Nach Unterfeld-Schlappe: Baar präsentiert abgespecktes Projekt
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Das Baarer Unterfeld von der Nordzufahrt gesehen: links die Liegenschaft Stocker, einer der Grundeigentümer; rot die S-Bahn-Haltestelle Lindenpark; ganz rechts die Zuger Feldhof-Überbauung. (Bild: woz)

Gemeinde plant «Parkspur» und Quartierboulevard Nach Unterfeld-Schlappe: Baar präsentiert abgespecktes Projekt

5 min Lesezeit 21.08.2018, 18:09 Uhr

Noch immer steckt den Baarern und Zugern in den Knochen, dass das geplante Mega-Bauprojekt Unterfeld vom Volk abgelehnt wurde. Beide Gemeinden planen nun getrennt weiter. Baar hat bereits einen ersten Entwurf vorgelegt, der ganz wohnlich anmutet. 

Die Gemeinde Baar und die Stadt Zug gleisen die Bebauung des Areals Unterfeld bekanntlich separat neu auf. Die ursprüngliche gemeinsam geplante Überbauung war sehr umstritten gewesen: Rund 700 Wohnungen sowie viel Gewerberaum sollten auf einer der letzten grünen Wiesen zwischen Baar und Zug entstehen.

Das Baarer Stimmvolk lehnte aber das Bauprojekt mit riesigem zentralen Park inmitten einer ebenso riesigen Blockrandbebauung und teilweise 60 Meter hohen Hochhäusern im Februar 2017 an der Urne knapp ab (zentralplus berichtete).

«Wir sind noch immer überrascht von diesem Votum des Stimmvolks – sind aber nicht in Schockstarre verfallen.»

Andreas Hotz, Gemeindepräsident Baar

Die Gründe für das «Njet» der Baarer: zu hohe Verdichtung, zu gigantisch, zu viele befürchtete Verkehrsprobleme. Die Stimmbürger der Stadt Zug hatten den Bebauungsplan für das 56’000 Quadratmeter grosse Areal dagegen mit einem Mehr von 105 Stimmen knapp angenommen.

Bombastisch: So sah die ursprünglich geplante Überbauung Unterfeld (eingefärbte Fläche) aus. Das Projekt sollte Zug (vorne im Bild) und Baar (hinten) verbinden und einen neuen Stadtteil hervorbringen. Doch die Baarer Stimmbürger waren dagegen.

Bombastisch: So sah die ursprünglich geplante Überbauung Unterfeld (eingefärbte Fläche) aus. Das Projekt sollte Zug (vorne im Bild) und Baar (hinten) verbinden und einen neuen Stadtteil hervorbringen. Doch die Baarer Stimmbürger waren dagegen.

«Wir sind noch immer überrascht von diesem Votum des Stimmvolks – sind aber nicht in Schockstarre verfallen», sagte Baars Gemeindepräsident Andreas Hotz bei einer Medienkonferenz am Dienstag.

Künftig zwei Bebauungspläne

Um eine erneute Niederlage an der Urne mit der Neuauflage eines gemeinsamen Projekts zu verhindern, entschlossen sich die Gemeinde Baar und die Stadt Zug mehr oder weniger zähneknirschend, künftig getrennte Wege im Unterfeld zu gehen.

Will heissen: Es wird künftig zwei Bebauungspläne statt wie bisher nur einen geben, um das letzte grosse «Filetstück» zwischen Baar und Zug zu überbauen (zentralplus berichtete). 

Baar gab im Herbst 2017 schon den Startschuss zu einer Neuplanung. Ein Planungsteam von Städtebauern und Landschaftsarchitekten hat – begleitet von Fachexperten, Behördenvertretern und Grundeigentümern sowie einem «Reflexionsgremium» – innerhalb von sechs Monaten in vier Workshops ein neues städtebauliches Konzept für das Unterfeld Süd entwickelt. Dieses kann sich sehen lassen.

Konzept der «grünen Lunge» erhalten

Auf den ersten Blick wirkt die neue städtebauliche Konzeption der Baarer wie eine Miniaturversion des gemeinsamen, vom Stimmvolk abgelehnten Bebauungsplans. Denn die Idee einer «grünen Lunge» ist wieder aufgenommen worden. Und zwar soll eine «Parkspur», eine Art offener Park entlang der Gemeindegrenze im Süden des Areals, den Bezug zur Lorzenebene herstellen.

Entscheidend aber: Die ursprünglich riesige Blockrandbebauung, die viele Baarer und Zuger abgeschreckt hat, ist nun verschwunden. Lediglich eine kleinere Blockrandbebauung («Wohnhof») ist vorgesehen – mit viel Freiraum in Gestalt eines privaten Quartierhofs (siehe Grafik).

So sieht die neue städtebauliche Konzeption für das Baarer Unterfeld-Süd aus.

So sieht die neue städtebauliche Konzeption für das Baarer Unterfeld-Süd aus.

(Bild: zvg)

Die geplanten Hochhäuser weisen ähnliche Höhenlimite auf wie bisher – wobei allerdings nur ein einziges Hochhaus an der Stadtbahnhaltestelle 60 Meter hoch in den Himmel schiessen darf. Weitere einzelne Hochhäuser können als bauliche Akzente 40 bis 50 Meter hoch werden. Die restliche Bebauung soll nicht über 23,5 Meter hinauswachsen.

Die Wohnnutzung ist vor allem Richtung Norden sowie gegen die Bahn hin vorgesehen. Arbeit und Gewerbe werden vor allem entlang der Bahn und bei der Stadtbahnhaltestelle platziert.

Für urbanes Leben und weitere Freiräume sollen zudem ein Quartierplatz sowie ein Quartierboulevard sorgen. «Der Boulevard ist vor allem für Fussgänger und Langsamverkehr ausgelegt», so Michael Camenzind vom Planungsteam. Auch Busse könnten dort ohne Weiteres fahren. Tiefgaragen werden direkt ab der Stichstrasse im Norden erschlossen und haben zum Ziel, den Boulevard zu entlasten.

So sieht das städtebauliche Baarer Konzept für das Unterfeld-Süd im Modell aus. Unten die grüne «Parkspur» und der Quartierhof (orange). Anschliessend in der Mitte (ganz weiss) das bereits neu geplante Gewerbegebiet Unterfeld-Nord. Ganz oben (braun) das bestehende Gewerbegebiet Neuhof. 

So sieht das städtebauliche Baarer Konzept für das Unterfeld-Süd im Modell aus. Unten die grüne «Parkspur» und der Quartierhof (orange). Anschliessend in der Mitte (ganz weiss) das bereits neu geplante Gewerbegebiet Unterfeld-Nord. Ganz oben (braun) das bestehende Gewerbegebiet Neuhof. 

(Bild: zvg)

Der Boulevard stellt übrigens eine direkte Verbindung zum angrenzenden Gebiet Unterfeld-Nord her – das die Gemeinde Baar bereits für zusätzliche Gewerbeansiedlungen überplant hat. Das Gebiet wird als kantonales «Filetstück» einer künftigen Arbeitszone bezeichnet. Es soll stark verdichtet werden und es gibt dort maximal 500 neue Parkplätze (zentralplus berichtete).

«Bestvariante» als Grundlage für Quartiergestaltungsplan

«Die Bestvariante wird aufgrund der Rückmeldungen aus dem Fach- und Reflexionsgremium weiter vertieft und in den behördenverbindlichen Quartiergestaltungsplan überführt», erklärt Bauchef Paul Langenegger. Dabei werde die gemeindeübergreifende Koordination mit der Stadt Zug geregelt.

«Ziel ist es, der Bevölkerung bis Ende 2019 einen solchen Antrag zu unterbreiten.»

Paul Langenegger, Baarer Bauchef

Der Quartiergestaltungsplan soll noch in der heutigen Besetzung des Gemeinderates Ende 2018 zur öffentlichen Mitwirkung verabschiedet werden. Anschliessend sei vorgesehen, im Februar 2019 eine öffentliche Informationsveranstaltung durchzuführen.

«Ziel ist es, der Bevölkerung bis Ende 2019 einen solchen Antrag zu unterbreiten», verspricht der Baarer Bauchef. Die baufeldbezogene Detailplanung und eine etappenweise, arealbezogene Entwicklung erfolgen anschliessend durch die Grundeigentümer. Bis 2022 könnte das Unterfeld-Süd dann bebaut werden.

Diese Grundeigentümer auf Baarer Boden sind die Erbengemeinschaft Elisa Stocker, auf deren Liegenschaft momentan noch Gebäude stehen – sowie die Pensionskasse der Zuger Kantonalbank, Implenia und die SBB. Alle Eigentümer können je nach Nachfrage etappiert bauen.

«Baar spielt im Unterfeld jetzt die erste Geige.»

Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident

Und was macht Zug? Dort ist ja der Grundstückseigentümer die Korporation Zug. Diese will laut Korporationspräsident Urban Keiser erst mal eine Bachrenaturierung im Zuge der Bahngleiserweiterung vornehmen. «Dann sehen wir weiter.» Testplanungen für ein Bauprojekt auf dem zwei Hektar grossen Areal lägen schon in der Schublade.

«Baar spielt im Unterfeld jetzt die erste Geige», anerkennt Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller bei der Medienkonferenz. Die Stadt Zug werde aber dafür sorgen, dass von Zuger Seite her eine städtebaulich ähnlich harmonische Lösung an der Stadtgrenze gefunden werde.

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