Neue App öffnet Tor zur Vergangenheit
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Zug heute: Die Zeit ging nicht spurlos vorbei. (Bild: Christian Hildebrand)

Zug einst und heute Neue App öffnet Tor zur Vergangenheit

3 min Lesezeit 22.03.2015, 17:40 Uhr

Ländliche Idylle, Landwirtschaft und Langsamverkehr. Das war Zug vor hundert Jahren. Die Zeiten provinzieller Prägung sind schon lange vorbei. Heute präsentiert sich Zug modern, fortschrittlich und finanzstark. Die rasante Entwicklung hinterliess ihre Spuren auch im Landschaftsbild. Eine neue App verhilft dabei alten Postkarten zu neuem Glanz.

Zug, der heute als wohlhabendster aller Kantone der Schweiz gilt, war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein weitgehend Agrarland. Das Leben der eher armen Bevölkerung wurde geprägt durch die Landwirtschaft.

Neue App präsentiert Ortschaften vor 100 Jahren

Ein Blick zurück in jene Zeit ermöglicht die App «Swiss Postcard». Sie präsentiert Ansichtskarten aus Schweizer Ortschaften aus der Zeit um 1900. Entwickelt wurde die Anwendung im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der Kantonsbibliotheken. Auch die Bibliothek Zug hat Karten aus verschiedenen Gemeinden beigesteuert. So sind darauf historische Postkarten von Baar, Cham, Hünenberg, Menzingen, Neuheim, Oberägeri, Risch, Steinhausen, Unterägeri, Walchwil, Zug und vom Zugersee zu finden (zentral+ berichtete). Im Test überzeugt die schlichte App durch einfache Bedienung und schnörkellose Informationen. Und führt den Betrachter von Heute zurück in die Vergangenheit.

 

(Bild: Bibliothek Zug / Christian Hildebrand)

Steinhausen um 1900 vom Kurhaus Rigiblick aus gesehen. Einst Wald und Wiese, heute dichtes Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiet.

 

Der wirtschaftliche Aufschwung und damit der Abschied vom landwirtschaftlich geprägten Staatswesen setzte im Wesentlichen erst im 20. Jahrhundert ein. Auf die vorbestehende Textilindustrie, welche in Zug mit zahlreichen Spinnereien und Webereien vertreten war, folgte eine Verlagerung des Schwerpunktes auf die metallverarbeitende und die Elektro-Industrie.

Erste Automobile ratterten über staubige Strassen, knackende Telefonleitungen verbanden Menschen, Maschinen dröhnten in öligen Fabrikhallen und stellten Massenware her. Der Fortschritt rief nach Wachstum und umgekehrt.

 

Stadt Zug um 1900 und heute: Die Zeit ging nicht spurlos am Zugerland vorbei.

(Bild: Bibliothek Zug / Christian Hildebrand)

Stadt Zug um 1900, Foto aufgenommen im Gebiet Rägeten, wo die grüne Wiese bis heute unüberbaut geblieben ist.

 

In Jahren um 1900 und 1970 stieg die Bevölkerungszahl des Hauptortes markant an von 6’500 auf 19’700 Einwohnern (Angaben: Fachstelle Statistik Zug). Danach blieb die Bevölkerungszahl auf konstantem Niveau, bevor zu Beginn der 90er Jahre aufgrund starker Bautätigkeit wieder ein kontinuierliches Wachstum einsetzte. Heute leben in der Stadt Zug rund 27’000 Menschen. Im ganzen Kanton sind es deren 118’000. 

Neue Ein- und Mehrfamilienhäuser wurden in den letzten Jahren hauptsächlich an den Hängen des Zugerberges und in der Lorzeebene nördlich des Stadtzentrums gebaut. Inzwischen ist das Siedlungsgebiet von Zug mit demjenigen von Baar weitgehend zusammengewachsen.

 

(Bild: Bibliothek Zug / Christian Hildebrand)

Unterägeri um 1901. Die zahlreichen Kirschbäume sind Überbauungen gewichen.

 

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte der dynamische Ausbau zu einem nationalen und internationalen Finanz- und Handelsplatz, begünstigt durch die Nähe zu Zürich und eine attraktive Steuerpolitik. Parallel dazu entstanden grosse Industrie- und Gewerbezonen.

Die Arbeitsplätze nahmen rasant zu, die Einwohnerzahl stieg markant, der Bauboom brach fast explosionsartig aus. Der Kanton Zug katapultierte sich an die Spitze der finanzstarken Kantone. Die Stadt stellt heute, wie der britische Guardian einst schrieb, eine «Haupthimmelsrichtung der globalen Wirtschaft» dar.

 

(Bild: Bibliothek Zug / Christian Hildebrand)

Cham um 1903. Der Kirchplatz mit Umgebung hat sich in den vergangenen 112 Jahren nicht gross verändert.

 

Bei allen grossen Veränderungen gibt es stets auch Dinge, die bleiben. Das ist in Zug wie anderswo. Gewisse Ortskerne konnten ihren Dorfcharakter erfolgreich behaupten. 

 

(Bild: Bibliothek Zug / Christian Hildebrand)

Oberägeri um 1901. Gewandelt hat sich bis heute vor allem der Verkehr und mit ihm die Strasse. Die Häuser sind grösstenteils unverändert geblieben.

 

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