Neue Wagenburg: Wieder steht die Stadt Luzern im Dillemma
  • Politik
Seit vergangenem Wochenende stehen die Wagen vom Salzlager im Hinterschlund. (Bild: bic)

Areal beim Hinterschlund ist besetzt Neue Wagenburg: Wieder steht die Stadt Luzern im Dillemma

3 min Lesezeit 3 Kommentare 30.09.2021, 19:01 Uhr

Sie mussten fort von da, wo sie waren – die Wagenplatz-Bewohner beim Salzlager. Und jetzt haben sie sich im Krienser Hinterschlund niedergelassen. Ob das von langer Dauer sein wird, muss sich zeigen. Denn die Stadt Luzern reichte am Donnerstagmorgen Strafanzeige ein. Sie hat keine Freude an den Bewohnerinnen auf ihrem Grundstück.

Nachdem sie über mehrere Jahre beim Salzlager auf dem Grundstück der Wohnbaugenossenschaft EBG hausten, mussten sie Ende September umziehen: die Bewohnerinnen des Salzlager-Wagenplatzes (zentralplus berichtete). Seit dem vergangenen Wochenende haben sie sich nun an einem neuen Ort eingefunden – und zwar auf einem Grundstück der Stadt Luzern im Krienser Hinterschlund.

Nicht allen passt diese Aktion in den Kram. Als Erste hat sich die SVP Luzern zu Wort gemeldet. In einer Medienmitteilung fordert sie den Stadtrat dazu auf, den «Besetzern» ein baldiges Ende zu setzen: «Für die SVP ist klar, dass die Gruppe beim Hinterschlund so schnell wie möglich weggewiesen werden muss. Die SVP hat sich schon immer gegen jegliche Besetzeraktivitäten gewehrt», heisst es. Auf der Website der Partei heisst es dazu, dass man das Bedürfnis nach alternativen Wohnformen durchaus anerkenne, diese aber geltendes Recht beachten müssten und nicht auf Kosten der Allgemeinheit umgesetzt werden dürften.

Es gab bereits ein Gespräch

Die Stadt Luzern hat tatsächlich ziemlich kurzen Prozess gemacht. Nur wenige Tage nachdem die Wagenburg beim Schlund aufgestellt war, reichte sie am Donnerstag Strafanzeige gegen Unbekannt ein. «Offensichtlich gab es im Zusammenhang mit der Besetzung des Areals einige illegale Handlungen, zum Beispiel das Aufbrechen der Umzäunung oder die unbewilligte Besetzung des Landes», erklärt Marko Virant, Leiter Immobilien bei der Stadt Luzern, den Schritt. Angezeigt wurden die Bewohnerinnen der Wagenburg unter anderem wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

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Gemäss Virant kennt man die Identität der Leute, die jetzt im Hinterschlund wohnen, noch nicht. «Unabhängig davon können wir sagen, dass vor den Sommerferien Bewohnende der Wagenburg Salzlager das Gespräch mit Kriens und Luzern gesucht haben und nach einem einmaligen Gespräch nicht weitergeführt haben.» Man werde aber den Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Bauwagendorfes suchen, so Virant.

Wäre es also möglich, dass die Besetzung in ein legales Mietverhältnis überführt wird? Laut Virant wäre dies unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dazu gehörten vor allem die Einhaltung von Vereinbarungen und dass die Anwohnerinnen nicht gestört werden.

Wie lange die Wagenburg wohl bleiben wird?

Wagenplatz-Bewohnerinnen stellen Infotafel auf

Die Wagen-Bewohner ihrerseits haben nach einer Anfrage von zentralplus einer Stellungnahme zugesagt, konnten die gestellten Fragen bisher aber nicht beantworten. Wie bei solchen Lebensgemeinschaften üblich, werden auch in der Wagenburg im Hinterschlund wichtige Anliegen immer im Kollektiv besprochen und entschieden.

Beim Eingang ihrer Siedlung auf dem Areal des Hinterschlunds steht aber eine Tafel mit einer Art Manifest. So erklärt die Gruppe den Passantinnen, weshalb die neue Siedlung entstanden ist: «Während in Luzern und rings herum in der letzten Zeit immer mehr Freiräume und alternative Lebensorte verschwunden sind […], haben wir dieses wunderschöne Stück Brache entdeckt. In der lauschigen Ecke hinter den Bäumen wollen wir wohnen. Da gibt es viel zu bauen, organisieren, entscheiden und zu verhandeln.»

Das Manifest reiht sich ein in die Kritik, die jeweils an den sogenannten Freiraum-Demos öffentlich kundgetan wird. In Luzern zuletzt am vorletzten Freitag (zentralplus berichtete). So werde die Stadt nicht von den Menschen geformt, die sie beleben, sondern von der Hoffnung auf Rendite und der Kaufkraft. In diesem Sinne würden Neubauprojekte mit überteuerten Mieten auch in Luzern und Umgebung Freiräume und alternative Lebensformen verschwinden lassen.

Hier machen die Bewohner auf ein paar ihrer Standpunkte aufmerksam. (Bild: bic)

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3 Kommentare
  1. Goeggeler, 05.10.2021, 20:08 Uhr

    Ja, es lässt sich gut Leben auf fremdem Eigentum und ohne Kostenfolge. Am besten sperrt man diese Schmarotzer ein paar Monate hinter Gitter, so hat jeder und jede den eigenen Freiraum der Ihnen gebührt.

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  2. Hans Hafen, 01.10.2021, 08:59 Uhr

    Bin gespannt, ob sich die Stadt Luzern (im Schlepptau noch die Stadt Kriens) wieder
    mit Inbrunst und paralysierter Hingabe nas- und vorführen lässt. Das Stück «Irreführung der Behörden» bekommt nun endlich den lang herbeigesehnten dritten Akt. In der Rolle des Stifters und Mäzens: Zahlvater Staat.

    Äähhh Moment – Borniertheit, liebe BrachenbesetzerInnen, ist im Übrigen eine Frage der Perspektive und kein objektives Etikett. Aber träumt ruhig weiter eure utopischen Tagträumereien. Träume sind bekanntlich Schäume. Biegt euch eurer Weltbild, eure Werte nach Gusto und Belieben zurecht. Ich meine, dazu könnt ihr in der kämpferischen Bibliothek Lotte die passende Literatur studieren: Jacques Derrida und seine Ideen zum Dekonstruktivismus z.B. Dort findet ihr dann auch noch mehr Gendersterne, falls sie euch auszugehen drohen.

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  3. schaltjahr, 01.10.2021, 08:00 Uhr

    Und schon beginnt das Spiel von Neuem. Man will reden und sich den Forderungen der Besetzer unterwerfen, Nur keine Linie verfolgen und ja keine klaren Ansagen machen.
    Seit Jahren lässt sich die Stadt von einer kleinen Gruppe an der Nase herumführen und beugt das Recht zu deren Gunsten.

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