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Nach Spitzensportkarriere lässt er die Muskeln im Schulzimmer spielen
  • Gesellschaft
Christoph Mauch vor der Kantonsschule Beromünster. (Bild: pze )

Christoph Mauch hält nun Luzerner Schüler auf Trab Nach Spitzensportkarriere lässt er die Muskeln im Schulzimmer spielen

5 min Lesezeit 01.09.2018, 05:32 Uhr

Er hat gerade erst sein Diplom als Lehrer abholen dürfen, ist aber bereits 47 Jahre alt. Christoph Mauch war Profi-Triathlet und Sportartikelverkäufer – und jetzt Lehrer. Hat sich der Sportler an der Kanti Beromünster zur Ruhe gesetzt?

Die Schulferien sind vorbei, der Dreiklang der Schulglocke lädt wieder zum Unterricht. Wie jedes Jahr stehen neue, junge Lehrpersonen vor den Klassen. Am Freitag verteilte die Pädagogische Hochschule Luzern den neuen Luzerner Kantonsschullehrern ihr Diplom.

Einer davon sticht heraus: Christoph Mauch freut sich über seinen Abschluss als Mathematik-Lehrer – mit 47 Jahren. Der Name Mauch dürfte bei einigen Sportbegeisterten noch nachhallen. Denn der gebürtige Aarauer war über Jahre hinweg Spitzen-Triathlet. Doch das ist nicht der einzige Grund für sein spätes Einsteigen in den Lehrerberuf.

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Spitzensport und eigene Firma

Mauch studierte ab 1992 Mathematik an der Universität Zürich. Sechseinhalb Jahre habe er gebraucht, vor allem im Wintersemester studiert, um im Sommer Sport zu treiben. So kam er 1999 zu seinem Abschluss – damals war er schon mitten drin im Spitzensport.

Bis 2008 dauerte seine Karriere, «ungefähr», wie er sagt. Dann habe er, auch altersbedingt, angefangen mehr zu arbeiten, weniger zu trainieren und verlor in der Folge den Anschluss an die Weltspitze.

«Ich habe mich gewehrt, sofort nach dem Studium Lehrer zu werden.»

Christoph Mauch, Ex-Spitzensportler

Daneben baute sich Mauch ein zweites Standbein auf. Er gründete 1999 in Sempach eine Firma und verkaufte die Produkte eines Sportartikelherstellers. Zusammen mit der damaligen Partnerin zog er in den Kanton Luzern.

Das lief rund, bis es 2013 zur Meinungsverschiedenheit mit dem Zulieferer seines Geschäfts kam. Dieser wollte den Laden übernehmen, das kam für Mauch nicht in Frage. Also schaute er sich nach einer neuen Stelle um.

Von Wettkampf zu Wettkampf

Wer ein Abschluss im Fach Mathematik vorweisen kann, ist beliebt in der Privatwirtschaft. Wer gut mit Zahlen umgehen kann, ist gefragt – umso mehr mit 14 Jahren Berufserfahrung. Wieso hat sich Mauch also entschieden, ausgerechnet in den Lehrerberuf zu wechseln?

«Ich habe mich gewehrt, sofort nach dem Studium Lehrer zu werden», sagt Mauch mit einem Schmunzeln. Mauch lebte damals für den Sport, reiste auf der ganzen Welt den Triathlon-Wettkämpfen und Iron-Man-Rennen nach. Leidenschaftlich schwamm, radelte und lief er gegen die Konkurrenz.

Und das erfolgreich: 2001 gewann Mauch den Ironman auf Lanzarote, 2002 wurde er Vize-Europameister im Winter-Triathlon in Achensee. Das Heimspiel, dem Ironman Zürich, gewann er 2005. Ein Triumph für den damals 34-Jährigen.

Krise verzögert Diplom

Jetzt startet Mauch bereits in das fünfte Schuljahr als Lehrer an der Kantonsschule Beromünster. Bisher arbeitete er ohne Diplom. «Es war eine Bedingung bei der Anstellung, dass ich die Ausbildung an der PH nachhole», sagt Mauch.

Doch es würde nicht so recht zum 47-Jährigen passen, hätte er das Diplom ohne Umwege erworben. Kurz nach der Zusage in Beromünster erlitt der Schweizerische Triathlon-Verband eine kleinere Krise: Der damalige Sportdirektor legte kurzfristig das Amt nieder. «Man fragte mich an, diese Stelle zu besetzen. Doch das bedeutete, eine 50-Prozent-Stelle auszufüllen», erzählt Mauch.

Christoph Mauch als Spitzentriathlet.

Christoph Mauch als Spitzentriathlet.

(Bild: zvg)

Er griff zum Hörer und fragte beim Rektor in Beromünster nach, ob die PH warten könne. Der Chef gab grünes Licht. «So übernahm ich den Posten bei Swiss Triathlon bis nach den Olympischen Sommerspielen 2016 und startete danach meine Ausbildung», sagt Mauch.

Schlussendlich zog es ihn also doch in die Pädagogik, einfach via Umwege. Der Beruf ist ihm nicht fremd. «Mein Vater war Kantonsschullehrer, aber er unterrichtete Französisch und Italienisch. Meine Mutter war Primarlehrerin», erzählt er. Und der Beruf hat es ihm angetan: «Wenn die politischen Rahmenbedingungen in Luzern akzeptabel bleiben, würde ich gerne bis zur Pension in Beromünster arbeiten.» Inzwischen wohnt er auch im Dorf.

Stereotypes Lehrerbild passt nicht

Mauch verbrachte seine PH-Kurse mit rund 20 Jahre jüngeren Mitschülern. Er, direkt aus der Privatwirtschaft, traf auf Kommilitonen frisch ab der Universität. «Der Altersunterschied war nie ein Thema, wir begegneten uns auf Augenhöhe», sagt er.

«Auch ich habe meine autistischen Züge.»

Christoph Mauch, Mathematiker

Obwohl der 47-Jährige ein verhältnismässig alter «Jung-Lehrer» ist, möchte er seinen Unterricht modern gestalten. Er sagt: «Im Unterricht bei mir ist es kaum je still, die Schüler diskutieren miteinander und ich unterstütze das.» 

Das stereotype Bild des Mathematik-Lehrers mit Brille, der nur seinen Kopf anstrengt und mit Rechenschieber und Lineal die Klasse belehrt, passt nicht zu Mauch. Er bleibt Sportler. Deshalb bietet er freiwillig Schwimmlektionen an für die Schüler in Beromünster. Am Dienstag- und Donnerstagmittag können die Jugendlichen mit dem ehemaligen Spitzen-Triathlet ins Wasser steigen – im hauseigenen Hallenbad. «Ich gebe seit 1999 Schwimmkurse für Kinder, das habe ich hier beibehalten», erzählt Mauch.

Stärken finden ist wichtig

Mauch fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle. Dass der Lehrerberuf bei Mathematikern nicht so beliebt ist wie bei anderen Studiengängen wie Geschichte oder Sprachen, stimme. «Man muss gut mit Menschen können, sonst ist man am falschen Ort», sagt er. Wenn er das sagt, klingt er, als wäre er dort angekommen, wo er hingehört.

Die Arbeit mit Jugendlichen sei definitiv nicht für alle Mathematiker das Richtige. Oft seien sie den Zahlen näher als den Menschen. «Auch ich habe meine autistischen Züge», sagt er lachend. Doch die Arbeit mit den Schülern habe ihm neue, spannende Herausforderungen gezeigt. «Man arbeitet mit 20 verschiedenen Charakteren. Alle haben Stärken, man muss nur herausfinden, wo diese liegen.» 

Dies herauszufinden sei wichtiger, als das Talent für die Mathematik, sagt er. «Man muss die Schüler dort abholen, wo sie stehen. Das macht den Lehrerberuf spannend», sagt er.

Überbelastung – eine Gefahr?

Auch seine Erfahrungen als Sportler würden ihn heute noch begleiten, sagt Mauch. «Als Sportler gibt man sich mit 80 Prozent nicht zufrieden. Ich möchte immer das Maximum herausholen.» 

Vor Überbelastung, ein stets schwelendes Problem im Lehrerberuf, hat er keine Angst. «Wie im Sport braucht es einen guten Ausgleich zwischen Be- und Entlastung», sagt Mauch. So bleibt der Sport im Leben des Mathematiklehrers zentral: Früher sei Bewegung und Training die Belastung gewesen, heute dient es ihm als Ausgleich.

Dies sind die neuen Luzerner Kanti-Lehrer

Am 31. August erhielten folgende Studierende der Pädagogischen Hochschule Luzern das Diplom für die Sekundarstufe II:

Jan Bangerter, Pema Bannwart, Joel Bättig, Chantal Baumann, Mirjam Betschart, Yves Bossart, Corinne Breitschmied, Fabio Bristot, Kathrin Burkart, Justine Burkhalter, Claudia Capone, Valentina Clerici, David Duss, Fabian Florin, Alessandra Garzoni, Patricia Hongler, Melanie Bianca Huwiler, Benjamin Landolt, Michèle Luther, Mandy Malota, Daniel Mangold, Christoph Mauch, Stephanie Mayer, Sylvanie Mertenat Widmer, Silvia Niederberger, Daniel Sax, Elena Schnetzler, Daniel Sidler, Raphael Willi, Sabrina Windmüller

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