Neuer Parkhaus-Vorschlag platzt in die Metro-Debatte
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SVP-Kantonsrat Daniel Keller fordert eine Park-and-Ride-Anlage zur geplanten Reussportbrücke. (Bild: Montage zentralplus)

Idee für umstrittene Luzerner Reussportbrücke Neuer Parkhaus-Vorschlag platzt in die Metro-Debatte

4 min Lesezeit 7 Kommentare 05.02.2020, 05:14 Uhr

Die Luzerner SVP schlägt vor, die umstrittene Reussportbrücke mit einem Parkhaus und einem Shuttle in die Innenstadt «aufzuwerten». Der Vorschlag kommt wenige Tage vor der Metro-Abstimmung zu einem heiklen Zeitpunkt.

Das abgespeckte Spange-Nord-Projekt – die neue Reussportbrücke – ist im Gegenwind: Der Widerstand aus den Quartieren ebbt nicht ab. Und kürzlich hat eine unabhängige Verkehrsstudie gar den Nutzen des Autobahnzubringers infrage gestellt, weil der Kanton mit überholten Verkehrsprognosen operiere (zentralplus berichtete).

Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung legt die SVP nun eine brisante Forderung vor: Beim Autobahnanschluss Lochhof soll es nicht nur eine Brücke, sondern ein neues Parkhaus geben. Kantonsrat Daniel Keller bringt die Idee in einem aktuellen Postulat aufs politische Tapet. Unterschrieben haben den Vorstoss neben 19 SVP-Kantonsräten auch verschiedene CVP- und FDP-Politiker aus der Verkehrskommission.

Der Regierungsrat soll eine ober- oder unterirdische Park-and-Ride-Anlage für Autos und Reisecars prüfen. Eine Projektstudie dazu soll parallel zur Planung und Umsetzung der Reussportbrücke erfolgen.

«Die Reussportbrücke erhält auf diese Weise sogar einen Mehrwert.»

Daniel Keller, SVP-Kantonsrat

Mit der Parking-Anlage könnte ein grosser Teil des Verkehrs durch die Innenstadt verhindert werden und die Stadt «massgeblich vom motorisierten Individualverkehr entlastet werden», ist der Postulant überzeugt. Das Zentrum soll durch eine ÖV-Verbindung (Bus oder Shuttlezug) mit dem neuen Parkhaus erschlossen werden, den Initianten schweben private Investoren vor.

«Ein erfolgreiches P+R-System erzeugt am Ende weniger Autoverkehr in der Innenstadt, die Reussportbrücke erhält auf diese Weise sogar einen Mehrwert», nennt Daniel Keller die Vorzüge.

Zwei Park-and-Ride-Anlagen braucht’s nicht

Parkhaus am Stadtrand, Shuttle-Verbindung ins Zentrum, private Investoren: Dabei wird man unweigerlich an die Metro-Idee erinnert, über welche die Stadtbevölkerung am kommenden Sonntag abstimmt. Schwebt Daniel Keller eine Anbindung ans Metro-Netz vor – oder ist es ein Konkurrenzvorschlag?

«Das bestehende Metro-Projekt mit Parkhaus Ibach steht nicht im direkten Zusammenhang mit dem Postulat», sagt er. Dieses sei bewusst sehr offen formuliert und erst ein Prüfungsauftrag. «In welche Richtung die Stadt Luzern mit der Regierung einen Shuttle in die Innenstadt planen will, kann heute noch nicht abgeschätzt werden», sagt Keller, der auch im Vorstand der lokalen TCS-Sektion amtet.

So sieht die neue Reussportbrücke in der Visualisierung aus. (Bild: zvg)

Dennoch ist klar: Zwei Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand braucht Luzern nicht. Also könnte Kellers Vorschlag wenige Tage vor der Metro-Abstimmung dem Anliegen, das auch von der SVP unterstützt wird, durchaus schaden.

Daniel Keller sagt dazu: «Es liegt auf der Hand: Beides zusammen wird wohl kaum geplant werden.» Er scheint ohnehin nicht an die Metro Luzern zu glauben: «Die Chancen einer Realisierung dieses Projekts dürften objektiv betrachtet nicht allzu gross sein.»

Für die Metro-Initianten kommt der Vorstoss jedenfalls zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Unrealistisch sei die Parkhaus-Idee beim Reussport, hört man hinter der Hand.

SVP ist sich nicht einig

Interessant ist auch, dass nicht die ganze SVP den Vorstoss von Daniel Keller unterstützt: So etwa der Metro-Befürworter Dieter Haller, Kantonsrat und Präsident der städtischen SVP. Er verhehlt den Ärger über den Vorstoss seines Fraktionskollegen nicht, möchte sich aber so kurz vor der Abstimmung nicht zitieren lassen.

Vom Unbehagen in der SVP über die neue Parkhaus-Idee zeugt auch der Umstand, dass zentralplus von mehreren Seiten nahegelegt wurde, mit der Berichterstattung bis nach der Metro-Abstimmung zu warten. Üblicherweise werden Berichte über politische Vorstösse begrüsst.

Eine «illusorische» Idee

Auch bei den Gegnern des geplanten Autobahnzubringers kommt die Idee – wenig überraschend – schlecht an. Für den ehemaligen grünen Stadtpolitiker Ruedi Schmidig, der sich in den Komitees gegen die Spange Nord und Reussportbrücke engagiert, ist die Parkhaus-Idee «illusorisch». Eine Diskussion darüber erübrige sich: «Weil die Planung der Reussportbrücke auf falschen Daten basiert, müsste man die Vernehmlassung jetzt abbrechen und über die Bücher gehen», sagt er.

Er bezieht sich auf das kürzlich erstellte Gutachten der Fachhochschule Nordwestschweiz, das entgegen den Annahmen des Kantons bis 2040 eine stärkere Abnahme des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt erwartet. Schmidig hofft darum, dass der seit letztem Sommer zuständige Regierungsrat Fabian Peter den Prozess stoppt.

Daniel Keller indes glaubt an seinen Vorschlag und plädiert dafür, jetzt die Ergebnisse des breit abgestützten Vernehmlassungsverfahrens zur Reussportbrücke abzuwarten. «Auch seitens der Stadt erwarte ich eine ergebnisoffene, zielführende Mitarbeit an diesem Projekt.»

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7 Kommentare
  1. Marcel Sigrist, 05.02.2020, 13:34 Uhr

    Danke für die Unterstützung zu einem „Ja zur Metro Luzern!“ die mit der neuen Idee, die geplante Reussportbrücke mit einem Parkhaus „aufzuwerten“, unbeabsichtigt bewirkt wird. Wenn auch in letzter Minute vor der Abstimmung am kommenden Sonntag haben es die verschiedenen Hardliner gegen eine Metro-Luzern fertiggebracht, mit Hilfe der halben SVP noch ein wenig Verwirrung unter den Stimmbürgern zu stiften. Zuerst von Links/Grün der Hammer mit dem „Metro Milliardenloch nein“ gegen das ÖV-Projekt Metro, dann von Rechts/C-Bürgerlich ein fettes „metro-nein“ auf allen Kanälen und nun noch der Irrläufer der halben SVP mit durchschaubarem gleichen Ziel dazu. Eine bessere Werbung für die Initianten der Metro-Initiative gibt es nicht, vor allem nicht gratis. Aber eines ist bleibt klar: Luzern braucht Lösungen. Einfach über die verschiedensten Parkhausmöglichkeiten zu sinnieren geht da nicht. Lösungen gibt es aber nur im ÖV-Verbund. Nun werden es die Stimmbürger am Sonntag richten müssen.

  2. Marco, 05.02.2020, 13:30 Uhr

    Etwas Gutes hat diese Idee der Reussportbrücke. Eine Brücke für Velos und Fussgänger an diesem Ort sorgte für attraktive Langsamverkehrs-Verbindungen zum und vom Spital. Fabian Peter, redimensionieren Sie bitte das Projekt.

  3. CScherrer, 05.02.2020, 09:25 Uhr

    Zeigt deutlich auf, dass die Bürgerlichen kein Interesse daran haben, die Verkehrsproblematik nachhaltig lösen zu wollen. Solche Vorschläge sind an Dilettantismus nicht zu überbieten. Als Bürger dieser Stadt werde ich langsam aber sicher extrem sauer und wiederhole mich vielleicht an dieser Stelle. Die Parteien sind angehalten, die Verkehrsproblematik nicht ideologisch zu lösen. Die Stadt soll, muss sich die Verkehrsproblematik zu nutzen machen und diese sofort zu lösen beginnen. Dazu gehören Überlegungen zu einer Maut-Gebühr, welche der Stadt Einnahmen bringt. In diesem Zusammenhang kann ebenfalls überlegt werden, ob der öffentliche Verkehr in der Stadt Luzern nicht kostenlos angeboten werden kann. Handelt jetzt mit sofort umsetzbaren Lösungen.

  4. Ramon Dassler-Maldonado, 05.02.2020, 07:39 Uhr

    Im Ernst jetzt? Die Verzettelung wird ja immer noch bunter und grotesker! Die Bürgerlichen sehen, dass die Metroabstimmung in der Stadt Luzern chancenlos bleiben wird. Das Parkhaus Musegg ist natürlich auch längst und nachhaltig vom Tisch. Kommt nun der Clou mit dem Parkaus bei der Spange Nord – die auch nie kommt! Das ist doch einfach unglaublich, die Zwängerei. Aber man sieht schön den Fokus der „Wirtschaftsparteien“: Eine Lösung muss sich nicht dadurch konstituieren, dass diese etwas löst, sondern dadurch, dass in erster Linie irgendwas Teures gebaut werden muss. Nur: Die Stadtluzerner Stimmbürger wollen das nicht mehr und haben in ihrem Wahl- und Abstimmungsverhalten ein Mass an Vernuft und Weitsicht angenommen, dass mich optimistisch stimmt!

    1. Urs Reutimann, 05.02.2020, 12:20 Uhr

      „Parkaus“ ist gut! Passt als neuer Slogan zu SpangeNo.

    2. Baldmeister, 05.02.2020, 14:39 Uhr

      Genau. Jetzt müssen wir bloss schauen, dass uns die Bürgerlichen nicht den Stapi wegnehmen!

    3. Joseph de Mol, 06.02.2020, 09:13 Uhr

      Haha grossartig. ParkAus Reussport!!

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