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Naiv? Der Glaube ans neue Theater bleibt
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Luzerns Freie Szene tischt fett auf Naiv? Der Glaube ans neue Theater bleibt

4 min Lesezeit 1 Kommentar 31.08.2016, 16:56 Uhr

Zum vierten Mal stellt die Freie Theaterszene der Zentralschweiz einen gemeinsam Spielplan vor. Ein grosses Thema war bei diesem Treffen jedoch auch die Salle Modulable. Und zu dieser hat man eine klare Haltung.

Voll ist es nicht, das Kleintheater bei der Spielplanpräsentation der Freien Szene. Doch die Gesichter, die in der Runde sitzen, sind auf jeden Fall keine unbekannten: Veranstalter, Organisatoren, Politiker und Theaterschaffende sind gekommen. Auch der designierte Stadtpräsident Beat Züsli ist dabei.

Die Stimmung ist locker, es wird viel gelacht. Präsidentin Ursula Hildebrand macht aus der regionalen Präsentation des Berufsverbandes ACT schnell eine gemütliche Runde, in welcher sich kein Redner schamhaft versteift geben muss.

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Schlagzeilen und gemeinsame Projekte

«Das Theater muss in die Schlagzeilen», ist das Motto. Man wünsche sich mehr kritische Berichterstattung über Inhalte und auch über Formen. «Die Fülle der Produktionen in der Freien Szene ist gross. Und alle sind erwähnenswert. Wir wollen deshalb aufrufen: Gehen Sie ins Theater und geniessen Sie die an- und aufregenden Begegnungen mit Inhalten, mit anderen Menschen», appelliert Hildebrand.

Sonja Eisl und Judith Rohrbach, die Gastgeberinnen im Kleintheater, freuen sich über die Zusammenarbeit, über die Anwesenheit von Südpol und Luzerner Theater und heissen alle willkommen. Besonders dass Vertreter des Luzerner Theaters anwesend seien, wird mehrmals betont. Eine Entwicklung, die Schwung und viele neue Möglichkeiten in die vielfältige Zentralschweizer Theaterszene bringt.

«Der Spielplan zeigt, welche Kraft Theater haben kann.»
Ursula Hildebrand, Präsidentin ACT Zentralschweiz

Auch Vorstandsmitglied und Schauspieler Manuel Kühne hat Neuigkeiten. Im Dezember wird es einen Adventskalender im UG des Luzerner Theaters geben – entwickelt gemeinsam mit ACT. Jeden Abend werden Schauspieler, Tänzer und Sänger der Ensembles und aus der Freien Szene auf der Bühne stehen und ein Türchen öffnen.

Auf der Kleintheaterbühne steht während dieser Spielplanpräsentation nur einer: Der Performer Johannes Dullin rundet die Veranstaltung mit drei kurzen Ausschnitten aus seinem Soloprogramm ab. Er habe sich «dem höheren Blödsinn verschrieben», heisst es allgemein. Und dem kann man – nachdem man sich erholt hat – nur zustimmen.

Spielplan als Manifest

Im Spielplan sind zahlreiche Mitglieder und Supporter von ACT vertreten, aber auch solche, die keinem Verband angeschlossen sind. «Auch solche Gruppen und Theaterschaffende wollen wir abbilden – und einige haben wir gefunden.» Das Heft wird immer dicker. Im Programm sind zahlreiche Produktionen versammelt: Splätterlitheater, Theater Aeternam oder Nawal, Bunterbünter, Ohne Rolf, LebensUnterhalt oder auch das Freilicht Luzern sind beschrieben. Auch immer mehr Performance- und Tanzproduktionen wie Panch oder Irina Lorez sind bei ACT zu finden.

Dieser Spielplan sei nicht nur ein Programm, es sei ein kulturpolitisches Manifest, so Hildebrand. «Es zeigt, welche Kraft Theater als gesellschaftlicher Faktor haben kann.»

Ein Ja von ACT für den weiteren Prozess Salle Modulable

Der kantonale Kulturbeauftragte Stefan Sägesser ist ebenfalls mit seinem Team anwesend. Er hält eine kämpferische Rede und ruft die freien Theaterschaffenden dazu auf, sich zusammenzutun, gemeinsam zu arbeiten und für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. ACT sei immer mehr als Lobby und als Gesicht dieses wilden Haufens sichtbar.

«Ich bin so naiv. Ich glaube noch an die Idee.»
Annette Windlin über die Salle Modulable

Was es für das Theaterschaffen in der Freien Szene brauche, ist eine Frage, die in den Raum gestellt wird. Eine mögliche Antwort darauf ist: Raum. Und damit sind wir beim aktuellsten kulturpolitischen Thema angelangt.

Annette Windlin sitzt seit Anfang für ACT und die Freie Szene im Projektrat von NTL alias Salle Modulable. Sie erklärt erstmal: Die Empfehlung zur Ablehnung des Kredits am Montag habe wie eine Bombe eingeschlagen (zentralplus berichtete). «Das war ein Schock. Doch vorbei ist es noch nicht. Wir sind so weit gekommen, jetzt ist es noch nicht an der Zeit, aufzugeben», betont Windlin.

Weitermachen und weiterdenken ist der Wunsch

Auch Patrick Müller, der anwesende künstlerische Leiter vom Südpol, bestätigt dies: «Wir haben einige Druchbrüche erzielt in den vergangenen Wochen. Wir sind Teil des Prozesses, unsere Forderungen wurden angenommen und wir arbeiten auf Augenhöhe. Wir wollen diesen Weg weitergehen.»

Und gemeinsam wird an diesem Anlass darum gebeten, sich einzusetzen, sich einzuklinken bei den beteiligten Akteuren, mitzudiskutieren und den Prozess weiter voranzutreiben. Man will sich noch nicht geschlagen geben. «Ich bin so naiv. Ich glaube noch an die Idee», sagt Annette Windlin.

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1 Kommentare
  1. Beat Stocker, 03.09.2016, 15:13 Uhr

    “Ich bin so naiv. Ich glaube noch (!) an die Idee.” – An die Realisierung nicht (mehr)?
    Wenn der freien Szene nichts weiter einfällt als ein Adventskalenderaktioenchen im stillen Kaemmerlein, damit sie in die Schlagzeilen kommt, dann hat sie allen Grund, nicht mehr an die Realisierung der Salle zu glauben. La réalité dépasse la fiction. Was für eine tolle Komödie.

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