach Lösungen für jeden einzelnen Spieler. Bei Kriens haben wir nicht die gleichen Voraussetzungen wie die anderen Clubs in der Challenge League. Aber es ist meine Aufgabe, dies zu managen.

Bruno Berner lässt gerne offensiv spielen.

zentralplus: Wie gehen Sie vor?

Berner: Es gibt bei uns vier verschiedene Profile. Erstens die jungen Talente, die ihre Karriere lancieren wollen. Dann ein Spieler wie Abubakar, für den der SCK ein Sprungbrett sein kann. Dann haben wir Spieler, die arbeiten oder studieren, und letztlich noch Spieler wie Igor Tadic oder Burim Kukeli, die am Ende ihrer Karriere sind und den Wiedereinstieg in die Berufswelt anstreben. Für das Training meiner Sozialkompetenz könnte die Ausgangslage nicht besser sein.

zentralplus: Gibt es Unterschiede im Training zwischen den einzelnen Gruppen? Zeigen jene Spieler, die eine Profikarriere anstreben, mehr Biss?

Berner: Biss haben alle und alle wollen gewinnen. Die grössten Unterschiede nimmt man bei der Erholung wahr. Wer arbeiten muss, hat weniger Regenerationszeit.

zentralplus: In der Winterpause wurden Sie als neuer FCL-Trainer gehandelt. Es gab ein Gespräch, aber kein konkretes Angebot. Haben Sie darüber mit Ihrem Team gesprochen?

Berner: Nein.

zentralplus: Denken Sie, hinter den Kulissen war das ein Thema?

Berner: Vielleicht haben die Spieler sich schon Fragen gestellt. Aber ich hatte in meiner Karriere viele Trainer und das ist im Fussball völlig normal.

«Unser Ziel ist, in den nächsten neun Spielen die 40-Punkte-Marke zu knacken.»

zentralplus: Ihr Vertrag läuft aus. Auch einige Spieler haben nur ein bis im Sommer gültiges Arbeitspapier. Die Arbeit des Sportchefs würde sich vereinfachen, wenn zumindest die Situation auf dem Trainersessel geklärt wäre. Was denken Sie darüber?

Berner: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich frage mich, was im Sommer von den Strukturen her möglich ist. Ist der SC Kriens für den nächsten Schritt bereit? Aber momentan haben wir keinen Zeitdruck. Unser Ziel ist, in den nächsten neun Spielen die 40-Punkte-Marke zu knacken. Alle sollten sich unabhängig von ihrer Vertragssituation auf das dritte Saisonviertel konzentrieren. Was ab April ist, hat niemanden zu interessieren. Das ist auch zwischen dem Sportchef und mir so.

zentralplus: Sie schliessen im Sommer ihre Trainerausbildung ab. Wie sieht Ihr Karriereplan aus?

Berner: Das Timing muss gut sein, denn der nächste Schritt ist für mich wichtig. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es mit dem SC Kriens weitergeht. Das Gute als Trainer ist, man hat keinen Zeitdruck. Ein Athlet muss zwischen 15 und 20 den Sprung schaffen und die Karriere dauert bis 35 Jahre. Als Trainer ist es viel wichtiger, dass jeder Schritt überlegt ist. Man soll sich nicht blind in ein Fussball-Abenteuer stürzen. Ich habe bei den Trainern viel Freude gesehen in meiner Karriere, aber auch viel Leid. Wenn mit 40 die Trainerkarriere beendet ist, ist es unschön.

zentralplus: Reizt Sie das Ausland?

Berner: Ich habe eine Familie und meine Frau arbeitet auch. Auch ein solcher Schritt muss sehr gut überlegt sein.

«Mit dem Meistertitel wird sich Jürgen Klopp in Liverpool unsterblich machen.»

zentralplus: Eigentlich gibt es nur zwei Varianten für einen freien Trainerstuhl in der Super League: Entweder ein Team ist sportlich in der Krise und die Clubleitung zieht die Notbremse. Oder ein Trainer macht so gute Arbeit, dass er abgeworben wird. Was wäre für Sie das bevorzugte Szenario?

Berner: Beides ist eine Challenge. Wir haben mit Gerardo Seoane eine wunderbare Geschichte gesehen. Er kam in ein Gefüge, das funktionierte. Gerry hat das hervorragend weitergeführt. Aber auch ein Einstieg als Feuerwehrmann kann klappen. Manchmal braucht es deine Elemente und der Erfolg stellt sich rasch ein. Ich bin zu wenig lang im Trainerbusiness, um zu sagen, was schwieriger ist.

zentralplus: Sie haben von Ihren Trainern als Spieler gesprochen. Wer blieb am meisten in Erinnerung?

Berner: Schlussendlich alle – 15 waren es insgesamt. Auch wenn ich als junger Fussballer manchmal das Gefühl hatte, dieser Trainer ist nichts für mich. Man kann von allen etwas mitnehmen. Am meisten Einfluss hatte Nigel Pearson, aktueller Watford-Trainer. Er holte mich zu Leicester City. Das war das Beste, fussballerisch und auch menschlich. Der menschliche Aspekt war bei Volker Finke beim SC Freiburg ebenso von grosser Bedeutung. Er sagte stets: «Fussball ist mehr, als was auf dem Platz passiert.»

zentralplus: Sie haben noch immer ein grosses Faible für den englischen Fussball. Was halten Sie von Überflieger Jürgen Klopp?

Berner: Absolut überragend. Ich spielte gegen ihn, als er in Mainz Trainer war. Wie er den Fussball spielen lässt, entspricht meiner Philosophie. Man darf sich ja schliesslich auch etwas von den Besten abschauen. Mit dem Meistertitel wird sich Jürgen Klopp dieses Jahr in Liverpool unsterblich machen.

Hinweis: Der SC Kriens startet diesen Samstag um 17.30 Uhr im Heimspiel gegen den sechstplatzierten FC Winterthur in die Rückrunde.

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