Deshalb wird die Luzerner Velostation grösser und teurer
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So soll die geplante Velostation unter der Bahnhofstrasse aussehen, für die das Stimmvolk im Mai grünes Licht gegeben hat. (Bild: Visualisierung zvg)

Der Bund und die Autofahrer zahlen mit Deshalb wird die Luzerner Velostation grösser und teurer

5 min Lesezeit 10 Kommentare 21.09.2020, 09:17 Uhr

Die Stadt Luzern hat die Testplanung für die Neugestaltung der Bahnhofstrasse abgeschlossen. Bis 2024 soll eine gegenüber den bisherigen Plänen vergrösserte Velostation eröffnet werden. Dies führt zu höheren Kosten, die auch von den Autofahrern mitgetragen werden sollen.

Die unterirdische Velostation, die im vorderen Teil der Bahnhofstrasse entstehen soll, wird grösser und teurer als ursprünglich vorgesehen. Die neuen Pläne stellte die Verantwortlichen am Montagmorgen den Medien vor. Die Anlage soll etwas weiter Richtung Reuss gebaut und gleichzeitig erweitert werden.

Die Kapazitäten sollen zwischen 1200 und 1300 Velos liegen. Es wird eine direkte Verbindung zur Bahnhofsunterführung geben und die Station soll mit dem Durchgangsbahnhof kompatibel sein. Die Kapazitäten könnten dank flexibler Nutzung bis auf 1500 Velos ausgebaut werden. Der Stadtrat ist überzeugt, dass so das Veloparkierungsproblem «über Jahre hinaus» gelöst werden kann. Kostenpunkt: 17 Millionen Franken.

Theaterplatz soll flexibler werden

Die Bahnhofstrasse selbst wird mit einer zweiten Baumreihe mit rund 30 Bäumen ausgestattet, wie sie im Siegerprojekt «take a walk on the bright side» von 2016 vorgesehen sind. So würden auch die 14 Bäume kompensiert, die für den Bau der Velostation gefällt werden müssen. Die zwei vordersten Bäume bei der Seebrücke werden allerdings nicht neu gepflanzt. Durch deren Wegfall soll die Einmündung in die Hauptstrasse übersichtlicher und somit sicherer werden, heisst es vonseiten der Stadt.

Das neue Verkehrsregime auf den Plänen der Stadt Luzern. Taxis und andere Motorfahrzeuge dürfen nicht mehr links auf die Seebrücke abbiegen.

Weiter sind Sitzgelegenheiten mit Bepflanzung, öffentliche WCs und eine Buvette vorgesehen. Auch auf der neuen Bahnhofstrasse sollen Anlässe wie die Fasnacht, der Stadtlauf oder der Wochenmarkt stattfinden können.

Auch der Theaterplatz wird «einfach und kostengünstig» aufgewertet. Das Strassenniveau wird auf die Höhe des Trottoirs angehoben, was den Platz flexibler nutzbar machen soll. Die Theaterbox bleibt vorerst an ihrem Platz.

Umgestaltung kostet 6 bis 7 Millionen Franken

Die Umgestaltung der Bahnhofstrasse soll 6 bis 7 Millionen Franken kosten. Sie macht eine komplizierte Baustelle notwendig, wie die Stadt schreibt. Die Bahnhofstrasse soll aber während der ganzen Zeit benutzbar bleiben.

Die angegebenen Kosten liegen höher als die ursprünglich veranschlagten. Bei dieser wurde ursprünglich mit 13 Millionen Franken gerechnet (zentralplus berichtete). Die effektiven Kosten sollen im Frühling 2021 vorliegen, wenn das Bauprojekt fertig ausgearbeitet ist. Bezüglich der Mehrkosten habe man bereits mit den städtischen Parteien Rücksprache genommen. «Die Rückmeldungen waren mehrheitlich positiv», versicherte der zuständige Stadtrat Adrian Borgula (Grüne).

So soll die Velostation aussehen. Im hinteren Teil (links) passen alle Velos rein, die aktuell entlang der Bahnhofstrasse stehen.

Lange und schwierige Planung

Doch welches sind die konkreten Gründe, weshalb die Veloparkierungsanlage nun grösser und somit deutlich teurer wird? «Wir haben zusätzliche Bohrungen gemacht, um zu klären wie tief und wo genau die Velostation hinkommen soll», sagte Stadtrat Adrian Borgula an der Medienkonferenz zum Projekt am Montagvormittag.

Es sei grundsätzlich eine Herausforderung gewesen, in dem stark genutzten Raum letztlich den spezifischen Standort zu finden und die speziellen Gegebenheiten und Faktoren zu berücksichtigen. Folglich habe die Planung länger gedauert. Der Hauptgrund sei aber, dass die Anlage schlicht und einfach grösser wird.

Und Projektleiter Lukas Deschwanden ergänzte: «Im Gegensatz zum Vorprojekt wird die Velostation breiter und wird näher an die Reuss gebaut, da die Machbarkeitsstudie zum Schluss gekommen ist, dass die ursprüngliche Variante zu nahe an der Hauptpost liegen würde.»  Das alte Gebäude stehe auf Pfählen und der Bau des Veloparkings hätte zu statischen Problemen geführt. «Das Risiko war einfach zu gross», so Deschwanden.

Grösser, weil Bäume gefällt werden müssen

Weil die Baustelle in der Folge Richtung Reuss verschoben wird, werden die dortigen Bäume in Mitleidenschaft gezogen und müssen vorgängig gefällt werden. «Deshalb bietet sich nun die Möglichkeit, die Velostation zu vergrössern und somit mehr Platz und Komfort zu schaffen» hielt Deschwanden fest. Er spricht von einer «mittleren Komfortstufe».

Gleichzeitig könnten durch das Entfernen der Bäume die Baukosten gesenkt werden, da die Baumaschinen einfacher zur Baustelle gelangen können. Durch das Vergrössern der Anlage werde es weiter möglich, sie je nach Bedarf zu verändern. «Damit kann mit wenig Aufwand die Bewirtschaftungsform eines Teils oder der ganzen Anlage angepasst werden», so Deschwanden.

Insgesamt könnten mit dem angepassten Projekt rund ein Viertel mehr Veloparkplätze realisiert werden als ursprünglich vorgesehen. «Sollte sich herausstellen, dass der Bau des Tiefbahnhofes mehr Platz benötigt, können wir die Station unter der Bahnhofstrasse auf bis zu 1’500 Abstellplätze ausbauen und andernorts temporär Parkplätze aufheben», blickt er in die Zukunft.

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Die Autofahrer zahlen mit

Trotz der hohen Kosten werden die Velofahrerinnen, zumindest am Anfang, noch nicht zur Kasse gebeten. Sollte es indes Anpassungen bei der Infrastruktur brauchen, behalte man sich solche Schritte vor, hielten die Verantwortlichen fest.

Die Steuerzahler der Stadt werde voraussichtlich aber auch sonst nicht alles alleine stemmen müssen. Für die Aufwertung der Bahnhofstrasse ist eine Teilfinanzierung durch das Aggloprogramm des Bundes einberechnet. Maximal 2,1 Millionen könnten dafür aus von Bern nach Luzern fliessen. Das entspricht rund einem Drittel der Baukosten. In ähnlichem Umfang ist liegt die Kostenbeteiligung bei der Velostation. Hier wurden vom Bund bisher 1,7 Millionen zugesichert.

Projektleiter Lukas Deschwanden, Stadtrat Adrian Borgula und Roger Schürmann der Bereichsleiter Projekte bei der Stadt (von links nach rechts) bei der Medienkonferenz vom Montag. (Bild: bic)

Weiter stellt die Stadt einen Antrag beim Kanton für Gelder aus dem so genannten «Park&Ride-Fonds», der die Verknüpfung des Individualverkehrs mit dem ÖV fördert. Davon erhofft man sich zwei Millionen Franken.

Eine dritte Finanzierungsquelle stammt von den Autofahrerinnen, die auf den städtischen Parkplätzen parkieren. So wird ein Teil des Geldes aus den Parkuhren in die Projekte an der Bahnhofstrasse fliessen. Dies im Sinne der Schaffung von umweltfreundlichem Parkraum, wie die Verantwortlichen erklärten. Wieviel Geld es sein wird, ist noch nicht klar.

Das letzte Wort zu den Kosten wird wiederum das Volk haben. Sollte es ein Ja geben, ist der Baustart für die zweite Jahreshälfte 2022 vorgesehen. Anfang 2024 sollen dann alle Teilprojekte definitiv in Betrieb genommen werden.

Stein des Anstosses für das grössere Projekt: Die Hauptpost beim Bahnhof. (Bild: bic)

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10 Kommentare
  1. Pyr, 23.09.2020, 06:44 Uhr

    Sind da auch Parkplätze für Fahrräder mit Kinderveloanhänger geplant ? Es gubt ja immer mehr und meistens werden die vergessen

  2. Steffen, 22.09.2020, 06:35 Uhr

    Es hat genügend Platz für einen grossen Veloabstellplatz (Ink. Dach) auf der autofreien Bahnhofstrasse, der Bedarf bestreitet wohl niemand. Die Strasse dürfte aufgrund der schattigen Lage sowieso wenig attraktiv für z.B. die Gastronomie sein. Es ist absolut verantwortungslos von Politikern, in Zeiten der Krise über 20 Mio., und das reicht wohl nicht, für ein solches Projekt ausgeben zu wollen. Das Projekt wird an der Urne wohl wenig Chancen haben.

  3. Michi Weber, 21.09.2020, 19:49 Uhr

    Dass es eine Lösung für die vielen Velos braucht, ist wohl unbestritten. Wenn aber Borgula davon spricht, dass die Reaktionen auf die hohen Mehrkosten positiv gewesen seien, dann zeigt dies, wie sehr seine Wahrnehmung von der Realität abweicht. Wie kann man sagen, dass man ein Überschiessen des Budgets um einen Drittel gut findet? Und weshalb sollen Velofahrer nicht auch einen Anteil leisten und die Autofahrer dieses Luxusprojekt alleine stemmen?

  4. Rabbit, 21.09.2020, 19:36 Uhr

    Richtig so! Dank den Velofahrern gibt es überhaupt genügend Platz für Autofahrer auf der Strasse.

  5. Roland Grüter, 21.09.2020, 17:49 Uhr

    Natürlich: Es werden es nur ein paar Millionen mehr, und der Velofahrer bezahlt nichts. Autoparkplätze werden abgebaut und für diese Velostation darf er dann auch noch bezahlen. Die Automobilistin, der Automobilist wird hier nochmals, zusätzlich zu den schon massiven Abgaben, belastet. Das nennt man dann Fairness! Zudem wurde der Stimmbürger einmal mehr in Sache Budget betrogen.

  6. Brigitta Zimmermann, 21.09.2020, 14:44 Uhr

    Ah, nur 3 Millionen mehr, wenn es dann dabei bleibt?!?Aber wir Steuerzahler zahlen ja gerne….

  7. paul, 21.09.2020, 13:46 Uhr

    11‘333.- für ein veloparkplatz! krass

  8. Joseph de Mol, 21.09.2020, 10:41 Uhr

    Völlig überdimensioniertes, in dieser Form komplett unnötiges, extrem kostspieliges und total unökonomisches Luxus- und Prestigeprojekt. Kosten/Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander. Tiefbau in unmittelbarer Gewässernähe ist etwas vom teuersten und aufwändigsten. Die Baubranche dankts!

    1. Remo Genzoli, 21.09.2020, 11:25 Uhr

      berechnen sie doch auch mal das kosten- und nutzenverhältnis der jahrzehntelangen förderung des motorisierten individualverkehrs via raum-, städte- und verkehrsplanung und seine aktuellen auswirkungen! da können von mir aus noch viele millionen in die förderung des langsam- und öv-verkehr investiert werden….
      aber eben, wieder so ein undifferenzierter kommentar eines ewiggestrigen parkplatz- und autofetischisten.

    2. Joseph de Mol, 21.09.2020, 14:31 Uhr

      Genzoli, Mühe mit anderen Meinungen? Andere Meinungen sind halt stets different! Das lässt sich nicht vermeiden. Aber Sie sind doch tolerant von Haus aus, nicht? Vielfalt sehen Sie gerne? Oder bloss innerhalb des eigenen Meinungsspektrums? Und alles Lippenbekenntnisse? Leere Worthülsen?

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