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Nach Vorstandsrücktritt: Eiszeit im «Südpol»
  • Kultur
Im Luzerner Südpol herrscht Eiszeit. (Bild: Montage zentralplus)

Verhärtete Fronten in Luzerner Kulturbetrieb Nach Vorstandsrücktritt: Eiszeit im «Südpol»

4 min Lesezeit 15.06.2018, 17:17 Uhr

Der Vorstand des Südpols will nicht mehr und tritt geschlossen zurück. Man habe nicht das Gefühl, dass das Kulturhaus wirklich lokal verankert sei. Im Kulturhaus selbst scheint das Betriebsteam darüber komplett überrascht zu sein. Doch es bleibt nicht lange Zeit, die Wunden zu lecken.

Der Vorstand des Vereins Südpol Luzern hat entschieden, geschlossen zurückzutreten. Dies liess er am Freitagmorgen die Presse wissen. «Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit» sei nicht mehr gegeben. Er kritisiert zudem, dass die Bereitschaft fehle, ausserhalb bestehender Strukturen zu denken.

Mit dem geschlossenen Rücktritt erwischt der Vorstand das Betriebsteam kalt. «Wir sind konsterniert über das Vorgehen des Vorstandes», schreibt das Team in einer Stellungnahme auf der Webseite. Das Hauptinteresse des Teams sei es jedoch erst mal, die Stabilität des Betriebes zu garantieren und das Geschäft im Sinne des Leistungsauftrages der Stadt Luzern aufrechtzuerhalten sowie die Arbeitsplätze zu sichern. «Wir informieren über das weitere Vorgehen», endet das kurze Statement.

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Mehr will man im Südpol aktuell nicht sagen. Das Team müsse sich erst intern sortieren und besprechen, bevor man Fragen beantworten könne, sagt der betriebliche Leiter Dominique Münch. Man sei überrascht und recht schockiert und müsse erst klären, was diese Neuigkeit bedeute, was genau abgelaufen sei.

Kein Kontakt

Bei Nachfragen wird schnell klar: Bis jetzt gab es keinen Kontakt zwischen Vorstand und Betriebsteam – die Fronten scheinen verhärtet.

Vize-Präsidentin Sabrina Suter betont auf Anfrage, dass es kein Schlüsselereignis in den letzten Tagen gegeben habe, das zum geschlossenen Rücktritt geführt habe. «In mehreren Sitzungen wurde klar, dass wir einen Schlussstrich ziehen müssen, für uns und zum Wohle des Südpols», so Suter. Geschlossen zurückzutreten, ist ein klares Zeichen dafür, dass die Vorstandsarbeit für sie so nicht länger tragbar ist. Die Entscheidung wirke vielleicht plötzlich, es habe sich jedoch schon länger abgezeichnet, dass es nicht funktioniere. «Und wir haben den Entscheid nicht leichtfertig getroffen», sagt Suter.

«Wir haben nicht das Gefühl, dass der Südpol wirklich lokal verankert ist.»
Sabrina Suter, Vize-Präsidentin Verein Südpol

Das Kulturhaus hat nun eine ganze Reihe von Baustellen. Der geschlossene Rücktritt kommt damit zwar unerwartet, aber nicht wirklich überraschend. Der Südpol hatte im letzten Jahr mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen. Zudem verlässt der künstlerische Leiter, Patrick Müller, den Südpol per Ende September. Dass die Stimmung am Haus nicht die beste ist, zeigte sich diesen Frühling auch bei der Mitgliederversammlung (zentralplus berichtete). Der Vorstand sagte damals, man wolle eine Standortbestimmung vornehmen und danach die Nachfolgeregelung für Patrick Müller angehen. Bei dieser Standortbestimmung ist man sich jedoch nicht einig geworden.

Aneinander vorbei

Das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet und die Meinungen so unterschiedlich, dass es zu keinem Konsens mehr kommen konnte. Man habe wahrscheinlich auch aneinander vorbeigeredet, betont Suter. Strategie und operative Entscheide hätten nicht mehr zusammengepasst.

«Wir mussten schliesslich eingestehen, dass wir es nicht schaffen, unsere Überzeugungen ins Haus einzubringen, und dann sind wir die falschen Leute für die Aufgabe», so Suter. Der Vorstand müsse ein Haus mitprägen können und strategisch zur Verankerung beitragen. Das habe nicht funktioniert. Dass die Vorstandsmitglieder nicht aus dem sogenannten «Kulturkuchen» stammen, war immer wieder Thema. Suter lässt jedoch offen, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil für die Zusammenarbeit war.

Wo genau die Meinungen derart auseinandergegangen sind, dazu will der Vorstand sich nicht äussern. Nur so weit: «Wir haben nicht das Gefühl, dass der Südpol wirklich lokal verankert ist und dass er in der Wahrnehmung noch nicht zu einem Zuhause der freien Kulturschaffenden geworden ist.» Und durch die Zahlen habe er sich bestätigt gefühlt. Mit dem Rücktritt wolle man den Weg frei machen, damit neue Kräfte den Südpol als erfolgreiches Haus der Freien Kulturszene der Stadt Luzern positionieren und entwickeln können.

Neuer Vorstand gesucht

Zwei der sechs aktuellen Vorstandsmitglieder waren damit nur wenige Wochen im Amt. Luzi Meyer hatte ebenfalls erst dieses Jahr das Präsidium übernommen.

Am 5. Juli, bei einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung, wird der Vorstand offiziell zurücktreten. Bis dahin müssen neue Vorstandsmitglieder gefunden werden. Diesem neuen Vorstand jedoch wird kein ruhiger Start beschert sein – denn die Stelle des künstlerischen Leiters wurde bisher noch nicht ausgeschrieben. Und auch bei der Standortbestimmung scheint noch Diskussionsbedarf zu herrschen.

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