Nach nur zwei Jahren: Beim Himmelrich sterben schon Bäume
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Trauriger Anblick. Nach nur zwei Jahren scheint es mit diesem Baum vor dem Himmelrich schon vorbei zu sein. (Bild: bic)

Baumart in Luzern bislang einmalig Nach nur zwei Jahren: Beim Himmelrich sterben schon Bäume

4 min Lesezeit 29.07.2021, 05:00 Uhr

Nach nur zwei Jahren sind einige der neuen Bäume an der Luzerner Bundesstrasse in einem erbärmlichen Zustand. Woran das liegt, kann momentan aber noch niemand sagen. Bei der Stadt erhofft man sich trotzdem einiges von der entsprechenden Baumart.

Fast täglich stauen sich auf der Bundesstrasse, einer der wichtigsten Einfallsachsen in die Innenstadt nach Feierabend die Autos. Dank der neuen Himmelrich-Siedlung der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABL) mit ihren Parterre-Nutzungen wurde die Einfallsstrasse aber immerhin etwas aufgewertet. Dazu gehören auch rund ein halbes Dutzend Bäume vor der Fassade.

Doch wer dort momentan vorbeigeht, dem bietet sich ein teils tristes Bild. Zwei der Bäume scheinen schon nach zwei Jahren ihr Lebensende erreicht zu haben. Als ob es Herbst wäre, hängen die braunen Blätter nach unten – sofern die Äste überhaupt noch Laub tragen. Bei einem Exemplar ist mittlerweile die Krone kahl. Es fragt sich also, warum die Gewächse nach so kurzer Zeit schon in einem derart schlechten Zustand sind, auch wenn die Mehrheit der Bäume noch mehr oder weniger gesund aussieht.

ABL bisher für Pflege zuständig

Eine klare Antwort kann man bei der ABL auf Anfrage noch nicht geben. Die Genossenschaft ist seit dem Bezug des Himmelrich vor zwei Jahren für die Pflege der Bäume zuständig und musste sie auf Anordnung der Stadt pflanzen. «Die ABL hat einen Unterhaltsvertrag mit einem Gartenbauunternehmen. Dieser dauert zwei Jahre, danach übernimmt die Stadt Luzern», schreibt folglich die Kommunikationsverantwortliche Kim Schelbert.

«In Zusammenarbeit mit dem beauftragten Gartenbauunternehmen wurde vereinbart, abzuwarten und nach der Sommerpause zu entscheiden, wie weiterzufahren ist», so Schelbert weiter. Die Bäume würden derzeit beobachtet. Eine genaue Analyse, warum sich die Bäume nicht wohlfühlen, stehe aber noch aus.

Wie es weitergeht, entscheidet sich also nach den Sommerferien. «Sollten die Bäume tot sein und ersetzt werden müssen, ist der Zeithorizont auch davon abhängig, ob die Baumsorte an Lager verfügbar ist», schickt Schelbert voraus. Man werde aber auf jeden Fall wieder die gleiche Baumart setzen. Denn die Sorte sei von der Stadtgärtnerei vorgeschrieben und werde gemäss dieser Vorgabe gepflanzt. Der Ersatz der betroffenen Exemplare fällt laut Schelbert unter die Garantie. Für die ABL ist dies insofern erfreulich, da das Pflanzen eines neuen Baumes in der Innenstadt schnell einmal ein paar tausend Franken kosten kann, wie ein Blick ins Internet zeigt.

Dieses Exemplar sieht nicht mehr wirklich lebendig aus. (Bild: bic)

Baumart wird derzeit breit getestet

Stellt sich also die Frage, ob die von der Stadt vorgeschriebenen Bäume für diesen Standort überhaupt geeignet sind. Bei den Bäumen entlang der Bundesstrasse handelt es sich laut Fritz Bächle von der Stadtgärtnerei um die Art Quercus frainette, im Volksmund besser bekannt als ungarische Eiche. Diese sei relativ resistent gebenüber Trockenheit.

«Die Krone wird im Gegensatz zu anderen Eichen nicht so breit. Darum ist die Baumart auch Gegenstand des deutschen Projekts Stadtgrün 21, bei welchem mögliche zukunftsfähige Stadtbäume untersucht werden», sagt Bächle. Erste Erkenntnisse würden zeigen, dass die Art für Innenstädte tatsächlich geeignet ist. «In Luzern wird sie in Zukunft trotzdem nicht die einzige sein, die eingesetzt wird. Wir wollen eine vielfältige Auswahl an Bäumen haben.»

Fritz Bächle ist Baumsachverständiger der Stadtgärtnerei. (Bild: bic)

Auf Stadtgebiet sei die ungarische Eiche ausser an der Bundesstrasse bisher nirgends gepflanzt worden. Allgemein gibt es mit den städtischen Bäumen laut Bächle keine grösseren Probleme. Dass jedoch drei Exemplare beim Himmelrich abzusterben drohen, könne mit klimatischen Bedingungen zu tun haben. «Das passiert meistens, wenn die Witterungsbedingungen für Jungbäume zu heftig sind. Zum Beispiel, wenn zu grosse Trockenheit herrscht. Ein Grund kann auch sein, dass der Boden zu stark verdichtet ist», so Bächle. «Der Boden an der Bundesstrasse sollte aber grundsätzlich gut sein. Es könnte schlicht am Pflanzmaterial liegen.»

Auf Nachfrage hält Bächle fest, dass man in der Stadt Luzern nicht um «bessere Standortbedingungen herumkommen wird». Denn gute Standorte seien für sämtliche Bäume wichtig. Dazu gehörten genug Platz sowohl gegen oben als auch gegen unten und ein Boden, der durchwurzelt werden kann und nicht verdichtet wird. Dies geschehe zum Beispiel auch durch übermässiges Begehen.

Laut Bächle ist es ausserdem wichtig, dass die Bäume genug Wasser haben und dass negative Einwirkungen wie Leitungsbauten möglichst vermieden werden. Auch, wenn Leitungen nach einigen Jahren wieder saniert werden müssten. «Nur damit erreicht man, dass Bäume ein hohes Alter erreichen. Mit einer angepassten Wahl der Baumart kann man sicherlich gewissen Faktoren begegnen, aber eben nicht alles erreichen», so Bächle.

Bei diesem Exemplar ist die Baumkrone nicht mehr in gutem Zustand. (Bild: bic)

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