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Neue Zuger Stiftung sammelt Aktionäre gegen Biotechfirma
  • Wirtschaft
Das war mal: Biotechfirma Amvac in Zug. (Bild: Screenshot zentralplus )

Auf zur «Quasi-Sammelklage» Neue Zuger Stiftung sammelt Aktionäre gegen Biotechfirma

4 min Lesezeit 11.01.2017, 08:54 Uhr

Das mit dem Ebola-Impfstoff war dann nichts: Die Zuger Biotechfirma «Amvac» meldete Anfang letzten Jahres Konkurs an, und nun läuft auch noch eine Untersuchung gegen das Management. Eine Stiftung will jetzt für das Geld der Aktionäre kämpfen. Mit schweizweit neuen Mitteln.

Es ist wohl der Albtraum jedes Verwaltungsrats und Geschäftsleiters. Besonders dann, wenn die Firma droht, in Konkurs zu gehen.

In Zug hat sich Ende Dezember eine Stiftung formiert, die die Aktionäre der untergegangenen Zuger Biotech-Firma Amvac bündeln will – um die ehemaligen Leitungsfiguren für den Verlust von über 100 Millionen Franken privat haftbar zu machen. «Respektive deren Haftpflichtversicherungen in Anspruch zu nehmen» sagt Raymond Lacoste. Er ist Stiftungsrat der neu gegründeten Stiftung «IDC» (Investment Damage Claim) und selber ehemaliger Amvac-Aktionär, wie auch alle anderen Mitglieder des Stiftungsrates.

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«Wir gehen davon aus, dass es rund 1000 bis 1500 Geschädigte gibt», sagt Lacoste. «Wir haben die Adressliste vieler Aktionäre, leider nicht von allen, und sind die uns bekannten nun schriftlich angegangen. Der Rücklauf ist bisher sehr erfreulich.»

Impfstoff gegen Ebola

Gegen gewisse Amvac-Manager und Aktienvermittler läuft im Moment ein Strafverfahren bei den Zuger Strafverfolgungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt laut einem Bericht des «Beobachters» gegen die Geschäftsleitung wegen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und gar Geldwäscherei. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Offenbar köderte die Amvac Anleger hartnäckig mit einem unmittelbar geplanten Börsengang und der Entwicklung von Impfstoffen – etwa einem Impfstoff gegen Ebola, wie der «Blick» schreibt. Der Börsengang kam nicht, stattdessen der Konkurs. Verdient haben laut «Ktipp» vor allem Aktienvermittler, die bis zu 50 Prozent Provision bei Verkäufen abschöpften.

«Ein einzelner Aktionär kann kaum die Kosten eines solchen Verfahrens alleine tragen.»

Raymond Lacoste, Stiftungsrat

Die Stiftung will nun auf dem Zivilweg wenigstens einen Teil der verlorenen Investitionen der Aktionäre wieder zurückholen. Es ist das erste Mal, dass in der Schweiz auf diesem Weg eine «Quasi-Sammelklage» zustande kommen soll. Denn eigentlich sind Sammelklagen in der Schweiz nicht möglich. Deshalb ist das Ziel der Stiftung ein aussergerichtlicher Vergleich. «Aber natürlich mit der Drohkulisse eines zivilrechtlichen Gerichtsprozesses», sagt Lacoste. «Das Ganze ist eigentlich eine Stiftung zur Selbsthilfe für Amvac-Aktionäre.»

Denn alleine könne ein einzelner Aktionär sich niemals auf einen zivilrechtlichen Prozess einlassen. «Nebst dem Volumen an zu verarbeitenden Informationen, kann ein einzelner Aktionär kaum die Kosten eines solchen Verfahrens alleine tragen», so Lacoste. Zudem fehle schlicht eben diese Drohkulisse. «Ganz anders sieht es aus, wenn die Interessen vieler gebündelt werden können.»

Vorbild: Dieselskandal

Das Vorbild für die Gründung der Stiftung sei die holländische Stiftung «Volkswagen Stichting», die die Käufer von VW-Dieselfahrzeugen zu versammeln versucht. «Das ist natürlich eine etwas andere Grössenordnung», sagt Lacoste. «Aber wir gehen davon aus, dass das auch in der Schweiz funktionieren könnte.»

Die Stiftung zielt direkt auf die Personen, die bei der Amvac Leitungsfunktionen innehatten: Verwaltungsräte und Geschäftsleitung. Dass diese mit ihrem Privatvermögen haften müssten, sei gesetzlich geregelt, so Lacoste. «Die Haftung für solche Organe ist im OR relativ hart und weitgehend formuliert.»

Ziel: Ein Vergleich – mit vielen Aktionären gleichzeitig

Startkapital der Stiftung seien 20’000 Franken, sagt Lacoste. Um die übrigen notwendigen Finanzmittel sicherzustellen, will die Stiftung interessierte Aktionäre und sogenannte «Prozessfinanzierer» angehen. Wie viel die Aktionäre einschiessen müssten, ist noch nicht klar. «Wir wollen die Kosten für die Aktionäre tief halten», sagt Lacoste. Aber damit ist natürlich auch das Risiko verbunden, dass die Verhandlungen scheitern und die Aktionäre auf ihren Kosten sitzen bleiben.

«Bei vielen grossen Firmenkonkursen gibt es aussergerichtliche Einigungen, von denen man nie etwas hört, weil die Parteien Stillschweigen vereinbaren.»

Raymond Lacoste, Stiftungsrat

Die Stiftung geht von «sehr hohen Erfolgschancen» aus, das schreibt sie in ihrer Medienmitteilung. «Wir haben die Ausgangslage analysiert und kommen zum Schluss, dass es gute Chancen gibt», sagt Lacoste. Es sei gang und gäbe, dass es nach Konkursen zu einer Reihe von aussergerichtlichen Einigungen käme.

«Bei vielen grossen Firmenkonkursen gibt es aussergerichtliche Einigungen, von denen man nie etwas hört, weil die Parteien Stillschweigen vereinbaren.» Nur eben nicht mit Privataktionären. «Es gibt zum Beispiel die Stiftung Ethos», sagt Lacoste, «die sich um das Wohl von institutionellen Anlegern kümmert. Wir wollen nun etwas Ähnliches für Privataktionäre tun.»

«Der Fall Amvac wird als Testlauf dienen», sagt Lacoste, «danach sehen wir weiter.» Womöglich werde die Stiftung nach der Amvac auch andere Firmen ins Auge fassen. «Aber zuerst steht jetzt die Amvac im Fokus.» Wenn der Fall Amvac erfolgreich für die Aktionäre abgeschlossen werden könne, sei es theoretisch möglich, dass die Stiftung sich als Dienstleister für Aktionäre von Firmen in Konkurs positioniere. «Aber das ist noch völlig offen.»

 

Zum Schluss hier ein Imagefim der Amvac aus dem Jahr 2013 – der «Blick» bezeichnete ihn damals als «Realsatire». Immerhin erklärt uns darin ein «Doktor Wiegand», dass die Firma Amvac einen Impfstoff gegen Vaginalinfektionen erarbeitet habe, «der hauptsächlich für Frauen gedacht ist.»

Was er sich dabei gedacht hat, wird wohl leider nicht Gegenstand der Strafuntersuchung sein. Geht es da um Gleichberechtigung, auch auf bakterieller Ebene? Oder spricht da die Generation Y, die sich schlicht nicht mehr auf ein soziales Geschlecht festlegen kann? Wir lassen Sie entscheiden.


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