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Neuer Bau-Trend – Schneller, höher, Holz!
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Das Hochhaus «Suurstoffi 22»: der Schweizer Primeur aus Holz richtet sich in Windeseile in Rotkreuz auf (Bild: zVg)

In Rotkreuz wächst Holz schneller als je zuvor Neuer Bau-Trend – Schneller, höher, Holz!

4 min Lesezeit 01.11.2016, 19:25 Uhr

Ein zehnstöckiges Hochhaus aus Holz: was nach wildem Architekten-Traum klingt, ist im Kanton Zug bereits Realität. In den nächsten Wochen wird dort ein Hochhaus aus Holz in die Höhe schiessen. Und das sechsmal schneller als sonst. Wer baut da noch mit Beton?

Jedes Jahr entstehen mittlerweile rund 500 Mehrfamilienhäuser mit Holz. Oft geschieht dies in gemischter Bauweise. Auch in der Schweiz ist Holz seit 2015 in allen Gebäude­kategorien und Nutzungen zugelassen. Brandschutzvorschriften-Lockerung sei dank. Nun sind also auch Hochhäuser mit Holzbauteilen möglich. Neben Rotkreuz, wo am 26. Juli die Baubewilligung für den Zehnstöcker erteilt wurde, hat die Bauherrin Zug Estates AG bereits 2010 mit dem Hotel City Garden das erste viergeschossige Holzhotel der Schweiz errichtet.

Das Investitionsvolumen für das Holzhochhaus «Suurstoffi 22» beträgt rund 55 Millionen Franken, wobei das zukünftige Campus-Gebäude der Hochschule Luzern Bestand einer Bauetappe mit insgesamt drei Gebäuden ist. Rund 140 bis 150 Millionen kosten diese drei Gebäude nebenan.

«Wir hoffen dass dadurch auch schweizweit ein Trend ausgelöst werden kann hin zum effizienteren Holzbau.»

Markus Schmid, Erne Holzbau Ingenieur

Ob Wind, Regen oder Schnee: die Struktur hält

Einer der Vorteile von Bauen mit Holz ist die Geschwindigkeit vor Ort und damit einhergehend auch die geringeren Lärm- und sonstigen Immissionen für die Nachbarschaft. Die Rohbauerstellung in den Obergeschossen kann damit wesentlich verkürzt werden.

Gebaut soll das Hochhaus, das von den Gleisen der Zugstrecke Zug-Luzern aus zu sehen sein wird, gemäss dem Ingenieur-Büro mit einer Kombination von Schweizer Fichte-Tanne und Baubuche, welche speziell dafür geeignet sind sowie günstig, schnell und leicht lieferbar sind. Über die Kosten für das Holz will das Büro noch keine Auskunft geben. Das Projekt sei noch in der Planungsphase und Kosten und Volumen müssten noch genau berechnet werden. Nach der gewaltigen Ingenieursleistung galt es für die Offerte die Konstruktion erst einmal durch den Holzzeichner – das Fach-Pendant zum Betonzeichner – auszurechnen.

Ganz neue Dimensionen

«Die schiere Dimension von 10 Stockwerken, das ist die wahre Herausforderung in diesem Projekt», weiss Markus Schmid, der das Projekt auf Seiten des Ingenieurbüros Erne Holzbau AG betreut. Eine weitere Herausforderung sei dabei definitiv das Zusammenspiel mit dem Bauführer und zwischen den Holzelementen und den Massivteilen wie Treppe oder Liftschacht. Diese müssen, um gesetzeskonform zu sein, aus Beton konstruiert werden.

«Ein wichtiger Vorteil ist, dass der Holzbau schneller abläuft als Betonieren mit den üblichen Verschalungen. So kann man gleichzeitig beginnen in der Halle mit Holz vorzubauen während beispielsweise der Bau des Fundaments vor Ort geschieht. Damit geht es parallel viel schneller voran als mit der klassischen Bauweise.» Aber auch unter viel Arbeiter-freundlichen Bedingungen, gerade im Winter wenn es schneit oder regnet und kalt ist, kann im Innenbereich so unter idealen Bedingungen gearbeitet werden.

‹Stammtisch›, Toni-Areal, Zürich, 2014. Bauherrschaft: Baudirektion Kanton Zürich; Zürcher Hochschule der Künste; Architektur: bölsterli hitz gmbh, Zürich; Holzbau: Hübscher Holzbau, Beringen

‹Stammtisch›, Toni-Areal, Zürich, 2014. Bauherrschaft: Baudirektion Kanton Zürich; Zürcher Hochschule der Künste; Architektur: bölsterli hitz gmbh, Zürich; Holzbau: Hübscher Holzbau, Beringen

(Bild: bölsterli hitz gmbh)

Trend trotz «Erdbeben» für Wald und Holz

Schmid: «Wir hoffen dass dadurch auch schweizweit ein Trend ausgelöst werden kann hin zum effizienteren Holzbau.» Pro Woche werde dank dieser Arbeitsweise ein ganzes Stockwerk gefertigt werden können. Im Vergleich dazu dauere der Bau mit Beton bei Massivbauweise rund vier bis sechs Wochen. Ein riesiger Effizienzgewinn also. «Ganze Holz-Elemente können bei dieser Bauweise nur noch vor Ort angeliefert und rasch montiert werden.» Insgesamt wird das Gebäude so gemäss Schmid voraussichtlich in 18 bis 20 Wochen fertiggestellt werden können.

Das Holzhochhaus Suurstoffi 22 soll gemäss Pressestelle von Zug Estates im Sommer 2018 bezugsbereit sein. Die Aushubarbeiten, Fundationen oder der Ausbau (inklusive der Haustechnik) der Fassade sowie zusätzlichen Mieterausbauten werden durch den Holzbau nicht wesentlich oder gar nicht beschleunigt. Dafür kostet der Bau mit Holz auch nicht mehr. Schneller bauen bedeutet aber nicht günstiger bauen, besonders wenn das Holz aus der Schweiz kommt.

Dies bestätigt auch Lignum (lateinisch für Holz), der Verband für Schweizer Holzwirtschaft. Während der schnellere Holzbau besonders bei vorgefertigten Elementen beliebt ist, haben SchweizerWaldeigentümer und Rohholzverarbeiter ihre liebe Mühe, gegen Billigprodukte aus dem Ausland anzukommen. Bis zu 40 Prozent billiger sind diese seit 2009 rein währungsbedingt geworden. Nationalrätin und Lignum-Präsidentin Sylvia Flückiger bezeichnet in ihrem Jahresbericht die Entwicklung, die durch den Fall der Franken/Euro-Wechselkursuntergrenze verursacht wurde, als «eigentliches Erdbeben» für Wald und Holz in der Schweiz. Trotzdem zeigen Projekte wie das in Rotkreuz, dass der Boom trotz Hürden anhält. Schneller ist in der Bauindustrie eben immer noch Synonym für besser.

Fahrzeughalle Museum für Kommunikation, 2013. Bauherrschaft: Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation; Architektur: Patrick Thurston, Bern; Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieure, Thun; Holzbau: Remund Holzbau, Schwarzenburg

Fahrzeughalle Museum für Kommunikation, 2013. Bauherrschaft: Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation; Architektur: Patrick Thurston, Bern; Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieure, Thun; Holzbau: Remund Holzbau, Schwarzenburg

(Bild: Ralph Hut)

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