Allgemein gilt: Je teurer das Auto, desto schlechter für die Umwelt.
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Allgemein gilt: Je teurer das Auto, desto schlechter für die Umwelt. (Bild: Symbolbild Pixabay)

Der teure Zuger Fahrzeugpark Neue Zahlen zeigen: Zuger Dreckschleudern bleiben ein Problem

5 min Lesezeit 7 Kommentare 17.07.2020, 05:00 Uhr

Die teuren Zuger Autos belasten die Umwelt besonders stark. Der Kanton Zug nahm diesbezüglich auch 2019 einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. Vielleicht kommt nun aber Bewegung in die Sache.

Wer Carspotting mag, ist in der Stadt Zug an der Ecke Hofstrasse/Zugerbergstrasse gut bedient. Man kann sich ein paar Minuten Zeit nehmen und staunend oder kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, was da an Porsches, noblen SUV und sonstigen teuren Karossen den Berg hochfährt.

Der kurze Eindruck bestätigt, was die Statistiken längst besagen: Im Kanton Zug sind viele sehr teure und leistungsstarke Autos unterwegs. Was am beschriebenen Standort auch auffällt: Oft wird dort schnell und laut gefahren.

Nun aber sind solche Fahrzeuge aus dem oberen und obersten Preissegment besonders umweltbelastend: Dem neuesten «Neuwagen»-Bericht des Bundesamtes für Energie (BFE) lässt sich jedenfalls entnehmen, dass ein Zusammenhang zwischen der Leistungsstärke und der Umweltbelastung eines Autos besteht.

Je höher der CO2-Ausstoss, desto höher ist in der Regel der Kaufpreis eines Wagens. In beiden Bereichen nimmt der Kanton Zug gemäss den einschlägigen Statistiken schweizweit eine Führungsposition ein.

Zug fast gleich dreckig wie im Jahr zuvor

In Bezug auf den CO2-Ausstoss hat Zug zwar die unrühmliche Spitzenposition an den Kanton Schwyz abtreten können. 2018 führte Zug die entsprechende Rangliste an – und auch 2019 mischt man ganz vorne mit: Mit 150 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ist Zug nun der Kanton mit den zweitdreckigsten Autos der Schweiz. Der Kanton Schwyz, der neu den ersten Platz belegt, verzeichnet einen Wert von 155 Gramm. Im gesamtschweizerischen Durchschnitt sind es 138,1 Gramm.

«Im Kanton Zug werden die mit Abstand teuersten Neuwagen verkauft in der Schweiz.»

Christoph Schreyer, Bundesamt für Energie

Dass der Kanton Zug die unbeliebte «Leader»-Position an den Kanton Schwyz abtreten konnte, hat damit zu tun, dass Schwyz sich gegenüber 2018 klar verschlechtert hat: Da hatte Zug einen Ausstoss von 152 Gramm; Schwyz einen solchen von 148 Gramm.

Sehr ähnlich sieht es beim Treibstoffverbrauch aus. Auch dort belegt Zug hinter Schwyz den zweiten Rang. Hier verbraucht ein Auto durchschnittlich 6,74 Liter Treibstoff pro 100 Fahrkilometer. Im Kanton Schwyz sind es 6,95 Liter: Der landesweite Durchschnitt beträgt 6,18 Liter.

Zug hat mit Abstand die teuersten Autos der Schweiz

Teure Autos produzieren in aller Regel auch hohe Emissionen: Im Kanton Zug kostete ein Neuwagen im Jahre 2019 durchschnittlich 60’737 Franken, im Kanton Schwyz 53’790 Franken. «Diese Kantone weisen neben dem Kanton Graubünden die emissionsstärkste Fahrzeugflotte auf», schreibt das Bundesamt für Energie (BFE) in seinem Bericht.. Zum Vergleich: Im Kanton Jura kostete ein Neuwagen durchschnittlich 37’215 Franken.

Auch in einer Zusatzkategorie liegt Zug zuvorderst: «Die mit Abstand teuersten Allradfahrzeuge wurden im Kanton Zug zugelassen, wo ein 4×4-Fahrzeug durchschnittlich 71’913 Franken kostet», schreibt das BFE.

Teure Autos sind schwerer und weniger effizient

Dass der Kanton Zug in Sachen Emissionen so weit vorne liege, sei auf die sehr hohe Kaufkraft und die sehr hochpreisigen Fahrzeuge zurückzuführen, bestätigt auf Anfrage Christoph Schreyer vom BFE: «Im Kanton Zug werden die mit Abstand teuersten Neuwagen verkauft in der Schweiz. Teure Autos sind in der Regel stärker motorisiert, haben oftmals einen 4×4-Antrieb, sind in der Regel schwerer und in der Gesamtsumme entsprechend weniger effizient.»

Anzufügen ist: Die Zuger Emissionswerte könnten gar noch schlechter aussehen, wenn Zug nicht in einer anderen Rangliste ebenfalls ganz zu vorderst zu finden wäre. In der Kategorie «Elektrofahrzeuge» liegt Zug mit einem Anteil von 7,1 Prozent an dritter Stelle. Bessere Werte weisen nur der Kanton Zürich (7, 8 Prozent) und der Kanton Thurgau (7,4 Prozent) auf. Unter die besagten 7,1 Prozent fallen alle sogenannten «Steckerfahrzeuge», also reine Elektroautos, aber auch Plug-in-Hybride.

Kantonsrat muss Grundsätze festlegen

Was aber müsste der Kanton Zug tun, um seine Emissionen zu senken? Auf kantonaler Ebene bilde zum Beispiel die Motorfahrzeugsteuer ein Anreizinstrument, meint Christoph Schreyer vom BFE. Mit dieser könne der Kauf effizienterer Fahrzeuge gefördert werden. Der Kanton Zug mache dies bereits. Die Jahressteuer für Elektrofahrzeuge sei um 50 Prozent reduziert. Zudem würden einige Kantone in der Schweiz beispielsweise auch Förderprämien für E-Fahrzeuge oder Ladestationen anbieten.

«Höhere Fahrzeugsteuern zu Lasten bestimmter Fahrzeugtypen sind nicht zum Vornherein ausgeschlossen.»

Zuger Regierung

Baudirektor Florian Weber (FDP) verweist auf Anfrage auf die Antwort des Regierungsrates vom 7. April 2020 zur  «Dreckschleudern auf Zuger Strassen»-Interpellation der SP-Fraktion. Demnach habe sich der Regierungsrat in seinem Energieleitbild, aber auch im Rahmen seiner Luftreinhaltepolitik, für mehr umweltfreundliche Mobilität ausgesprochen. «Im Rahmen des Mobilitätskonzepts muss der Kantonsrat Grundsätze zu diesen Themen festlegen, damit der Regierungsrat anschliessend entsprechende Massnahmen ergreifen kann.»

Die Hoffnung auf alternative Antriebe

In der erwähnten Interpellationsantwort meint der Regierungsrat, dass aufgrund der hohen Kaufkraft im Kanton der Trend zu teuren und leistungsstarken Fahrzeugen anhalten dürfte.

Es sei aber davon auszugehen, dass bei neuen Personenwagen benzinbetriebene Fahrzeuge «zunehmend durch solche mit alternativen Antrieben ersetzt werden». Der Antwort des Regierungsrates lässt sich nicht entnehmen, ob und bis wann die aktuell schlechten Zuger Zahlen damit auch tatsächlich korrigiert werden können.

Höhere Fahrzeugsteuern sind eine Option

Liesse sich aber konkret zusätzlich – nebst der vom BFE erwähnten E-Wagen-Förderung – etwas über die Motorfahrzeugsteuern machen? Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP) weist darauf hin, dass der Kantonsrat im Januar 2020 eine Motion der FDP-Fraktion betreffend nachhaltige kantonale Fahrzeugsteuern überwiesen habe: «Wir prüfen gegenwärtig mögliche Varianten.» Der Regierungsrat werde sich in der Antwort auf diese Motion gegen Ende Jahr konkreter äussern.

Allerdings hatte sich der Regierungsrat auch bereits in der Antwort auf die SP-«Dreckschleudern»-Interpellation zu dieser Frage geäussert. Unter anderem lässt sich dort nachlesen: «Höhere Fahrzeugsteuern zu Lasten bestimmter Fahrzeugtypen sind nicht zum Vornherein ausgeschlossen.» Vielleicht kommt nun – angesichts der beschriebenen schlechten Zuger Zahlen –  doch etwas Bewegung in diese Sache.

Die «Dreckschleuder»- Interpellation der SP

Der Neuwagenbericht 2019 des Bundes («Energieverbrauch und Energieeffizienz der neuen Personenwagen und leichten Nutzfahrzeuge 2019») erschien Anfang Juli dieses Jahres. Bereits im Oktober 2019 wollte die SP von der Regierung wissen, ob diese die steigenden Emissionen als Problem erkenne. Dabei bezog sich die SP auf die Zahlen des Neuwagenberichtes 2018 des Bundes. Konkret fragte die SP den Regierungsrat, ob dieser der Meinung sei, dass auch im Kanton Zug gehandelt werden müsse, um diesen Trend zu stoppen. Der Regierungsrat bejahte dies in seiner Antwort vom 7. April 2020.

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7 Kommentare
  1. Peter P. Odermatt, 18.07.2020, 21:22 Uhr

    Fahrzeuge mit schönen Motoren sind doch etwas wunderbares. Ein E-Car ist so langweilig.

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  2. Chris Kinlow, 17.07.2020, 14:24 Uhr

    CO2 ist kein «Dreck» – oder atmen wir alle Dreck aus?! Demnach sind verbrauchsintensive Fahrzeuge auch keine «Dreckschleudern»!

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    1. Andreas Peter, 17.07.2020, 15:46 Uhr

      Absolut richtig.
      Aber wo die Ideologie herrscht, hat Rationalität und Wissenschaft einen schweren Stand.
      Hier sollen negative Emotionen geschürt werden.

      P.S. Ich fahre selber einen sparsamen Kleinwagen, mir geht nur diese Linke Verbots-, Neid-, und Steuern-rauf Politik auf den Geist.

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  3. Faktenchecker, 17.07.2020, 10:46 Uhr

    Das Buzzword schon im Titel. Polemischer gehts nicht mehr. Der Einfluss einiger weniger Zuger «Dreckschleudern» (CO2 ist weder Dreck noch giftig) auf den CO2-Ausstoss der Schweiz liegt praktisch bei null. Auch die Aussagekraft der Verbrauchszahlen mit zwei Stellen nach dem Komma ist höchst beschränkt. Relevant ist ja nicht der Verbrauch bzw. CO2-Ausstoss/100 km, sondern die jährliche Emission. (Ein «normales» Auto, das viel gefahren wird, stösst mehr aus als ein SUV, das wenig bewegt wird.)

    Einige Fakten zum Kt. ZG:
    1. Kleinräumigkeit, tiefe Einwohnerzahl im Vergleich zu anderen Kantonen und hohe Zahl an Arbeitsplätzen senken Fahrkilometer/Jahr. In den meisten anderen Kantonen liegen diese wesentlich höher.
    2. Die Kaufkraft in den ZH-Regionen Zürichberg, Goldküste, Zimmerberg (bes. Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil) ist ebenso hoch wie im Kt. ZG. Deshalb sind dort, bei einer höheren Bevölkerungszahl als im Kt. ZG, viel mehr «Züribergtraktoren» und «Goldküstenpanzer» auf der Strasse als im ganzen Kt. ZG.
    3. Statt die Mfz-Abgabe zu erhöhen, drängt sich ein Rabatt für Hybridfahrzeuge auf. (Wir sprechen hier nicht von Plug-in.) Diese werden nämlich heute gleich belastet wie normale Benziner/Diesel, obwohl ein Hybrid-SUV der Oberklasse bloss 6 bis 7 Liter/100 km verbraucht. Im Kt. ZH gibt es diesen Rabatt längst. Hier besteht für ZG Nachholbedarf.

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  4. Remo Genzoli, 17.07.2020, 09:14 Uhr

    eben, nomen est omen:
    ZG-Zuviel Geld

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    1. Manjaro, 17.07.2020, 10:43 Uhr

      Viel Arbeit -> viel Geld.
      Auch Eifersucht muss teuer erarbeitet werden.

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    2. Roger Hegglin, 17.07.2020, 11:50 Uhr

      ZG zwenig grips
      Wen Politiker denken ein paar Hundert Franken mehr Steuern bewegen etwas ist das sehr naiv. Wer bereit ist weit über 100‘000 für ein Auto zu bezahlen interessiert das nicht wirklich.
      Das beste E-Ladenetz der Schweiz zu bauen währe doch innovativ.
      Pakt die reichen Zuger am Prestige.

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