Neue Uniform für immer weniger SIP-Leute
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Das Blau gefällt: SIP-Teamleiterin Christina Rubin, SIP-Mitarbeiter Salah Galal und Stadtrat Adrian Borgula. (Bild: jwy)

Luzern vor neuer Outdoor-Saison Neue Uniform für immer weniger SIP-Leute

6 min Lesezeit 15.03.2016, 16:22 Uhr

Die Stadt Luzern ist in den letzten Jahren sicherer und sauberer geworden. Dies hat für die SIP Konsequenzen, der Abbau des umstrittenen Teams geht in die nächste Runde. Nun müssen selbst Zivildienstleistende dran glauben. Dafür gibt’s für die Verbleibenden neue Uniformen.

Schon bald zieht der Frühling ins Land – und die Menschen werden die öffentlichen Plätze in Beschlag nehmen. Und ziemlich sicher gibt’s bald auch schon die ersten Klagen über Abfall, Lärm und andere Belästigungen. Grund genug für die Stadt Luzern, über die Sicherheit im öffentlichen Raum zu informieren.

Denn Sicherheit, das ist nicht einfach Polizei. Dazu gehört ein ganzes Bündel an Massnahmen: von Prävention (etwa Früherkennung, Strassenreinigung, Anti-Littering-Kampagnen) über Intervention (beispielsweise bauliche Massnahmen, Infrastruktur, Belebung durch Sommerbars) bis zu Repression (das wäre dann die Polizei).

So wenig Repression wie nötig, lautet das Ziel – man will den Ursachen auf den Grund gehen. Der städtische Sicherheitsmanager Maurice Illi hat das schön illustriert: «Wenn’s dreckig ist, putzt man zuerst, und dann überlegt man, wieso es dreckig geworden ist.»

Die Stadt sei den letzten Jahren «sicherer und sauberer» geworden, sagt Sicherheitsdirektor Adrian Borgula. Unter anderem dank folgenden zwei Massnahmen: der SIP-Truppe (Sicherheit, Intervention, Prävention) und den Sommerbars.

SIP muss Federn lassen

Die SIP startet pünktlich zu ihrem 10-jährigen Bestehen mit einer neuen Uniform in die Outdoor-Saison. «Nach zehn Jahren draussen leiden die Kleider», sagt SIP-Teamleiterin Christina Rubin.

Blau ersetzt Dunkelrot – damit nähert sich die Truppe farblich der Polizei an. Und überhaupt: Blau ist die Farbe der Stadt Luzern, die Farbe der Kommunikation und auch Lieblingsfarbe von Sicherheitsdirektor Adrian Borgula, wie dieser verriet. Sichtlich stolz präsentierte Christina Rubin die neuen Klamotten: eine blaue Jacke, helle Hemden, ein Gilet.

Sie sorgen für Sicherheit: Sicherheitsmanager Maurice Illi, Stadtrat Adrian Borgula und SIP-Teamleiterin Christina Rubin.

Sie sorgen für Sicherheit: Sicherheitsmanager Maurice Illi, Stadtrat Adrian Borgula und SIP-Teamleiterin Christina Rubin.

(Bild: jwy)

Doch nicht nur optisch ändert sich die SIP, sie hat auch ihr «Profil geschärft», wie es heisst. Dahinter verbirgt sich eine Sparmassnahme: Die SIP muss ab diesem Jahr 250’000 Franken kürzertreten, insgesamt spart die Stadt 14 Millionen Franken. Das bedeutet, dass das Team von 700 auf 500 Stellenprozente reduziert wird – ein Drittel weniger. Bei der Lancierung waren es gar 800 Stellenprozente gewesen. Dafür setzt die SIP seit 2011 auch Zivildienstleistende ein, doch auch diese werden von drei auf zwei Personen gekürzt.

Nicht weniger, sondern effizienter

Die SIP ist gut sichtbar im öffentlichen Raum unterwegs und vor allem präventiv und kommunikativ aktiv. Sie wirkt in der Lücke zwischen Sozialarbeit und Polizei. Spart man diese nun zu Boden? Klar ist, dass die SIP ihre Einsatzzeiten reduzieren muss. Vor allem im Winter wird sie weniger unterwegs sein. Aber es handle sich um keinen Leistungsabbau, wie Maurice Illi sagt. Das Team mache die gleiche Arbeit wie vorher, einfach mit weniger Personen.

«Wir können diesen Sparbeitrag leisten, weil wir durch unsere Erfahrung effizienter arbeiten können.»

Christina Rubin, Teamleiterin SIP

Möglich ist dies, weil die SIP präziser geworden ist, sich besser mit der Polizei abspricht und dadurch gezielter agieren kann. «Wir können diesen Sparbeitrag leisten, weil wir durch unsere Erfahrung effizienter arbeiten können», sagt Rubin. Kommt hinzu, dass die Luzerner Polizei seit 2014 mit ihrem Modell CityPlus selbst vermehrt im Stadtzentrum präsent ist und präventiv wirkt und so gewisse Aufgaben übernimmt.

Am Rücken sind die SIP-Mitarbeiter gut ersichtlich angeschrieben.

Am Rücken sind die SIP-Mitarbeiter gut ersichtlich angeschrieben.

(Bild: jwy)

«Es sind vor allem Überlagerungen, die Ressourcen verbraten», sagt Maurice Illi. Also habe man die Schnittstellen zwischen Polizei und SIP besser angeschaut. Mit der Folge, dass die SIP ihre Mittel effizienter einsetzen kann und früher als andere an den Brennpunkten präsent ist. «Wir sind die Seismografen», sagt Christina Rubin.

Kritik an der SIP gab’s immer

Aber könnte man dann die SIP nicht einstampfen und deren Aufgaben ganz der Polizei überlassen? Marco Stocker, Chef Sicherheitspolizei der Stadt, stellt sich hinter die SIP. An vielen Orten, wo man Präsenz markiere, könne man sich die Aufgaben aufteilen. «Wir können nicht immer überall sein, sondern zur richtigen Zeit an den Brennpunkten», so Stocker. Dafür brauche es die Zusammenarbeit mit der SIP.

«Wir können nicht immer überall sein, sondern zur richtigen Zeit an den Brennpunkten.»

Marco Stocker, Chef Sicherheitspolizei

Und Kritik an der SIP ist schliesslich so alt wie die SIP selbst. Die Stadt hat einen vollständigen Verzicht auf die SIP geprüft, aber verworfen. «Die SIP trägt wesentlich zu einer besseren Sicherheit in den Brennpunkten bei», so das Fazit. Und schliesslich hat sich auch das Stadtparlament im vergangenen Jahr mehrheitlich hinter das Konzept gestellt.

Sommerbars: Bald im Reusszopf und an der Bahnhofstrasse

Auch wenn man es ihnen nicht ansieht, eine weitere Sicherheitsmassnahme sind die Sommerbars. Schon bald öffnen die vier Sommerbars in Luzern wieder ihre Luken: die Beach-Bar in der Ufschötti, die Volière und die Buvette auf dem Inseli sowie das Dock 14 beim KKL.

Die Sommerbars sind heute weitgehend unumstritten und beliebt. Das war beim Start noch anders: «Als wir 2008 mit der Buvette starteten, hiess der Vorwurf: ‹Jetzt macht ihr das Inseli noch lauter?›», sagt Maurice Illi. «Jene, die damals reklamierten, sind heute Stammgäste.»

Die Buvette beim Inseli bedient seit sieben Jahren während des Sommers Durstige.

Die Buvette beim Inseli bedient seit sieben Jahren während des Sommers Durstige.

(Bild: cha)

Das Inseli hat sich inzwischen von einem zwielichtigen, unwirtlichen Ort mit einem schlechten Ruf zu einem gut durchmischten Platz gemausert. Die soziale Kontrolle wurde erhöht, Sicherheit und Sauberkeit haben sich stark verbessert.

Mehr als reine Sicherheitsmassnahmen

«Heute begreift niemand mehr, dass die Sommerbars eigentlich Sicherheitsmassnahmen sind», sagt Illi. «Die Leute finden es eigentlich cool und gehen gern dorthin.» Dem passt sich die Stadt an und betrachtet die Sommerbars künftig nicht mehr nur unter dem Sicherheitsaspekt.

Eigentlich laufen die bestehenden Verträge 2017 aus, doch aufgrund des Erfolgs verlängert die Stadt die vier Sommerbars bis 2019. Parallel dazu prüft die Stadt nun, wo man in der Stadt noch weitere solche Angebote realisieren könnte. Und auf die Saison 2020 werden dann sämtliche Sommerbars neu ausgeschrieben – inklusive allfälliger neuer Standorte zu den bestehenden.

«Heute begreift niemand mehr, dass die Sommerbars eigentlich Sicherheitsmassnahmen sind.»

Maurice Illi, Sicherheitsmanager Stadt Luzern

Nicht nur die Nachfrage von Konsumenten steigt, auch jene von potenziellen Betreibern von Sommerbars. «Wir wollen das Feld öffnen mit einer neuen Vergabe und neuen Plätzen», sagt Maurice Illi. Und übrigens: Betreiber erhalten den Platz nicht gratis, sondern zahlen dafür Mieten. Die Sommerbars sind nicht nur sicherheitsfördernd, sondern für die Stadt ein gutes Geschäft.

Die Ufschötti von Reussbühl

Wo allfällige neue Sommerbars stehen könnten und ob sich die derzeitigen Betreiber der Sommerbars wieder bewerben können, wollen die Verantwortlichen noch nicht preisgeben. «Wir haben mit der Analyse erst angefangen», sagt Illi.

Zwei Neuerungen sind schon bekannt: Ab 2017 sollen im Reusszopf und 2020 in der Bahnhofstrasse je eine neue Sommerbar in Betrieb gehen. Der Reusszopf wird durch die Aufwertung von Luzern Nord und Reussbühl an Bedeutung gewinnen als eine der wenigen nahen Grünzonen. Die Sommerbar im Reusszopf ist ein Pilotprojekt: Die Erfahrungen aus der Ausschreibung will man nutzen, um an den anderen Standorten auf 2020 ein «faires, offenes Vergabeverfahren durchführen zu können», so Maurice Illi. Und Adrian Borgula schwärmt vom Reusszopf: «Es wird die Ufschötti von Reussbühl.»

zentralplus hat 2015 die Sommerbars getestet: Alles klar an der Sommerbar?

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