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Nach Pöbeleien in Freizeit: Luzerner Polizeikader bleibt im Dienst
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Die Polizei konnte den mutmasslichen Dieb dingfest machen. (Bild: les )

Fasnachts-Skandal um Luzerner Polizisten Nach Pöbeleien in Freizeit: Luzerner Polizeikader bleibt im Dienst

3 min Lesezeit 26.07.2017, 13:30 Uhr

Einmal mehr steht die Luzerner Polizei in einem schlechten Licht da. Der Kaderangestellte, der an der Fasnacht bei einer Festnahme als Privatperson beleidigte und handgreiflich wurde, kommt mit einem einfachen Verweis davon. Polizeichef Adi Achermann stuft den Fall als normale «personelle Frage» ein. Was genau geschah, bleibt jedoch noch immer unklar.

Es war am Fasnachtssamstag, den 25. Februar diesen Jahres: Mitarbeiter der Luzerner Polizei nahmen unter der Egg in Luzern zwei Männer wegen mutmasslichen Taschendiebstahls fest. Dabei mischte sich ein anderer Polizist ein, der in seiner Freizeit an der Fasnacht teilnahm. Er beschimpfte die verhafteten Männer aus Nordafrika und hat mutmasslich auch einen von ihnen tätlich angegangen.

«Unterschiedliche Wahrnehmungen»

Nach dem Vorfall reichte die Luzerner Polizei bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige ein. Diese untersuchte den strafrechtlichen Bereich des Vorfalles. Wie die Luzerner Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde das Strafverfahren eingestellt, da die beiden Festgenommenen keine Strafanträge stellten (zentralplus berichtete).

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Polizeikommandant Adi Achermann sagt: «Ob es zu einer Tätlichkeit kam, war umstritten und konnte nicht eindeutig eruiert werden.» Es habe unterschiedliche Wahrnehmungen gegeben. «Ich zweifle daran, dass es im Falle eines Strafantrags zu einer Veruteilung gekommen wäre», hält Achermann fest. Und er bestätigt auch erstmals, dass Alkohol im Spiel war: «Der Betroffene hatte wenig Alkohol getrunken – wie es an der Fasnacht vorkommen kann.»

Kündigung ist vom Tisch

Parallel zur Strafuntersuchung hat der Luzerner Polizeikommandant eine Administrativuntersuchung in Auftrag gegeben. Roberto Zalunardo aus Baar, heute Rechtsanwalt, früher unter anderem Polizeikommandant im Kanton Zug und geschasster Basler Polizeikommandant, wurde mit dieser vertraut. Er beurteilte die ehrverletzenden Äusserungen als «nicht gravierend». «Eine Tätlichkeit konnte nicht nachgewiesen werden», heisst es im Polizei-Communiqué. Trotzdem sei das fehlbare Verhalten schriftlich abgemahnt worden.

Gemäss Roberto Zalunardo gibt es im Kanton Luzern einen Leitfaden für Administrativuntersuchungen. «Ich habe nach diesem gehandelt und Empfehlungen an Adi Achermann abgegeben», sagt er. Die Einstufung der Schwere der Verfehlungen habe er ebenfalls auf Basis von diesem gefällt.

Adi Achermann sagt dazu: «Die Abmahnung ist ein deutlicher Wink – beim nächsten fehlbaren Verhalten muss der Betroffene mit gravierenden Konsequenzen rechnen.» Eine Versetzung oder gar eine Kündigung ist damit vom Tisch. Kommt der Betroffene damit nicht etwas gar glimpflich davon? «Nein, diese Abmahnung ist schon eine deutliche schriftlich festgehaltene Rüge», erklärt Achermann. Eine Kündigung sei ohne vorhergegangene Rüge übrigens personalrechtlich gar nicht möglich, erklärt er. 

Kritik an Untersuchung

Am untersuchenden Roberto Zalunardo hatte es Kritik gegeben. Dieser sei der «falsche Mann» sagte etwa Kantonsrat Hans Stutz (Grüne) gegenüber der «Luzerner Zeitung». Er erwecke den Anschein von «Polizeinähe», so der Vorwurf. Adi Achermann dazu: «Ich suchte jemanden, der sowohl mit der rechtlichen Situation wie auch dem Polizeialltag vertraut ist.» Zalunardo erfülle als ehemaliger Polizeichef und Rechtsanwalt diese Bedingungen.

Zalunardo nimmt zum Vorwurf der Polizeinähe keine Stellung. «Sowohl mein Profil wie meine berufliche Laufbahn sind auf meiner Homepage ersichtlich. Ich wurde für diesen Auftrag angefragt und habe ihn ausgeführt. Die Frage richtet sich also an den Auftraggeber», erklärt er.

Polizeichef Adi Achermann will nichts von einem Image-Problem wissen.

Polizeichef Adi Achermann will nichts von einem Image-Problem wissen.

(Bild: les)

Achermann: «Kein Image-Problem»

Der Mitarbeiter der Luzerner Polizei habe eingestanden, mit seinem Verhalten dem Image der Polizei geschadet zu haben. Er habe sich bei den Betroffenen und bei der Luzerner Polizei entschuldigt. Trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Nicht zum ersten Mal gerät die Luzerner Polizei in ein zwiespältiges Licht. 2013 etwa gab es einen Skandal um einen Prügel-Polizisten, welcher schliesslich mit dem Rauswurf des damaligen Polizeichefs Beat Hensler endete. Und erst kürzlich standen Polizeikommandant Adi Achermann und Kripo-Chef Daniel Bussmann aufgrund des «Fall Malters» wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Von diesem Vorwurf wurden die beiden jedoch erstinstanzlich freigesprochen (zentralplus berichtete).

Adi Achermann will jedoch nichts von einem Image-Problem wissen. «Auch die Luzerner Polizei hat Angestellte, mit denen es personelle Fragen zu klären gibt», sagt er. Mögliches Fehlverhalten würde einfach sofort an die Presse gelangen und entsprechend breit thematisiert. Das sei auch kein Problem und gehöre dazu, so Achermann. «Man darf jedoch nicht überdramatisieren. Im vorliegenden Fall hat sich jemand nicht korrekt verhalten, es gab eine Untersuchung und nun Konsequenzen.» Man könne daraus nicht auf allgemeine Probleme in der Luzerner Polizei schliessen.