Nach über 120 Jahren ist Schluss im Krienser Traditionslokal
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Geniessen den Ruhestand nach 40 Jahren sichtlich: Olga und Godi Gärtner, das Wirtepaar der «Hohle Gass» in Kriens, vor dem Eingang ins Lokal. (Bild: bic)

Restaurant «Zur hohle Gass» für immer geschlossen Nach über 120 Jahren ist Schluss im Krienser Traditionslokal

5 min Lesezeit 1 Kommentar 04.07.2018, 19:13 Uhr

«Weltberühmt» war es für seine «Poulet im Chörbli». Doch seit einigen Tagen ist das «Wirtshus zur hohle Gass» geschlossen. Das Wirtepaar Olga und Godi Gärtner, dem das Lokal gehört, geht nach 40 Jahren in Pension. Den Weiterbetrieb durch einen neuen Pächter sehen sie als nicht realistisch, obwohl die Krienser Dorfbeiz gut lief.

Die Gaststube ist verwaist, die Stühle stehen auf den Tischen. Seit zwei Tagen ist das Licht ausgeschaltet. So präsentiert sich das «Wirtshus zur hohle Gass» in Kriens an diesem Vormittag Anfang Juli. Zwischen dem ausgedienten Mobiliar stehen Olga und Godi Gärtner, das Wirtepaar des Gasthauses. Die beiden sind gerade daran, die Gaststube nach der «Ustrinkete» vom letzten Samstag aufzuräumen.

Sie wirken gelassen und sind gut gelaunt. «Wir haben unsere Beiz am 1. Juli für immer geschlossen», sagt Godi Gärtner aber doch etwas wehmütig. 40 Jahre lang hat das Paar das Lokal betrieben.

Bereits viele Beizen sind verschwunden

Es ist nicht die erste Traditionsbeiz im Krienser Stadtzentrum, in der die Kochmütze in den letzten Jahren an den Nagel gehängt wurde. So hat es vor vier Jahren bereits die «Krienserhalle» in der unmittelbaren Nachbarschaft erwischt. Weitere Restaurants wie das «Alpenrösli» beim Schappe Center kamen hinzu (zentralplus berichtete).

Die «Hohle Gasse» hingegen hat tapfer durchgehalten. Bis zur Pensionierung des Wirtepaars per Juli dieses Jahres. «Es geht eine Ära zu Ende», sagt Wirt Godi Gärtner. Seine Eltern hatten das Restaurant 1963 als Pächter übernommen. Der Sohn löste die Eltern 1978 als Wirt ab.

«Auch ich und meine Frau hatten das Lokal zuerst gepachtet. Da die Beiz in den 1980er-Jahren sehr gut lief, konnten wir 1990 die ganze Liegenschaft kaufen», erinnert sich Gärtner. Oberhalb der Gaststube gibt es sechs Wohnungen, die das Wirtepaar vermietete.

Über 120 Jahre alt

«Als wir das Haus gekauft haben, war es in einem schlechten Zustand. Deshalb mussten wir es umfassend renovieren.» Die Beiz sollte aber ihren ursprünglichen Charme behalten, weshalb ausser der Küche und den Toiletten hier nur wenig gemacht wurde, erklärt Godi Gärtner. 

Das Gebäude ist über 120 Jahre alt. Erbaut wurde es 1897 durch den Krienser Sektionschef Kaspar Muri, der darin eine Gaststube einrichtete, wie der Krienser Historiker Jürg Studer in seinem Buch über die Gastrogeschichte der Gemeinde schreibt. Weil der Luzerner Regierungsrat keine Betriebsbewilligung erteilte, wandte sich Muri an den Bundesrat, der im Sinne der Handels- und Gewerbefreiheit ein Machtwort zugunsten des Wirts sprach.

Das Lokal trug anschliessend während Jahrzehnten mit «Restaurant Muri» den Namen des Gründers. 1939 erfolgte der Namenswechsel zu «Hohle Gass». Im 20. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Pächterwechseln, ehe das Lokal von Godi Gärtners Eltern übernommen wurde.

Das Restaurant an der gleichnamigen Strasse am Rand des Krienser Stadtzentrums.

Das Restaurant an der gleichnamigen Strasse am Rand des Krienser Stadtzentrums.

(Bild: bic)

Die Zeit der Stammtische ist vorbei

Dass nun nach so langer Zeit Schluss ist, hat relativ simple Gründe, wie Godi Gärnter ausführt: «Die Gaststube ist schlicht zu klein, um einen modernen Gastrobetrieb wirtschaftlich über Wasser halten zu können.» Dafür bräuchte es laut Gärtner einen Saal mit rund 60 Plätzen. Das Säli fasst aber nur maximal 20 Personen. Im vorderen Bereich finden an den teilweise langen Tischen gut 50 Leute Platz.  

Gärtner schildert das Problem wie folgt: «Wir haben die ‹Hohle Gass› nie als eigentliches Speiserestaurant geführt. Unseren Umsatz machten wir hauptsächlich mit Getränken und kleineren, einfachen Menüs nach gutbürgerlicher, traditioneller Art. Eine typische Dorfbeiz halt.» Sterne oder Punkte waren nie sein Ding, sagt Godi Gärtner, der während der ganzen 40 Jahre selber in der Küche stand.

Dies habe deshalb funktioniert, da die jungen Leute abends noch oft in die Kneipe gingen, um sich bei einem Bier zu unterhalten. Diese Zeiten seien jedoch vorbei, bedauert Gärtner. Eine Spelunke in der herkömmlichen Art sei heute langfristig indes kaum mehr rentabel zu betreiben.

«Poulet im Chörbli» war «weltbekannt»

Ein Gastrobetrieb benötige heute eine relativ grosse Fläche, um genügend kleinere Tische zum Essen anbieten zu können. «Man kann nicht einfach fremde Leute an denselben Tisch setzen», erklärt Gärtner die Schwierigkeit.

«Das Menü, für das die Leute in erster Linie in die ‹Hohle Gass› kamen, waren unsere ‹Poulet im Chörbli›. Diese waren auf der ganzen Welt und sogar darüber hinaus bekannt», sagt Godi Gärtner lachend. Doch heute würden die Leute eher in ein Restaurant gehen, um gediegen zu essen. 

Das «Star-Menü» der «Hohle Gass» hat sogar ein eigenes Schild.

Das «Star-Menü» der «Hohle Gass» hat sogar ein eigenes Schild.

(Bild: bic)

Grosses Bedauern im Quartier

Das «Poulet im Chörbli» wird auch Daniel Imfeld vermissen. «Sie wurden vom einfachen Büezer bis zum Banker von allen sehr geschätzt.» Imfeld ist Präsident des Quartiervereins Spitzmatt, der sich bislang jeden Monat einmal zum Stamm in der «Hohle Gass» traf.

«Wir verlieren unser Stammlokal, unser Lokal für die Quartierfasnacht am rüüdigen Samstag und auch sonst ein gutes Restaurant in unserem Quartier», sagt er. Insbesondere die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft von Wirtepaar und Personal würden ihm in Erinnerung bleiben.

Er persönlich wünscht sich, dass es im Gebäude – oder zumindest in dessen naher Umgebung – dereinst wieder «eine zünftige Dorfbeiz» geben wird. Zum Glück habe man aber einen Ersatz für den Stamm gefunden. «Wir sind nun im Wirtshaus Wichlern, das ebenfalls im Quartier liegt und im August offiziell eröffnet wird», so Imfeld.

Wie es im altehrwürdigen Haus von Gärtners weitergeht, weiss momentan noch niemand. «Wir wollen jetzt erst mal ein bisschen unseren Ruhestand geniessen. Dann werden wir schauen, wie es weitergeht. Unsere Grosskinder freuen sich schon sehr darauf, dass ich als Grossmami jetzt mehr Zeit für sie habe», sagt Olga Gärtner mit strahlendem Gesicht. Mit ihnen werde sie diesen Sommer wohl viel Zeit in der Badi verbringen.

Eindrücke vom Innern des Lokals sehen Sie in der Bildergalerie:

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1 Kommentare
  1. walter ludin, 06.07.2018, 16:58 Uhr

    Sehr schade! Meine Freunde und ich werden die Güggeli vermissen. Wir wollten übrigens am nächsten Sonntag dazu in diese Beiz gehen.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.