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Neue App soll Suchverkehr von Touri-Cars verhindern
  • Gesellschaft
Unter anderem hier auf dem Löwenplatz soll das neue Online-Carleitsystem probeweise zum Einsatz kommen. (Bild: SRF)

Luzern testet webbasiertes Carleitsystem Neue App soll Suchverkehr von Touri-Cars verhindern

5 min Lesezeit 19.01.2017, 17:18 Uhr

Reisecars sollen in der Stadt gezielt freie Parkplätze ansteuern anstatt lange in der Stadt rumkurven: Dieses Ziel will die Stadt mit modernster Technik erreichen. Und das wäre erst der Anfang der Digitalisierung der Stadt. News gibts auch betreffend des totgeglaubten Parkhauses Musegg.

An der Mobilitätskonferenz diesen Mittwoch im Verkehrshaus verriet Stephan Marty ein spannendes Projekt, von dem die Öffentlichkeit bislang nichts wusste. Der CEO von Energie Wasser Luzern (EWL) sagte während seiner Rede gemäss «Luzerner Zeitung», dass die Stadt an einer innovativen Lösung für die Parkplatzsuche der vielen Reisecars arbeite. Bereits ab Frühling würden auf den Carparkplätzen installierte Sensoren den Carchauffeuren melden, wo es noch freie Parkplätze habe.

Test mit 27 Touri-Parkplätzen

Fällt die oft zeitraubende, verkehrsbelastende und ineffiziente Suche der grossen Reisecars nach freien Plätzen also bald weg? Das könnte gut sein, wie der städtische Verkehrsexperte Roland Koch auf Anfrage von zentralplus sagt: «Bis Ende März wollen EWL und das städtische Tiefbauamt ein Pilotsystem für ein Car-Leitsystem entwickeln. In einem ersten Schritt sollen drei Car-Park- und Car-Anhalteplätze mit Sensoren ausgerüstet werden, um die Funktionalität des Systems zu testen.»

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Konrekt getestet wird das System an den Carhaltestellen Schwanenplatz, Löwenplatz und Landenberg mit total 27 Parkplätzen. Mittels einer auf dem Handy oder Tablet installierten App können die Chauffeure erkennen, wo es noch freie Parkplätze hat. Dabei wird auf jene App zurückgegriffen, welche EWL bereits jetzt in einem Mini-Pilotprojekt für ein paar Autoparkplätze testet. Dieses Programm wird nun für das Car-Pilotprojekt angepasst.

Auf diesen drei Car-Parkplätzen wird das Projekt getestet: Landenberg (von links), Löwenplatz und Schwanenplatz.

Auf diesen drei Car-Parkplätzen wird das Projekt getestet: Landenberg (von links), Löwenplatz und Schwanenplatz.

(Bild: Google Maps)

Koch sagt: «Ziel der Stadt ist es, den Carchauffeuren und -chauffeusen auf die Touristensaison 2018 hin ein komplettes webbasiertes Car-Leitsystem für alle Car-Anhalte- und Car-Parkplätze zur Verfügung stellen zu können.»

Inseli-Standort fällt wohl weg

Dieses Leitsystem ist laut Koch Bestandteil des Carparkierungskonzeptes der Stadt Luzern, welches der Stadtrat voraussichtlich im Februar 2017 verabschieden wird. Die Kosten des Systems sind gemäss Koch noch nicht definitiv bekannt. Auch dazu soll das Pilotprojekt Ergebnisse liefern.

«Das neue Carleitsystem wird zu weniger Suchverkehr führen.»

Roland Koch, Verkehrsexperte Stadt Luzern

Dieses mit Spannung erwartete Konzept berücksichtigt laut Koch übrigens auch zwei Standorte, die höchst ungewiss sind. Zum einen die Mitte Dezember versenkten 36 Car-Parkplätze des Parkhauses Musegg. Hier ist noch nicht ganz klar, wie tot das Vorhaben wirklich ist (siehe Box). Zum anderen die rund 30 Parkplätze auf dem Inseli hinter dem Bahnhof. Dieses Areal könnte schon bald autofrei werden. Eine Juso-Initiative verlangt dies nämlich – und der Stadtrat scheint nicht abgeneigt, das Anliegen zu unterstützen, wobei ein Entscheid noch aussteht. Laut Koch wird beim Parkierungskonzept nun so geplant, dass es auch ohne diese beiden Optionen funktionieren sollte.

Koch ist überzeugt: «Das neue Carleitsystem wird zu weniger Suchverkehr führen. Die Chauffeure fahren dann nicht vergebens rum, etwa vom Löwenplatz zum Landenberg und von dort zum Verkehrshaus.» Die Plätze während der Anfahrt bereits zu reservieren, damit sie einem nicht doch noch weggeschnappt werden, sei jedoch nicht möglich. Koch sagt: «Diese Option könnte in einer nächsten Phase geprüft werden.»

Tourismus lobt

Auf offene Ohren mit ihrer Innovation stossen Stadt und EWL bei Luzern Tourismus. Medienchefin Sibylle Gerardi sagt: «Luzern Tourismus unterstützt die Stadt Luzern hinsichtlich diverser Massnahmen, die Optimierungen betreffend Verkehr bringen. Dazu gehört auch das Testen eines webbasierten Carleitsystems. Weniger Suchfahrten der Cars würde die Situation weiter entlasten.»

Stadt soll digitalisiert werden

Seitens der Stadt Luzern ist das webbasierte Carleitsystem erst der Anfang einer neuen, digitalen Welle. «Wir arbeiten schon länger daran, Grundlagen und eine Strategie für einen digitalen Service public zu erarbeiten», sagt Kommunikationschef Niklaus Zeier auf Anfrage. Dazu habe man auch ein Forum «Digitale Stadt Luzern» gegründet. Zusammen mit EWL und Luzern Tourismus wolle man laufend neue Grundlagen und Projekte für eine Digitalisierung der Stadt erarbeiten.«Wir stellen derzeit sämtliche Daten zusammen, die wir zur Verfügung stellen könnten», sagt Zeier. Auch schaue das Forum, welche Erfahrungen andere Gemeinden mit der Digitalisierung machen würden. Tönt interessant – doch was soll konkret daraus werden?

Zeier erwähnt folgendes Beispiel: «Die Stadt könnte historische Daten und Bilder etwa über Denkmäler wie die Kapellbrücke zur Verfügung stellen. Diese könnten dazu genutzt werden, Angebote für Touristen herzustellen. Etwa via App.» Oder, um zum Verkehr zurückzukommen: Die Stadt könnte via Signale auch alle öffentlichen Autoparkplätze erfassen und dadurch ein webbasiertes Parkleitsystem ermöglichen. Zeier sagt abschliessend: «Wir wollen mit unserer Strategie noch dieses Jahr fertig werden. Diese muss dann politisch abgesgnet werden und für die Stadt einen Mehrwert bringen.»

Rettungsaktion fürs Parkhaus Musegg läuft

Bei Roger Sonderegger laufen die Fäden zusammen. Der CVP-Stadtparlamentarier forciert die von der Partei angekündigte Pro-Parkhaus-Musegg-Volksinitiative. Nachdem SP, Grüne und GLP das Projekt Mitte Dezember genüsslich versenkt haben, will die CVP zusammen mit SVP, FDP und Wirtschaftskreisen den Entscheid der «Öko-Allianz» per Volksinitiative rückgängig machen. «Der Stadtrat soll die Arbeit am Projekt wieder aufnehmen dürfen, dazu seine Meinung sagen und die Öffentlichkeit in den Prozess miteinbeziehen», fordert Sonderegger. Das Projekt sei für die Stadt viel zu wichtig, als dass es einfach so abgewürgt würde – das Vorprojekt lag Mitte Dezember bereits auf den Pulten der Stadträte. Der Initiativ-Text stehe und sei bereits juristisch geprüft worden.

Im Frühling startet Unterschriftensammlung

Nun würden Gespräche mit den möglichen Partnern laufen. Nächsten Monat, noch vor der Fasnacht, wolle man die Medien darüber informieren. Mit der Unterschriftensammlung soll im Frühling gestartet werden. Nötig sind 800, «aber wir wollen sicher viel mehr sammeln, um unserem Anliegen Nachdruck zu verleihen», sagt Sonderegger. Er betont: «Uns geht es nicht darum, schon jetzt Ja oder Nein zum Projekt zu sagen. Aber wir wollen es zumindest genau analysieren und besprechen können.»

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