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Neu- oder Umbau: So könnte das flexible Luzerner Theater aussehen
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Diese Visualisierung zeigt, wie ein Neubau anstelle des alten Theaters aussehen könnte. (Bild: zvg)

Das steht im 70-seitigen Bericht Neu- oder Umbau: So könnte das flexible Luzerner Theater aussehen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 11.09.2018, 16:38 Uhr

Alles deutet darauf hin, dass das künftige Luzerner Theater am alten Standort stehen wird. Zwar wurde noch kein Entscheid gefällt, aber Architekten präsentieren erstmals Ideen, wie ein Neubau oder eine Erweiterung aussehen könnten. So oder so: Das Areal wird sich radikal verändern.

Nun hat man Gewissheit: Ein neues Luzerner Theater auf dem heutigen Platz ist möglich. Seien es ein Abriss und Neubau – oder ein Umbau des alten Hauses mit Erweiterung Richtung Jesuitenkirche. Das hat eine Testplanung im Auftrag der Stadt Luzern ergeben (zentralplus berichtete).

Involviert waren drei Architekturteams und ein breites Gremium aus Spezialisten. Im nun vorliegenden 70-seitigen Schlussbericht hat’s ein paar interessante Gedankenexperimente und Ideen für ein zukünftiges Theater. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Kommt das neue Luzerner Theater also definitiv auf den Theaterplatz?

Der vorliegende Schlussbericht nennt zwar erstmals konkrete Ideen, wie ein neues Haus aussehen könnte. Das ist aber noch kein Entscheid für eine der beiden Varianten – und auch nicht über den Standort. Aber die politische und öffentliche Diskussion ist neu lanciert. Und wo sonst sollte ein neues Theater stehen, wenn nicht an diesem zentralen und attraktiven Platz?

«Trotz seiner relativen Beengtheit überwiegen auch aus Sicht des Luzerner Theaters die Chancen des Standortes in der Luzerner Innenstadt, mitten im täglichen Stadtalltag auf einem angestammten Markt- und Umschlagplatz», findet die städtische Kulturchefin Rosie Bitterli im Bericht.

Und auch Birgit Aufterbeck Sieber, Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters, macht keinen Hehl daraus, dass sie das künftige Theater am alten Standort sieht: «Die neu gestaltete Bahnhofstrasse wird zur attraktiven Kulturmeile zwischen den Leuchttürmen KKL und Luzerner Theater.»

Die Bahnhofstrasse heute: wenig einladend.

Luzerner Theater und Bahnhofstrasse heute: wenig einladend.

(Bild: zvg/Stefano Schröter)

Könnte das alte Theater auch einfach renoviert werden?

Nein, es gibt nur die Optionen Neubau oder Erweiterung. Denn das jetzige Haus genügt heutigen Anforderungen an ein Mehrspartenhaus – Oper, Schauspiel, Tanz und Figurentheater – nicht mehr. Der neue Theaterbau muss eine flexiblere Raumaufteilung aufweisen als der heutige Kasten, gerade für Opernproduktionen, für das Sinfonieorchester oder das Lucerne Festival. Das neue Luzerner Theater soll das KKL ergänzen.

Wichtige Anforderung war, dass das neue Theater drei verschieden grosse und wandelbare Aufführungsräume beinhaltet, die sich einzeln oder gemeinsam nutzen lassen. Oder wie es Aufterbeck Sieber ausdrückt: «Klug positionierte und kombinierbare Räume, Hinter- und Seitenbühnen, die je nach Veranstaltungsprofil zu variablen Raumfolgen verbunden werden können.»

Das neue Theater bräuchte mehr Platz, wo gibt’s diesen?

Das neue Theater würde die Gebäudefront entlang der Reuss, also den Platz mit Theaterbox und Taxiständen zwischen Theater und Jesuitenkirche, schliessen. Historisch betrachtet war dies bereits früher der Fall und es könnte zu einer Aufwertung der Situation führen. Zu hoch dürfte das Volumen nicht werden. Ein Gebäude, das bis an die Reuss reicht, wurde aber verworfen – die Durchgänge müssen gewährleistet bleiben. Ebenso könnte neuer Raum durch ein öffentlich genutztes Erdgeschoss und die Aufwertung der Bahnhofstrasse entstehen.

Welche Ideen hatten die drei Teams?

Alle drei Teams in der Testplanung erarbeiteten Ideen sowohl für einen Neubau wie auch für einen Umbau mit Erweiterung – und vertieften dann jeweils eine Variante.

Neubau: Das Projekt «Axonometrie» der Team Bosshard & Luchsinger Architekten sieht einen kräftigen, klaren, aber durchlässigen Neubau vor, der die Lücke zwischen Jesuitenkirche und Seidenhof schliesst. Der Eingang wäre neu an der Theaterstrasse, also dort, wo heute die Bühnenanlieferung stattfindet. Es würde anstelle des heutigen Platzes dort eine neue kleinere Vorzone geben. Die Länge und Höhe des Volumens sind aus denkmalpflegerischer Sicht zwar kritisch, doch der Theaterneubau würde allen Ansprüchen an das heute übliche Theater gerecht, heisst es.

Skizze für einene Neubau des Luzerner Theaters.

Skizze für einen Neubau des Luzerner Theaters.

(Bild: zvg/Bosshard & Luchsinger Architekten)

Umbau mit Erweiterung: Das Team ARGE Büro Konstrukt mit TGS Architekten wählte eine Erweiterung des heutigen Theaters. Der heutige Platz werde massvoll bebaut, jedoch wären die Eingriffe in das alte Theater massiv. Das Erdgeschoss soll durchlässig bleiben und es gäbe Richtung Reuss und auf die andere Seite zwei Haupteingänge. Das Erdgeschoss wäre durchlässig und öffentlich, allerdings könnte es aufgrund der engen Platzverhältnisse zu Konflikten mit der Umgebung – etwa mit dem Restaurant Ente – führen.

So könnte das alte Luzerner Theater Richtung Jesuitenkirche erweitert werden.

So könnte das alte Luzerner Theater Richtung Jesuitenkirche erweitert werden.

(Bild: zvg/ARGE Büro Konstrukt/TGS Architekten)

Das Team der HHF Architekten in Zusammenarbeit mit Thomas Keller (Direktor Kaserne Basel) ruft zu einer «Transformation des Bestands» auf, auch sie nehmen das alte Theatergebäude auf und erweitern es in ihrer Idee. Der visionäre und spielerische Ansatz würde maximale Flexibilität voraussetzen, lässt aber (bewusst) noch viele Fragen offen. Der Theaterplatz soll ins transparente Gebäude integriert und im Innern weitergeführt werden. Der Saal soll mit mechanisch verschiebbaren Plattformen unterschiedlich genutzt werden können.

So könnte das alte Luzerner Theater Richtung Jesuitenkirche erweitert werden.

So könnte das alte Luzerner Theater Richtung Jesuitenkirche erweitert werden.

(Bild: zvg/HFF Architekten)

Was sind die Vor- und Nachteile eines Neubaus?

Beide Varianten – Neubau oder Erweiterung – lassen sich umsetzen und wären auch etwa gleich teuer in der Investition. Und beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Neubau erlaubt mehr Flexibilität in der räumlichen Aufteilung und wäre wohl im Betrieb günstiger. Ein Umbau mit Ergänzung ist für die Identität förderlich. Denn der alte Bau von 1839 ist als «erhaltenswert» eingestuft, ein Abriss ist zwar möglich, kommt aber nicht überall gut an.

«Der Entscheid für eine bauliche Variante kann deshalb nur gemeinsam mit der Frage, welche Art von Theater in Luzern gewünscht ist, gefällt werden», folgert der Bericht. Verkürzt kann man sagen: Aus städtebaulicher und denkmalpflegerischer Sicht wird ein Umbau favorisiert, aus theaterbetrieblicher und künstlerischer Sicht ein Neubau.

Wie geht es jetzt weiter?

Zwar kann das Theater in den heutigen Räumen und der Box noch weiterarbeiten, aber in sieben bis neun Jahren ist die Erneuerung oder Erweiterung «überaus dringlich», hält der Bericht fest.

Die Stadt hat die 300’000 Franken teure Testplanung finanziert und damit vorgelegt. Der Bericht wird nun in der Öffentlichkeit und im Parlament weiterdiskutiert. Allerdings müssen neben den räumlichen Aspekten und Standortdiskussionen auch kulturpolitische Fragen diskutiert werden. Denn davon hängt letztlich ab, welche Art von Theater man für Luzern bauen will.

Danach kann die Stadt zusammen mit dem Kanton und dem Zweckverband Grosse Kulturbetriebe möglichst bald ein Bauprojekt lancieren. Der Bericht empfiehlt dafür einen Projektwettbewerb. Für einen grösseren Neu- oder Umbau müssten die Bau- und Zonenordnung und das Grundstück, das der Stadt gehört, angepasst werden. Die Kosten für den Neubau sind noch unklar, in früheren Schätzungen war je nach Projekt von 50 bis 80 Millionen Franken die Rede.

Maximal flexible Raumnutzung verspricht dieser Ansatz.

Maximal flexible Raumnutzung verspricht dieser Ansatz.

(Bild: zvg/HHF Architekten)

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2 Kommentare
  1. Adrian Hürlimann, 12.09.2018, 17:09 Uhr

    SpekulierendesTheater?

    Eine „Kulturstadt mit Weltformat“ verdiene eine „zeitgemässe Theaterinfrastruktur“, so die Luzerner Zeitung. Wirkliche „Weltformat“-Städte machen ihr Weltformat-Theater aber in durchaus veralteten Gebäuden. In Berlin kommt niemand auf die Idee, Brechts Schiffbauerdamm-Theater oder das HAU (Hebbeltheater am Ufer) abzureissen, und auch die Volksbühne schreibt Theatergeschichte in einem betagten, unsanierten Kasten. Dass die Renovation der Elektroanlagen Millionen kosten könnte, mit solchen Sachzwang-Beruhigungspillen soll ein Neubau, gar ein Abriss über die vernebelte Bühne gezogen werden. Kreative Theaterarbeit baut nicht auf touristische Hochglanz-Tempel, sondern auf flexible Standorte und Pavillons. Sie ist nicht gratis zu haben, aber auf Repräsentationsbauten kann sie getrost verzichten. Für die Wagner-Opern ist das KKL da (oder das Neubad).
    Wir Zuger sind auf ein regionales Theaterhaus angewiesen. Vielleicht wären wir auch bereit, ein einen Beitrag für die unverzichtbare regionale „Theaterinfrastruktur“ zu leisten. Wenn die Nachbarstadt über ihren stolzen Schatten springen könnte. Das würde den Weg zu einem „Luzerner- und Zuger-Theater“ rasant ebnen. Argumente für einen solchen Leuchtturm gibt es. Schliesslich listet sogar Zürich seine Nähe zum KKL als Standortvorteil auf.

    1. Samuel Kneubühler, 14.09.2018, 17:53 Uhr

      Nur ist vom alten Theater nur noch eine Mauer (die zur Reussseite hin) übrig! Der Rest sind die Anbauen von 1927 und Erweiterungen der 1960er.