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Nach Tempo 30 will die Stadt Zug nun Tempo 20
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In der Kirchenstrasse, neben der St.-Oswald-Kirche in Richtung Zytturm. (Bild: Raphael Good)

SVP-Politiker spricht von Schikane Nach Tempo 30 will die Stadt Zug nun Tempo 20

3 min Lesezeit 6 Kommentare 19.02.2019, 14:43 Uhr

Weil der Kanton Zug plant, den Verkehr rund um den Kolinplatz auf Tempo 30 zu verlangsamen, möchte nun der Stadtrat in den benachbarten Quartieren Tempo 20 einführen. Bürgerliche äussern sich bereits empört, Widerstand ist vorprogrammiert.

In der Stadt Zug soll der Verkehr weiter verlangsamt werden. Das ist grundsätzlich nicht Neues, denn im letzten Jahr gab die kantonale Baudirektion die Pläne für eine Tempo-30-Zone auf der Grabenstrasse und rund um den Kolinplatz bekannt (zentralplus berichtete).

Neu ist jedoch, dass es die Stadt nicht bei Tempo 30 belassen will. Der Stadtrat antwortet auf die kantonale Geschwindigkeitsbeschränkung mit noch mehr Tempolimitmassnahmen. Er plant im Gebiet oberhalb der Grabenstrasse eine Begegnungszone mit Tempo 20.

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Angst vor neuen Schleichwegen

Der Stadtrat Urs Raschle erklärt: «Die Begegnungszone hängt mit der vom Kanton geplanten Tempo-30-Zone auf der Graben- und Ägeristrasse sowie Neugasse zusammen.» Im Stadtrat hätte man sich Gedanken gemacht, wie die an die entsprechenden Kantonsstrassen angrenzenden Quartiere in Zukunft gestaltet werden sollen.

«Wir haben Angst, dass neue Schleichwege entstehen.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

«Wir haben Angst, dass durch die Tempo-30-Zone neue Schleichwege entstehen», sagt Raschle. Es handle sich folglich um eine flankierende Massnahme, wie der Stadtrat betont.

«Wir wollen Erfahrungen sammeln»

Seit kurzem liegen die Daten einer Machbarkeitsstudie zur Begegnungszone auf der St. Oswaldsgasse Kirchenstrasse, Dorfstrasse und Teilen der Bohlstrasse vor. Gestützt auf die Ergebnisse sehe der Stadtrat im Projekt eine Chance darin, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und die Attraktivität des Quartiers zu erhöhen, wie er in einem Bericht schreibt.

Die geplante Begegnungszone würde sich von der St. Oswaldsgasse über die Kirchen- und Dorfstrasse bis hin zur Bohlstrasse erstrecken.

Die geplante Begegnungszone würde sich von der St. Oswaldsgasse über die Kirchen- und Dorfstrasse bis hin zur Bohlstrasse erstrecken.

(Bild: Google Maps/zentralplus)

«Nun wollen wir schauen, wie sich die Begegnungszone auf den Verkehr auswirkt», meint Raschle, «deshalb beschränken wir uns auf ein kleines Gebiet.» Denn obwohl es an der Rigistrasse schon eine Begegnungszone gebe, fehle es der Stadt Zug noch an Erfahrungen mit derartigen Geschwindigkeitsbeschränkungen, sagt Raschle.

Projekt nähert sich der ersten Hürde

«Wir möchten auch beobachten, wie die Massnahme bei den Bürgern ankommt», erklärt der Stadtrat. «Ich persönlich glaube aber, dass die Akzeptanz relativ hoch sein wird, da die Zone klar abgegrenzt ist.»

Die Motionsbeantwortung (siehe Box) und damit auch die Begegnungszone wird Ende Februar an der Sitzung des Grossen Gemeiderats diskutiert. Dass das Vorhaben nicht nur Freunde findet und daran Kritik angebracht wird, dem ist sich Raschle bewusst.

Seit vier Jahren beschäftigt sich Stadtrat Urs Raschle schon mit dem nicht funktionierenden Tempo 30 im Loreto-Quartier. Nun wurde die Zone verkürzt.

Urs Raschle beschäftigt sich schon mehrere Jahre mit Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Stadt Zug.

(Bild: mam)

«Eine weitere Schikane»

Der Fraktionschef der SVP im Grossen Gemeiderat Gregor R. Bruhin ist mit dem Verhalten des Stadtrats unzufrieden: «Wir würden es begrüssen, wenn der bürgerliche Stadtrat in diesem Themen auch bürgerlich handeln würde.» Nachdem nun auch auf der Grabenstrasse generell Tempo 30 gelten soll, sei klar, dass es primär um «die Schikane von Autofahrern» gehe.

«Da jubeln die Linken und das Altstadt-Gewerbe geht weiter bachab.»

Gregor R. Bruhin, Fraktionschef der SVP im GGR

Die geplante Begegnungszone im Gebiet oberhalb der Grabenstrasse sei eine weitere völlig unnütze Regulierung. «Da jubeln die Linken und das Altstadt-Gewerbe geht weiter bachab», sagt Bruhin. «Dass jetzt der bürgerliche Stadtrat noch weiter gehen will und noch proaktiver Geschwindigkeitsbeschränkungen rund um die Grabenstrasse einführen will, ist ein Witz.»

Stein des Anstosses: Tempo-30-Zone bis an die Gubelstrasse?

In einem Vorstoss forderten 2015 zwei GLP-Politiker, dass der Stadtrat beim Kanton einen Versuch für eine Tempo-30-Zone auf der Achse Casino–Gubelstrasse beantragen soll. Im darauffolgenden Bericht der Stadtzuger Regierung vom vergangenen Januar zeigt sich der Stadtrat offen für weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Kantonsstrassen. «Ob jedoch Tempo 30 vom Casino über die Bahnhofsstrasse, am Metalli vorbei, bis zur Gubelstrasse Sinn macht, sieht der Stadtrat eher kritisch», erklärt Raschle. Deshalb würde dieser auch darauf verzichten, beim Kanton ein Gesuch für weitere Versuche mit Tempo 30 einzureichen.

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6 Kommentare
  1. Ruth Röllin, 27.02.2019, 16:56 Uhr

    @ R. Freiermuth
    ja klar, Tempomat einstellen ist eh klar aber…. mir ist bis jetzt kein Tempomat bekannt der bei Tempo 20 funktioniert. Abgesehen davon halte ich persönlich gar nichts davon dass Fussgänger überall Vortritt haben sollen, weil dann genau das passiert was wir heute täglich erleben – die laufen wie die Hühner auf die Strasse, Blick starr aufs Handy gerichtet und wundern sich dann wenn mal was passiert. Manchmal staune ich dass nicht mehr passiert. Bin wirklich sehr froh noch gelernt zu haben “Blick nach rechts, Blick nach links und dann Laufen”. Soll aber nicht heissen dass früher alles besser war aber wir täten gut daran nicht alles sinnvolle abzuschaffen was man früher gelernt hat.

  2. R. Freiermuth, 26.02.2019, 09:09 Uhr

    “Da jubeln die Linken und das Altstadt-Gewerbe geht weiter bachab ?”
    Ich wundere mich über solche populistischen Aussagen. Was das Tempo auf diesen Strassen mit dem Altstadt-Gewerbe und was eine Geschwindigkeitsbeschränkung mit bürgerlicher Politik zu tun haben soll, eröffnet sich mir nicht wirklich.
    Die betroffenen Strassen können schon heute, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen kaum schneller befahren werden als neu geplant. Wo Eingangstüren direkt auf die Strasse führen ist es wohl auch für einen bürgerlichen Politiker zumutbar, sein Tempo anzupassen.
    In Begegnungszonen geniessen Fussgängerinnen und Fussgänger Vortritt gegenüber dem Fahrverkehr. Das sind die Verkehrsteilnehmenden, welche die Schaufenster betrachten und gegebenenfalls ein Ladengeschäft aufsuchen. “Mit dem Auto ist es eher schwierig, ein Ladengeschäft aufzusuchen.”
    Und wer nachts mit hohem Tempo durch die Strassen der Altstadt brettert ist eher ein rücksichtsloser Rowdy, als ein bürgerlicher Politiker. Die Fahrrad-fahrenden werden in diesem Zusammenhang dann keinen Vortritt gegenüber den Fussgängern und Fussgängerinnen mehr geniessen. Das ist sicherlich zu begrüssen und wird die Altstadt zum flanieren und einkaufen aufwerten.
    PS: Ich politisiere auch bürgerlich. Tipp: ich habe einen Tempomaten, welcher auf 31 kmh eingestellt werden kann.

  3. Adrian Hürlimann, 26.02.2019, 09:06 Uhr

    Jetzt wissen wir’s also: bürgerliche Politik ist, wenn man den Langsamverkehr benachteiigt, Begegnungszonen verhindert und auch sonst alles tut, was der umweltunfreundlichen SVP nicht passt. Danke für die Beseitigung der letzten Zweifel, Gregor Brühin!

    1. R. Freiermuth, 26.02.2019, 09:13 Uhr

      Wie Sie richtig feststellen hat dies nichts mit bürgerlicher Politik zu tun. Da hat wohl jemand seinen Auftrag als Politiker etwas missverstanden. 😉

  4. M. Power, 20.02.2019, 09:54 Uhr

    Na toll, die Autofahrer werden weiter schikaniert.. 30, 20, 10 und dann dürfen wir die Autos schieben oder wie soll das weitergehen..?
    Eine absolute Frechheit, es ist schon schwierig genug die 30 Km/h einzuhalten. Man muss ständig auf das Tempo achten, bremsen oder im 2. Gang fahren damit man keine Busse riskiert z.B. im Gebiet Loreto.
    Und die E-Bikers fahren links und rechts an den Autos vorbei, tolle Sicherheit ist das.
    Aber das viele Geld kassiert man dann sehr gerne vom Autofahrer.

  5. Ruth Röllin, 20.02.2019, 08:55 Uhr

    Es ist nicht zu glauben was in den Köpfen der Zuger Regierung vorgeht. Je langsamer der Verkehr je länger bleiben die Autos in der Stadt was bedeutet dass mehr Abgase die Luft verschmutzen. Bald werden wohl die Autos komplett aus der Stadt verbannt – ach nein, geht gar nicht, der Hauptverkehr muss nach wie vor mitten durch all die Begegnungszonen die eigentlich gar niemand will denn, wer begegnet sich auf jeder Seitenstrasse der Stadt wenn es einen wunderschönen See gibt – niemand !