Neue Schlossherren im «Swiss-Chalet»
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Hat viel vor: Das Direktionspaar Jeannine und Karel Nölly.

Luzerner Hotelier-Paar übernimmt Neue Schlossherren im «Swiss-Chalet»

4 min Lesezeit 19.11.2014, 16:29 Uhr

Das urchige «Swiss-Chalet» Merlischachen vor den Toren Luzerns hat seine goldenen Zeiten hinter sich. Doch sie könnten wieder kommen. Jeannine und Karel Nölly wollen frischen Wind in den bekannten Gastro- und Hotelbetrieb bringen, sie haben diese Tage die Leitung übernommen.

Das «Swiss-Chalet» bildet zusammen mit dem «Schloss-Hotel» und dem Hotel Jagdschloss ein kleines Imperium mit 220 Restaurantplätzen und 77 Hotelzimmern im Dorfzentrum Merlischachens.

Aufgebaut hatte das alles seit den 60er-Jahren Joseph Seeholzer, der sich selbst «Prinz Joseph I» nannte. Im Frühling verkaufte der langjährige Patron sein Reich an die Hotel Merlischachen Holding AG. In dieser sitzen neben dem seinem jüngeren Bruder Alois drei weitere Schweizer. Die Übergabe verlief nicht ohne Probleme. Gemäss «20 Minuten» wurde der Ex-Besitzer, der weiter hinter der Theke stehen wollte, diesen Sommer einmal vor die Türe gestellt und erhielt Hausverbot.

Gut ausgebildete neue Geschäftsführer

Jetzt wird ein neues Kapitel in der Geschichte aufgeschlagen. Am 14. November hat das junge Hotelier-Ehepaar Jeannine und Karel Nölly die Leitung des Betriebs übernommen. Beide haben die Schweizerische Hotelfachschule Luzern (SHL) abgeschlossen, wo sie sich kennen gelernt haben. Später sammelten sie sechs Jahre lang Erfahrungen in renommierten Hotels der Region und in Zürich (siehe Kasten).

Karel Nölly (33) kommt aus einer Hoteliersfamilie aus Weggis; die Familie führt das Wellnesshotel Rössli. Jeannine Nölly (32) ist Zürcherin, ihre Eltern führten früher das Restaurant Treibhaus in Zürich-Altstetten. Zuletzt haben beide zwei Jahre lang erfolgreich das Silvretta Hotel & Spa in Samnaun geführt.

«Das Swiss-Chalet ist schweizweit bekannt und soll weiterhin für Gastfreundschaft, eine hervorragende Küche und Tradition stehen», sagte Walter Seeholzer gestern an einem Presseanlass. Walter Seeholzer, ein entfernter Verwandter der Gründer, bildet mit Alois Seeholzer, Markus Linder und Sandro Amrein den Verwaltungsrat der Hotel Merlischachen Holding AG. «Für uns stellt die Ernennung einer neuen Direktion einen wichtigen Meilenstein dar», sagt er. Die früher ebenfalls zum Betrieb gehörenden Ferienwohnungen sind Anfang November abgekoppelt worden.

Was sagen die neuen Chefs?

Zwei Hotel-Karrieren

Jeannine N. Nölly hat im Park-Hotel Vitznau gelernt und danach in verschiedenen Hotels und Gastronomiebetrieben in ihrer Heimatstadt Zürich arbeitet. Unter anderem in den Hotels InterContinental, Swissôtel, Baur au Lac und Widder. Im Radisson Blu Hotel in Luzern war sie sodann während sechs Jahren als Meetings & Events Sales Manager tätig.

Karel Nölly ist in Weggis aufgewachsen. Er hat seine Karriere in den Bürgenstock-Hotels gestartet und danach im Grand Hotel National Luzern und als Assistant Food Manager in der Seeburg in Luzern gearbeitet. Die nächsten Stationen waren das Radisson Blue Hotel Zürich Airport und die Kramer Gastronomie in Zürich, wo er jeweils als Leiter Einkauf tätig war. Zusammen mit seiner Frau führte er die zwei letzten Jahre das Silvretta Hotel & Spa in Samnaun. Das Paar wohnt bereits in Merlischachen und hat eine kleine Tochter.

«Wir sind sehr gut aufgenommen worden und wollen den Gesamtbetrieb in die Zukunft führen, ohne seinen Charakter stark zu verändern», sagt Karel Nölly. Das ist nötig. Gemäss Aussagen von ehemaligen Gästen gegenüber zentral+ hat die Qualität der Dienstleistungen in den letzten Jahren abgenommen, die Gäste blieben aus. Dem widersprechen die Besitzer.

Klareres Profil angestrebt

Ziel sei es, so der neue Geschäftsführer, den Betrieb gewinnbringend zu führen. Nötige Investitionen müssten selbst finanziert werden. Einige Pläne und Ideen hat das Ehepaar bereits. Das gastronomische Angebot der zwei Restaurants im Swiss-Chalets soll aufgefrischt und sich klarer unterscheiden. «Im Restaurant im Erdgeschoss wollen wir trendige Schweizer Küche anbieten», erklärt Jeannine Nölly, «beispielsweise Klassiker wie Züri-Gschnätzeltes oder Lozärner Chügelipastete, aber neuzeitlich präsentiert.» Ihr Wunsch wäre es, das Lokal als Dorftreffpunkt beliebt zu machen. Das Restaurant Cuisine française im ersten Stock des Swiss-Chalets soll dafür wieder klarer als Gourmetlokal etabliert werden.

Drei unterschiedliche Hotelbetriebe

Auch die Hotelbetriebe planen die neuen Chefs anders zu positionieren. «Marketing wurde bisher keines betrieben», sagt Karel Nölly. Das sei angesichts der Hotel-Konkurrenz im Raum Luzern nötig. Das Schloss-Hotel am Vierwaldstättersee mit seinen 30 Zimmern soll vom Vier- zum Viersterne-Superior aufgewertet werden. «Dafür werden wir im Dienstleistungsbereich einiges mehr bieten».

Das Hotel empfange viele Seminargäste und Invididualtouristen. «In frequenzschwachen Zeiten besuchen uns auch asiatische Reisegruppen. Wir sind aber kein Gruppenhotel», sagt die frischgebackene Hotelière Jeannine Nölly. Das Schloss-Hotel ist aber vor allem beliebt für Hochzeitpaare, die sich in der «Astrid-Hall» gerne das Ja-Wort geben.

Das Hotel Jagdschloss bleibt ein Viersternehotel. Beide Betriebe haben Hallenbad und Sauna. Günstiger übernachten kann man weiterhin in den 17 Zimmern des rustikalen Swiss-Chalet.

Stil noch offen

Ob die kultig-schrägen «Themen-Zimmer» erhalten werden, ist noch offen. So gibt es im Schloss-Hotel zum Beispiel eine «Jaguar-Suite», in der eine Luxuskarosse steht, es gibt ein Wiegenzimmer, eine Hochzeitsgondel – und eine «Erlebnis-Dusche». Ausserdem einen Rittersaal, die Schloss-Stube und nicht zu vergessen die legendäre Queens-Bar.

Die Namen rund ums Thema Schloss und Royals beruhen auf einem tragischen Ereignis. Sie erinnern an den Tod der belgischen Königin Astrid, die 1935 bei einem Autounfall in Merlischachen tödlich verunglückte. Früher wurde das Hotel deshalb gelegentlich von der belgischen Königsfamilie besucht. Viele Originalfotos erinnern im Swiss-Chalet an die früh verstorbene Königin.

Neu Fondue auf der Terrasse

Eine Neuerung hat das Ehepaar bereits realisiert: Ab 21. November kann man neu Fondue auf der weihnächtlich dekorierten Terrasse des Swiss-Chalets geniessen. Am 15. März 2015 wollen die neuen Chefs die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Türe einladen und weitere Neuerungen präsentieren.

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