Neue Initiative blockiert Salle Modulable
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Das Luzerner Theater soll nicht abgerissen, sondern zu einem Kulturhaus werden, das fordert eine Initiative. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzerner Theater soll Kulturhaus werden Neue Initiative blockiert Salle Modulable

5 min Lesezeit 09.02.2016, 17:54 Uhr

Eine neue Initiative will den Abriss des Luzerner Theaters zugunsten der Salle Modulable verhindern. Damit wackelt bereits der zweite von drei Standorten für den neuen Theaterbau. Die Verantwortlichen scheinen überrumpelt.

Drei Luzerner haben seit Samstag eine neue Beschäftigung: Sie sammeln Unterschriften für eine neue Volksinitiative. Bis am 6. April müssen sie die erforderlichen 800 Unterschriften zusammenhaben. Mit der städtischen Initiative, die im aktuellen Kantonsblatt ausgeschrieben ist, wollen sie verhindern, dass die Salle Modulable an den Standort des heutigen Luzerner Theaters kommt: Die Initiative verlangt, dass das alte Theaterhaus erhalten bleibt. Eine mögliche Salle Modulable dürfe dieses nicht tangieren. Wenn der Betrieb des Luzerner Theaters dann ab 2023 in der neuen Salle Modulable läuft, soll im heutigen Gebäude des Theaters ein öffentliches Kulturhaus entstehen, so fordern es die Initianten.

Die Initianten wollen sich zu ihrer Initiative erst nächste Woche äussern. In einem Leserbrief in der NLZ schrieb einer der Initianten, der Luzerner Architekt und Künstler Ariel Kolly, zu einer möglichen Salle Modulable an der Stelle des Luzerner Theaters jedoch kürzlich: «Da passt ein modernes Gebäude mit einem solchen Volumen einfach nicht hin.»

Das «Volkshaus» hatte bereits die gleiche Idee

Die Initianten sind nicht die Ersten, die aus dem jetzigen Luzerner Theater dereinst ein Kulturhaus machen wollen. 2010 schlugen Aktivisten aus dem Umfeld der ehemaligen Boa vor, ein öffentliches «Volkshaus» zu errichten. Wenn die Salle Modulable errichtet werde, solle das Volkshaus im Theater das Gleichgewicht zwischen alternativer und etablierter Kultur erhalten (zentral+ berichtete).

Das Volkshaus soll laut Konzept von 2010 für Nutzungen wie Theater und Konzerte, aber auch Proberäume offen stehen. Tom Burri von der Iku Boa sagte 2014 gegenüber zentral+, man wolle die Idee wieder aufs Tapet bringen, sobald die Planung zur Salle Modulable konkreter würden.

Die Zeit drängt

Die neue Initiative setzt die geplante Salle Modulable gehörig unter Druck: Die Initianten der Salle Modulable müssen nämlich Gas geben, soll das neue Musik- und Theatergebäude je das Licht der Welt erblicken. Wenn bis Ende 2018 Finanzierung und politische Zustimmung nicht gesichert sind, verfällt die private 80-Millionen-Schenkung, die das Haus zum Grossteil finanzieren soll. Die Salle Modulable wäre dann wohl gestorben. Stadt und Kanton müssen deshalb einen ambitionierten Fahrplan einhalten: Dieses Jahr noch soll feststehen, wo der flexible Theaterbau stehen soll. Zur Debatte stehen neben dem Theaterplatz das Inseli hinter dem Bahnhof und ein Kiesplatz auf dem Alpenquai. Und schon 2023, in sieben Jahren, ist die Eröffnung geplant. Verzögerungen kann man sich keine mehr erlauben, sonst verfällt die Schenkung.

Die soeben lancierte Initiative könnte jedoch eine solche Verzögerung bedeuten: Zumindest der Standort Theaterplatz steht in der Schwebe, solange die Initiative nicht vom Tisch ist. Das aber braucht Zeit. Von der Einreichung einer Volksinitiative bis zur Abstimmung können gut und gerne zwei Jahre vergehen. Sogar bei der Initiative zur Rettung der ZHB, bei der die Stadt die Abstimmung schnellstmöglich durchführte, dauerte es ein Jahr, bis die Stimmberechtigten darüber entscheiden konnten.

Würde dieser Fahrplan auch für die Theater-Initiative gelten, könnten die Stimmberechtigten frühestens im April 2017 darüber entscheiden. Laut Fahrplan von Stadt und Kanton sollte bis dann der Standort schon längst festehen, die Umzonung vom Volk genehmigt und der Architekturwettbewerb am Laufen sein.

Auch die anderen Standorte kämpfen mit Problemen

Viele Kenner halten den Theaterplatz für den besten Standort für eine Salle Modulable. Der Anwalt und ehemalige Stiftungsrat des Luzerner Theaters Michael Gnekow etwa äusserte im Herbst diese Meinung (zentral+ berichtete). Bedeutet die neue Initiative, dass der Favorit damit gestorben ist?

«Das zeigt, dass man in unserer direkten Demokratie so ein Projekt nicht auf die Schnelle durchpeitschen kann.»
Mario Stübi, Grossstadtrat SP

Bei den Verantwortlichen scheint man von der neuen Initiative überrumpelt. Mathis Meyer, der als Projektleiter beim Kanton die Salle Modulable vorantreiben soll, schreibt auf Anfrage, dass man sich erst besprechen müsse, was die Initiative für die «Neue Theaterinfrastruktur» (NTI) und damit die Salle Modulable bedeutet, bevor man Auskunft gibt. Nicht überrascht ist hingegen SP-Grossstadtrat Mario Stübi: «Ich habe so etwas schon fast erwartet. Das zeigt, dass man in unserer direkten Demokratie so ein Projekt nicht auf die Schnelle durchpeitschen kann.»

Denn Probleme gibt es auch an den anderen zwei vorgeschlagenen Standorten für die Salle Modulable: Das Inseli beim Bahnhof scheint durch eine Initiative der Juso («Lebendiges Inseli statt Blechlawine») als Standort ebenfalls gefährdet (zentral+ berichtete). Die Initiative scheint realistische Chancen auf Erfolg zu haben.

Und der Kiesplatz beim Motorboothafen am Alpenquai wird von vielen Luzernern als ungeeignet beurteilt: Er sei wenig zentral für einen Repräsentationsbau wie die Salle Modulable. Die Stiftung Salle Modulable will erklärtermassen einen Standort in «Gehdistanz zum KKL». Beim Alpenquai müsste man diese Vorgabe zumindest sehr grosszügig auslegen. Gerüchten zufolge diente der Standort nur als Notnagel, um eine breitere Auswahl präsentieren zu können. Der Notnagel könnte nun zum Handkuss kommen.

Vom 114-Millionen-Geschenk sind noch 80 Millionen übrig

Als 2007 der Megger Kunstmäzen Christof Engelhorn starb, hinterliess er Luzern eine Vision: Ein neues, modular gebautes Musiktheater solle gebaut werden. Und er hinterliess Geld dafür: Rund 114 Millionen Franken vermachte er einer Stiftung, die den Bau damit unterstützen solle. 2010 folgte dann der Rückschlag: Engelhorns Erben zogen die Schenkung zurück. Doch vor Gericht auf den Bermuda-Inseln konnte sich die Stiftung Salle Modulable das Geld doch noch erstreiten. Das Gericht machte aber Auflagen: Spätestens bis Ende 2018 müssen die politischen Hindernisse aus dem Weg geräumt sein, sonst fliesst kein Geld nach Luzern.

Von den ursprünglich 114 Millionen sind noch rund 80 Millionen übrig: Den Rest verschlangen Planung, Personal und vor allem die Kosten für den Prozess. Das reicht voraussichtlich nicht, um die gesamten Baukosten der Salle Modulable zu decken. Für den Rest müssten private Sponsoren, aber auch die öffentliche Hand aufkommen. Das Gleiche gilt für die Betriebskosten.

zentral+ hat bereits ausführlich über die Salle Modulable geschrieben: Alle Berichte finden Sie in unserem Dossier.

«Ein Kultur-Haus für Alle» fordern die Initianten um den Künstler Ariel Kolly.

«Ein Kultur-Haus für Alle» fordern die Initianten um den Künstler Ariel Kolly.

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