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Nach Mobbingvorwurf: Auf BDP-Präsident folgt eine Jungfreisinnige
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Das «Zurich Pride Festival» findet jährlich statt und setzt sich dafür ein, dass LGBTI-Themen auch über die Kantonsgrenzen diskutiert werden. (Bild: Zurich Pride Festival)

Luzerner besetzen Politressort des Pride Festivals Nach Mobbingvorwurf: Auf BDP-Präsident folgt eine Jungfreisinnige

5 min Lesezeit 06.04.2018, 07:38 Uhr

Nur gerade vier Monate lang war Denis Kläfiger im Vorstand des Zurich Pride Festivals. Im Januar wurde der Luzerner BDP-Präsident mit viel Nebengeräuschen abgesetzt. Nun steht seine Nachfolgerin in den Startlöchern. Wieder ist es eine Luzernerin.

Rückblick, Oktober 2017: Denis Kläfiger wird an der GV des Zurich Pride Festivals zum neuen Polit-Ressortleiter gewählt. Der Präsident der BDP Luzern möchte zu einer lauten und beachteten Stimme der LGBTI-Community werden.

Aber das Abenteuer «Zurich Pride Festival» ist für Kläfiger früher zu Ende, als ihm lieb ist. Via ausserordentliche Generalversammlung wird er von den Mitgliedern im Januar 2018 abgewählt. Fragt man die beiden Seiten, könnten die Motive für die «Amtsenthebung» nicht unterschiedlicher sein.

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Auf der einen Seite steht der Vorstand des Festivals. Dieser begründet den Entscheid damit, dass Kläfiger eine «andere Auffassung zur Teamarbeit, Entscheidungsfindung und Beschlussverfassung im Vorstand» hatte, was am Ende eine weitere Zusammenarbeit verunmöglichte. Kläfiger hingegen berichtete in einem früheren Interview mit einem Schwulenmagazin davon, dass bereits sein Vorgänger und zwei weitere Vorstandsmitglieder mit Intrigen, Grabenkämpfen und Interessenkonflikten innerhalb des Vorstandes zu kämpfen hatten.

Aber damit nicht genug: Kläfiger setzte noch einen obendrauf und konfrontierte den Vorstand mit dem Vorwurf, ihn gemobbt zu haben. Der Vorstand dementiert dies vehement. Es war bekanntlich der eine Vorwurf zu viel, der dazu führte, den eingeschlagenen Weg mit Kläfiger nicht fortzusetzen. Also musste eine andere Lösung her.

Morand übernimmt von Kläfiger

Kurz nach Denis Kläfigers Abwahl übernimmt Anne-Sophie Morand im Januar 2018 dessen Aufgaben ad interim. Morand ist Präsidentin der Jungfreisinnigen Kriens und Mitglied der FDP. Im Herbst 2018 wird sie an der GV offiziell zur Wahl als neue Polit-Ressortleiterin vorschlagen.

«Die Eheöffnung ist in der ganzen Schweiz und nicht nur in Luzern ein Thema.»

Anne-Sophie Morand, designierte Polit-Ressortleiterin des Zurich Pride Festivals

Während sich Anne-Sophie Morand also in Zürich für LGBTI-Themen einsetzt, drängt sich die Frage auf: Müssen sich Luzerner in Zürich engagieren, um bei diesem Thema etwas zu erreichen? Morand negiert: Ob sie sich nun in Zürich oder Luzern einsetze, spiele keine Rolle. «Die Eheöffnung ist in der ganzen Schweiz und nicht nur in Luzern ein Thema und wird auch über die Stadtgrenzen hinaus gehört. Aber natürlich erhoffe ich mir, dass ich mit meiner Tätigkeit im Pride-Vorstand dazu beitragen kann, in der ganzen Schweiz die längst überfällige rechtliche Gleichstellung zu erwirken.»

Denis Kläfiger (r.) mit «Mister Gay World» am Pride Festival, das letztes Jahr in Bern stattfand.

Denis Kläfiger (r.) mit «Mister Gay World» am Pride Festival, das letztes Jahr in Bern stattfand.

(Bild: Instagram klaefiger_denis/)

Dennoch ist und bleibt Zürich ein besseres Pflaster für LGBTI-Themen. «Ein vergleichbares Festival gibt es in der Schweiz nicht. Zürich hat nicht nur die grösste Partyszene, sondern zeigt sich generell weltoffener als Luzern», sagt Kläfiger. Zürich hat ausserdem eine lesbische Stadträtin. Corinne Mauch ist entsprechend nicht nur politisch wichtig für die liberale Stadt, sondern auch ein politisches Aushängeschild für LGBTI-Themen. Kläfiger: «Ein solches Aushängeschild wie Mauch gibt es in Luzern bisher nicht.» Kläfiger sieht deshalb viel Arbeit auf Morand zukommen.

Das Zurich Pride Festival

Das Zurich Pride Festival, bis 2009 CSD Zürich, ist ein jährlich stattfindendes Festival in Zürich mit einem mehrtägigen Rahmenprogramm mit Fachtagungen, kulturellen Anlässen, Open-Air-Konzerten und einer Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Menschen mit Transidentität. Es gilt als einer der grössten LGBTI-Events in der Schweiz.

Dieses Jahr steht das Zurich Pride Festival unter dem Motto «Same Love – Same Rights, Zivil-Ehe für alle» und findet vom 8. bis 16. Juni 2018 statt. Höhepunkt ist am Samstagnachmittag der Demonstrationsumzug durch die Stadt Zürich.

Kläfiger: «Morand muss politisch passende Exponenten finden»

Damit spricht Kläfiger einen wichtigsten Anforderungspunkt für die zukünftige Arbeit von Morand an, die letztlich zu Misstönen zwischen ihm und dem Vorstand führte: «Das Verhältnis zwischen Party und Politik muss im Gleichgewicht sein.» Das war nach Kläfiger bei seiner Tätigkeit als Polit-Ressortleiter nicht immer der Fall. Kläfiger: «Das Festival würde dadurch seine Legitimation verlieren. Morand muss politisch passende Exponenten finden, die sich für die LGBT-Themen einsetzen und andere Projekte ablehnen, die die Pride lediglich als Showbühne nutzen, um ihren eigenen (politischen) Bekanntheitsgrad zu stärken.»

Dieses politische Engagement ist ein Sprungbrett für die politische Profilierung, welche auch der ehemalige und die neue Polit-Ressortleiterin für sich zu nutzen wissen.

Einen wichtigen Beitrag, damit das Gleichgewicht zwischen Party und Politik stimmt, leistet der Wahlspruch. Dieses Jahr steht er unter dem Motto «Same Love – Same Rights, Zivil-Ehe für alle». 2019 wird entscheidend, da dann das Schweizer Parlament über die Eheöffnung für Schwule und Lesben debattiert.

Anne-Sophie Morand wird das neue Gesicht des Polit-Ressorts des Zurich Pride Festival.

Anne-Sophie Morand wird das neue Gesicht des Polit-Ressorts des Zurich Pride Festivals.

Initiantin des Vorstosses war 2013 die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy, die die «Ehe für alle» gefordert hatte. Bei der Ideenwahl der Zurich Pride 2018 hatte auch Kläfiger mitzureden. Morands Aufgabe wird es nun sein, ein politisch passendes Motto für die nächste Pride 2019 zu finden.

Luzerner sollen für LGBTI-Community gewonnen werden

«Luzern ist nicht zu klein für LGBTI-Themen. Im Gegenteil», sagt Morand. Die politischen Mehrheiten sind günstig, um die Bevölkerung noch stärker für die LGBTI-Themen zu sensibilisieren. Dafür geht Morand auch das Risiko ein, aus gesellschaftspolitischer Sicht konservativ eingestellte Wähler aus den eigenen Reihen zu verlieren. «Mein Ziel ist es, auch in Bundesbern eine klare politische Botschaft in Sachen Gleichberechtigung zu platzieren.»

«Die Bevölkerung ist bezüglich LGBTI-Themen zu wenig informiert.»

Anne-Sophie Morand, designierte Polit-Ressortleiterin des Zurich Pride Festivals

Wer in Luzerner Geschichtsbüchern blättert, stösst auf eine interessante Gegebenheit: Im Jahr 2005 fand eine nationale Pride in Luzern statt ­– die vielen auch ausserhalb der Szene als grossartiges Volksfest in Erinnerung blieb. Mindestens 10’000 Menschen hatten damals an der Pride teilgenommen. Das anschliessende Strassenfest besuchten sogar rund 20’000 Menschen. Vor allem die junge Generation sei aufgeschlossen, sagt Morand.

Mit der Milchbar, den Treffs im Neubad, dem Kulturverein Queer Office oder dem jährlich stattfindenden Filmfestival Pink Panorama gebe es in Luzern heute zwar mehr Angebote als früher (zentralplus berichtete). Morand sieht das Problem deshalb weniger in der Anzahl Angebote, der Grösse der Stadt oder der Bevölkerungsanzahl. «Die Bevölkerung ist bezüglich LGBTI-Themen zu wenig informiert und dadurch werden die Anliegen der Community zu wenig ernst genommen.»

Einen Lichtblick sieht Morand allerdings darin, dass der «Kanton Luzern das Thema Unisex-Toiletten im Restaurant Anker im Parlament angerissen hat» (zentralplus berichtete). Die Debatte hat schliesslich auf kantonaler Ebene dazu geführt, dass der zuständige Luzerner Regierungsrat Paul Winiker die Toiletten erlauben will. Später wurde die Diskussion auch auf nationaler Ebene durch den Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali im Parlament eingebracht.

Letztes Jahr präsentierte sich das Zurich Pride Festival unter dem Motto «No fear to be you»:

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