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Neue Forderung: Die verbotene grüne Krone muss öffentlich werden
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Der Zaun zeigt, wo der Spaziergang endet: die private Allenwindenkuppe in Luzern. (Bild: jwy)

Alter Streit um Luzerner Allenwindenkuppe flammt auf Neue Forderung: Die verbotene grüne Krone muss öffentlich werden

6 min Lesezeit 2 Kommentare 29.11.2019, 05:11 Uhr

Die Allenwindenkuppe oberhalb der Museggmauer ist einer der zentralsten Hügel der Stadt Luzern. Doch die riesige private Grünfläche ist für Fussgänger gesperrt. Verhandlungen mit der bekannten Besitzerfamilie über eine Öffnung sind bisher gescheitert. Die Politik nimmt jetzt einen neuen Anlauf.

Luzern ist die Stadt der grünen Kuppen. Rund um das Zentrum erheben sich Hügel, von denen man auf Altstadt und Seebecken blickt: Gütsch, Dreilinden, Musegg oder Bireggwald – auch diesen Plätzen verdankt Luzern seine Lebensqualität. Die öffentlichen Naherholungsgebiete sind nah und begehrt.

Vergessen geht dabei der schönste Hügel: die Allenwindenkuppe, auch grüne Krone genannt.

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Das über 50’000 Quadratmeter grosse Gelände erstreckt sich zwischen Brambergquartier, Museggmauer und Friedental und bietet einen grandiosen Rundumblick. Würde er zumindest, denn der Zugang ist gesperrt. «Privat», deklariert unmissverständlich ein Schild und droht Spaziergängern mit einer rechtlichen Verfolgung. Das Land ist in Privatbesitz und wird an einen Bauern verpachtet.

Dabei ist die Allenwindenkuppe nicht einfach ein grüner Fleck. Der danebenliegende Wettsteinpark ist im Vergleich dazu ein mickriger grüner Streifen.

Ab hier geht’s nicht mehr weiter: Der Zugang zur Allenwindenkuppe ist nicht gestattet.

Jahrzehntealtes Politikum

Die Öffnung der gesperrten Grünzone ist ein ewiges Politikum. Denn eigentlich müsste der Hügel schon lange frei zugänglich sein: Seit Mitte der 90er-Jahre ist das im Richtplan Fusswege so festgehalten. Und wurde durch eine Volksabstimmung legitimiert. Doch der Reihe nach:

Ende des 19. Jahrhunderts erwägt die Stadt Luzern den Kauf der Kuppe. Die Parkanlage soll Einheimischen dienen und «die Annehmlichkeiten eines Sommeraufenthaltes für Fremde vermehren». Es kommt nicht dazu.

– 1988: Der Stadtrat will mit einem Bebauungsplan Teile der Allenwinden zu einer Bauzone umwandeln. Das Parlament lehnt dies äusserst knapp mit Stichentscheid ab und macht die Kuppe stattdessen zur Grünzone.

– 1994: Auch die Stimmbevölkerung sagt im Zuge der Abstimmung über das Bau- und Zonenreglement in einer separaten Frage klar Ja zur Grünzone Allenwinden. Sie spricht sich damit gegen eine Überbauung und für eine öffentliche Nutzung aus.

– 1996: Das Stadtparlament verabschiedet den Richtplan Fusswege, der die Kuppe für die Bevölkerung öffnen soll. Nach einer Beschwerde der Liegenschaftsbesitzer bestätigt das Bundesgericht 1998 schliesslich die Gültigkeit des Volksentscheids über die Umzonung.

– 2002: Ein weiterer Angriff auf die Grünzone: Die FDP fordert eine teilweise Überbauung auf 6’000 Quadratmetern des Hügels, das Parlament lehnt dies mit Verweis auf den Volksentscheid von 1994 ab. Jedoch spricht sich der Stadtrat nun auch gegen eine Öffnung aus, die Kuppe soll eine ökologische Ausgleichsfläche bleiben. Das öffentliche Interesse an zusätzlichen Parks sei zu klein, heisst es.

Die Zeitung des Hochwacht-Quartiervereins, in dessen Quartier der Hügel liegt, hat unlängst über den «langen Weg zu einer Öffnung» berichtet. «Die Hoffnung bleibt, dass vielleicht doch einmal Bewegung ins Ganze kommt und eine Öffnung zumindest partiell erreicht werden kann», schrieb Anwohner Hannes Küttel.

Hier liegt die Allenwindenkuppe:

Kein Grund, etwas zu ändern

Die grüne Fläche gehört der Familie von Michael und Patrick Hauser, die das Hotel Schweizerhof in Luzern besitzt und betreibt. 48’600 Quadratmeter davon sind Grünfläche, daneben gibt’s eine private Zufahrtsstrasse und verschiedene Gebäude.

«Für uns gibt es keinen Grund, etwas zu ändern.»

Michael Hauser

Michael Hauser hat kein Interesse, am Status quo zu rütteln. «Das Land ist verpachtet und bewirtschaftet. Das ist der Stand der Dinge und für uns gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern», sagt er. Auch wenn die Politik oder Stadtbehörde wieder aktiv würde, sieht er keinen Gesprächsbedarf. Verhandlungen in der Sache gebe es derzeit keine, sagt er.

Zudem sieht er keinen Bedarf an zusätzlichen Grünflächen in der Stadt, wenn diese gleichzeitig Areale veräussere. Er verweist auf den nahen Wettsteinpark, wo die Stadt einen Teil der Fläche verkauft hat und in den letzten Jahren eine Wohnüberbauung realisiert wurde.

Hat er kein Verständnis für Spaziergänger, die gerne über die Kuppe wandern möchten mit Blick auf die Stadt? Man könne ja rundherum laufen, sagt Hauser, das genüge. Und das stimmt auch: Via Berg-, Friedberg- und Brambergstrasse kann man die Kuppe umrunden, jedoch wird der Blick aufs Grüne durch Häuser versperrt.

Blick auf die grüne Allenwindenkuppe: Das private Grundstück wird an einen Bauern verpachtet.

Enteignung als Ultima Ratio

Immer wieder forderten Politiker wenn nicht einen Kauf, so zumindest das Wegrecht für die Allenwindenkuppe. So dass der Ausblick nicht den wenigen Kühen vorbehalten bleibt, die dort grasen.

Nach dem Volksentscheid von 1994 stellte der Stadtrat sogar in Aussicht, beim Kanton ein Begehren zu stellen, um den Hügel enteignen und öffentlich zugänglich machen zu können. Gemäss dem kantonalen Planungs- und Baugesetz kann die Kantonsregierung den Gemeinden das Enteignungsrecht für private Grundstücke erteilen. Die privaten Eigentümer würden dafür entschädigt.

«Leider sind die Verhandlungen mit der Familie Hauser für ein öffentliches Fusswegrecht gescheitert.»

Beat Züsli, Stadtpräsident

Doch seit dem Bundesgerichtsentscheid 1998, der die Umzonung stützte, wartet die Bevölkerung vergeblich auf ein öffentliches Wegnetz auf der Kuppe. In Leserbriefen wurde schon die Befürchtung einer zweiten Hausermatte geäussert, des eingezäunten Grundstücks am Quai, das ebenfalls der Familie Hauser gehört und nicht zugänglich ist.

Verhandlungen sind gescheitert

Die frei zugängliche grüne Kuppe kam zuletzt 2018 im Rahmen eines Mitwirkungsprozesses von der IG Stadtentwicklung wieder aufs Tapet. Was unternimmt also die Stadt konkret?

«Das Ziel wird längerfristig weiterhin angestrebt», sagt Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Gespräche mit der Familie Hauser hätten stattgefunden, aber ohne Erfolg: «Leider sind die derzeitigen Verhandlungen mit der Familie Hauser für ein öffentliches Fusswegrecht gescheitert.» Ohne Zustimmung der Grundeigentümer sei eine Öffnung für die Bevölkerung praktisch nicht möglich.

«Das Bedürfnis nach Zugang zu Grün- und Erholungsräumen ist in den letzten Jahren weiter gewachsen.»

Simon Roth, SP-Politiker

Zwar seien die Fusswege im Richtplan Fusswege enthalten, doch diese seien nur für die Behörden verbindlich, nicht aber für die Grundeigentümer. Bei den Verhandlungen mit der Familie Hauser sei es vor allem um den Erwerb eines öffentlichen Fusswegrechts gegangen, so Beat Züsli. «Der Kauf der Allenwindenkuppe stand nicht zur Diskussion.»

Blick über die Grünzone Allenwindenkuppe – der Zutritt ist aber verboten.

Neuer Anlauf in der Politik

Druck kommt jetzt wieder aus dem Stadtparlament: SP-Fraktionschef Simon Roth reicht in diesen Tagen einen Vorstoss zum Thema ein. In seinem Postulat fordert er erneut freien Zugang zur Allenwindenkuppe.

Die Allenwinden sei die zentralste und zugleich die einzige Kuppe, welche für die Bevölkerung nicht zugänglich ist. Bis heute sei die Öffnung nicht umgesetzt, kritisiert Roth. «Das Bedürfnis nach Zugang zu Grün- und Erholungsräumen ist in den letzten Jahren aber gewachsen und wird mit der angestrebten zunehmenden Verdichtung der Innenstadt weiter zunehmen.»

Simon Roth fordert den Stadtrat auf, mit den Besitzern in Verhandlungen über einen Landerwerb oder den Erwerb von Fusswegrechten zu treten, «um damit die Allenwindenkuppe zumindest partiell der Bevölkerung zugänglich zu machen».

Sollten die Verhandlungen nicht fruchten – wie bereits geschehen –, müsse der Stadtrat andere Möglichkeiten ergreifen, um das Areal der Bevölkerung zugänglich zu machen. Sprich: Der Stadtrat müsste dann wohl ein Enteignungsverfahren prüfen.

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2 Kommentare
  1. M. Moser, 29.11.2019, 17:08 Uhr

    Hmm, nachdem die Stadt beim Wettsteinpark eingeknickt ist, verstehe ich Herr Hauser insofern, dass er die Allenwindenkuppe nicht öffnen will. Wahrscheinlich befürchtet er einen Run auf diesen Flecken. Was menschliche Unvernunft anrichten kann, das zeigen zahlreiche öffentliche Plätze jeweils am Montagmorgen bevor die Stadtreinigung die Spuren beseitigt. Als privater Grundbesitzer müsste Herr Hauser sonst fürchten auf den Reinigungskosten sitzen zu bleiben. An Hans: Vielleicht hat es eher mit oben angesprochenem Problem des wilden Litterings zu tun als mit “Super-Luzerner”. Sollte Herr Hauser nämlich befürchten auf den Reinigungskosten sitzen zu bleiben, dann verstehe ich sein Anliegen vollkommen.

  2. Hans, 29.11.2019, 09:52 Uhr

    Ausgerechnet der “Super-Luzerner” Hauser verhindert den Zugang zu einem der schönsten Flecken. Peinlich.