Namenswechsel der C-Partei: In Luzern umstritten, aber in Zug eine klare Sache
  • Politik
Mitte-Präsidentin Laura Dittli vor dem neuen Logo. (Bild: mam)

Delegierte wollen «Die Mitte» heissen Namenswechsel der C-Partei: In Luzern umstritten, aber in Zug eine klare Sache

4 min Lesezeit 3 Kommentare 01.06.2021, 22:38 Uhr

Der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister konnte als Präsident der CVP den Namenswechsel der nationalen Partei zu «Die Mitte» durchsetzen. Logisch dass seine Kantonalpartei nun nachzieht. Als «abgelaufenen Sommerpneu» wie in Luzern bezeichnete an der Generalversammlung der CVP in Oberägeri den neuen Namen niemand – trotz Diskussionen hinter den Kulissen. Nun wartet man auf viele Parteieintritte.

Neue Wählersegmente ansprechen, die Fusion mit der BDP ermöglichen. Das war der Beweggrund für Gerhard Pfister, den Namenswechsel der Christdemokratischen Volkspartei der Schweiz in «Die Mitte» anzustreben. Obwohl auch er noch am ursprünglichen Namen festhalten wollte, als er 2016 Präsident der Partei wurde.

Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert. «Der neue Name gibt uns die Möglichkeit, Leute anzusprechen, die sonst nie auf die Idee kämen, uns zu wählen», sagte Pfister am Dienstagabend an der Delegiertenversammlung der CVP des Kantons Zug in Oberägeri. «Seit ich wahlberechtigt bin, hat die CVP im Kanton Zug und in der Schweiz jedes Mal verloren.» Das solle sich ändern, «noch bevor ich pensioniert werde», wie er sagte.

Nur zwei Neinsager

Gerhard Pfister war der letzte Redner vor der Abstimmung. Er erklärte den Grund für die Namensänderung. Alle andern Votanten vor ihm hatten sich schon mehr oder weniger deutlich dafür ausgesprochen. Ausser Jean-Luc Mösch, Kantonsrat aus Cham.

«Wohlgemerkt: ich bin nicht gegen eine Namensänderung an sich», sagte dieser. «Aber der neue Name und das neue Logo überzeugen mich nicht.» Er hinterfragte, ob die Bezeichnung «Die Mitte» die Partei wirklich stärke und er fragte sich, ob die Verwirrung um den Namenswechsel sie im Gegenteil nicht schwäche.

«Die letzten Monate standen ganz im Zeichen des Namenswechsels.»

Laura Dittli, Präsidentin «Die Mitte Kanton Zug»

Die Umbenennung ist nun aber beschlossene Sache. 97 Delegierte sprachen sich für eine Umbenennung aus, zwei waren dagegen, eine Person enthielt sich der Stimme. Die Jungpartei hat den Namenswechsel bereits vollzogen. Die Parlamentarier der Partei werden an der nächsten Kantonsratssitzung als «Die Mitte Kanton Zug» auftreten.

«Religiöses Image»

Dennoch hat es wohl intensive Diskussionen gegeben. «Die letzten Monate standen ganz im Zeichen des Namenswechsels», sagte Laura Dittli, Präsidentin der CVP-Kantonalpartei. Es sei eine intensive Zeit für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen im Präsidium gewesen. Viele Mitglieder hätten in der CVP ihre politische Heimat gefunden und sie hingen deswegen sehr am C.

Trotzdem habe die Partei darum auch immer noch ein «religiöses Image» so Dittli. Mit dem neuen Namen werde es möglich sein, insbesondere jüngere Personen anzusprechen, das zeigten die Erfahrungen aus anderen Kantonen. Laut Gerhard Pfister haben «Die Mitte»-Jungparteien seit dem Namenswechsel 350 neue Mitglieder gewonnen.

Neue Mitglieder in Aussicht

Die gleiche Beobachtung hat Michael Felber, Copräsident der CVP der Stadt Zug gemacht. «Acht oder neun Personen haben ihren Beitritt bei uns angekündigt – sie warten nur noch, bis wir uns umbenannt haben.»

Die Ortsparteien werden den Namenswechsel für ihre Sektionen noch separat zu beschliessen haben. Erst die CVP Risch-Rotkreuz hat ihn bereits vollzogen. «In unzähligen Diskussionen und Veranstaltungen für die Mitglieder der Ortsparteien hat sich herauskristallisiert, dass ein Namenswechsel richtig und wichtig ist», sagt Dittli. Daher sei sie überzeugt, dass auch die übrigen Ortsparteien der Kantonalpartei folgen werden.

«Auch bei uns wird’s wohl Austritte geben.»

Michael Felber, CVP Stadt Zug

Einigung in Minne

Fazit: Im Kanton Zug konnten sich die Parteimitglieder intern einigen – ganz anders als im Kanton Luzern, wo bekanntlich alt Nationalrat Pius Segmüller wegen der Namensdiskussion mit Getöse ausgetreten ist. «Auch bei uns wird’s wohl Austritte geben», sagt der Stadtzuger Michael Felber. Aber das Potenzial für die Zukunft ist für ihn höher zu gewichten.

Als neuen Namen stand in Oberägeri nur eine Version zur Auswahl. So fand sich auch niemand, der «die Mitte» als «Name wie ein abgelaufener Sommerpneu» bezeichnete, so wie es der Stadtluzerner Albert Schwarzenbach vergangenen Herbst in den Medien getan hatte. Später schlug er bekanntlich als neuen Namen «CVP – die Mitte» für die Luzerner Kantonalpartei vor.

Luzerner CVP weiter als Schwyz

Auch die Luzerner Christdemokraten werden wohl spätestens im Herbst an einer Versammlung über die Umbenennung abstimmen. Und sie werden dann weiter sein, als ihre Parteifreunde in anderen Zentralschweizer Kantonen, die sich zum Teil immer noch nicht über die weitere Vorgehensweise einig sind.

Für Gerhard Pfister ist die bereits erfolgte Umbenennung einiger Kantonalsektionen zu «CVP – die Mitte» (Obwalden und Oberwallis) übrigens «vollkommen in Ordnung». Hauptsache man gehe den Schritt zur «Mitte» inklusive dem neuen Logo mit.

«Ich selber fühle mich wohl mit dem «C», sagte er. «Ich habe überhaupt kein Problem damit». Aber es gehe nicht darum, dass er sich persönlich wohlfühle. Sondern darum, dass sich alle Menschen mit dem Namen anfreunden können, welche sich auch mit den Inhalten der Mitte-Politik identifizieren können. «Dafür arbeite ich», sagte Pfister.

Die Zuger CVP wartete mit der Abstimmung über die Umbenennung, bis wieder Versammlungen möglich waren.

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3 Kommentare
  1. Alessandro Ehrbar, 02.06.2021, 16:30 Uhr

    Mit diesem neuen Namen will die Partei neue Wähler für sich gewinnen aber was verstehe ich unter diesem neuen Namen? Die Mitte bedeutet für mich wir beziehen keine klare Position. Wir machen Politik so wie gerade der Wind weht und schliessen uns der Mehrheit an!

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  2. Cory Gunz, 02.06.2021, 10:00 Uhr

    Mehrere Frauen haben mir gegenüber den Begriff «meine Mitte» für ihre weibliche Anatomie benutzt. Da gäbe es doch ein paar ganz lustige Wortspiele für unsere früheren CVPler:innen

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  3. Andreas Peter, 02.06.2021, 09:33 Uhr

    Ich finde den Namenswechsel ziemlich opportunistisch und lächerlich.
    Auch ist der Begriff «Mitte» ziemlich fragwürdig.
    Mitte von was? Wer definiert, was das bedeuten soll?
    Ein Statement bzw. eine Entscheidungshilfe für den Wähler ist das jedenfalls nicht.
    Wischiwaschi als Programm.
    Was möchtest du Essen? Pizza oder Minestrone? Antwort: «Die Mitte!».

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