Nach Hochwasser in Luzern: Keiner will die 9000 Sandsäcke
  • Regionales Leben
Die Sandsäcke stammen aus dem Kieswerk Sand + Kies AG Luzern in Horw. (Bild: zvg)

«Da drin beginnt’s zu leben» Nach Hochwasser in Luzern: Keiner will die 9000 Sandsäcke

4 min Lesezeit 5 Kommentare 20.07.2021, 15:50 Uhr

Nicht nur die orangen Schläuche haben das Wasser am See- und Reussufer gestoppt. Auch Tonnen von Sandsäcken, die aufwändig gefüllt werden mussten – und deren Tage bald gezählt sind. Denn niemand will sie und keiner weiss so genau, wohin damit.

Sie sind das Symbol des Widerstands: Tausende Sandsäcke haben die vergangenen Tage Hauseingänge und Uferzonen vor Schlimmerem bewahrt. Zwar sehen die gefüllten Säcke neben den knallorangen Beaver-Schläuchen, die zum regelrechten Kult wurden (zentralplus berichtete), etwas blass aus. Doch gerade für Laden- oder Hausbesitzer waren sie die Rettung in der Not.

Nach und nach werden sie nun weggetragen, die Stadt baut einen Grossteil der Schutzmassnahmen ab. Die Beaver-Schläuche sind wiederverwendbar, die Sandsäcke aber nur bedingt. Wohin also mit dem ganzen Sand?

9000 Sandsäcke im Dienste des Bevölkerungsschutzes

Herrin der Sandsäcke ist die Zivilschutzorganisation ZSO Pilatus. Diese hat vergangene Woche im Schichtenbetrieb auf die Schnelle 6000 Sandsäcke gefüllt, sagt Kommandant Marco Pieren. Geliefert wurden die Sandsäcke an die Feuerwehren in Horw und Luzern, den öffentlichen Bereich und Private, die Sandsäcke angefordert hatten.

Rund 200 Bestellungen waren eingegangen. Und diese hatten es in sich. Zu Beginn wurden 20 bis 25 Kilo Sand in die Säcke gefüllt, mit zunehmender Hochwassergefahr wurden bis zu 35 Kilo draus.

Hinzu kommt ein Lager, auf das die Stadtluzerner Feuerwehr zurückgreifen kann, wie die Stadt Luzern auf Anfrage von zentralplus erklärt. 3000 Sandsäcke werden jeweils gebunkert. Alle von ihnen kamen zum Einsatz, sie wurden entlang des Reussufers verbaut. Und bleiben aufgrund der nächsten erwarteten Gewitter am Wochenende vorläufig noch dort (zentralplus berichtete).

Macht also bis zu 9000 Sandsäcke, die in den nächsten Tagen verstaut oder entsorgt werden.

Nur Trockenes ist Wahres?

Was mit den Sandsäcken passiert, liegt in den Händen der Besitzer: «Privatpersonen, die damit zum Beispiel ihr Haus am Reussufer schützen wollten, können diese sonnengeschützt und trocken lagern», so Pieren. «Das wäre sogar das Beste, um auf ein nächstes Hochwasser vorbereitet zu sein!» Ansonsten müssen die Sandsäcke fachgerecht auf dem Ökihof entsorgt werden – durch die Besitzerin oder die Feuerwehr selbst, betont der Kommandant.

«Sind sie nass wegen dem Wasser aus der Reuss oder aus den Abwasserleitungen, dann beginnt das da drinnen zu leben. Die muss man entsorgen.» Pieren geht davon aus, dass dies bei den meisten Säcken zutrifft. Auch wenn er hofft, dass nicht alle Sandsäcke mit dem Hochwasser in Berührung kamen.

Das heisst: Bis zu 9000 Sandsäcke werden in absehbarer Zeit auf die Ökihöfe rund um Luzern gekarrt. Nur wissen diese nichts davon.

Tausende Sandsäcke wurden diese Tage durch Luzern transportiert.

Der für die Ökihöfe zuständige Gemeindeverband Recycling Entsorgung Abwasser Luzern (Real) zeigt sich auf Anfrage von zentralplus sichtlich irritiert. Geschäftsführer Martin Zumstein: «Sand ist ein rares Gut, diesen sollte man wiederverwenden.» Und hält sogleich Rücksprache mit den Zivilschützern.

Danach präzisiert Zumstein: «Erste Priorität hat die Aufbewahrung der Sandsäcke für die nächsten Ereignisse.» Können kleinere Mengen nicht mehr gelagert werden, können Privatpersonen diese zum Beispiel in den eigenen Sandkasten oder Garten kippen. «Grössere Mengen werden im besten Fall an eine Baufirma weitergereicht», hofft Zumstein. «Als letzte Möglichkeit können die Sandsäcke auf unsere Ökihöfe gebracht werden, dann werden sie aber nach Gewicht abgerechnet. Das kostet pro Sack schnell bis zu zehn Franken.»

Nun will Real zunächst abwarten, wie viele Sandsäcke tatsächlich auf den Entsorgungsstellen landen. «Dann entscheiden wir, wie wir den Sand wieder in den Stoffkreislauf bringen.» Die Ökihöfe wurden nun aufgrund der zentralplus-Recherche darüber informiert, die Sandsäcke vorerst anzunehmen.

Angesichts der für nächstes Wochenende angekündigten Gewitter lohnt es sich so oder so, den Sand bis auf Weiteres an Ort und Stelle zu lassen.

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5 Kommentare
  1. Meier, 21.07.2021, 19:34 Uhr

    Behaltet sie ihr braucht sie am Wochenende wieder.

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  2. Paul, 21.07.2021, 12:51 Uhr

    Schötti aufschütten! Inseliparkplatz zusanden!!!

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  3. Pfenniger Roland, 20.07.2021, 21:55 Uhr

    Hallo, warum werden die Sandsäcke nicht bei der Ufschötti am Strand ausgeleert. Da wurde viel Sand weggespühlt und dieser könnte so ersetzt werden. Würmli hat es da heute auch schon auf der Ufschötti.

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  4. Hegard, 20.07.2021, 16:14 Uhr

    Luzern würde besser mehr Waever Säcke kaufen die wieder verwendet und wenig Platz zum Lagern brauchen. Zudem einfacheres handling und Aufwand und erst noch schneller. Dem Sand muss man auch nicht nachspringen und entsorgen, denn Wasser hat’s in diesem Moment genug. Man kann ja jene Längen kaufen.
    Auch für die Hausbesitzer oder Geschäfte. Eine gute Erfindung.

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    1. mvonrotz, 21.07.2021, 09:02 Uhr

      Ein wenig wirr ihr Text – es sind nicht Weaver Säcke sondern Beaver Schläuche welche mit Wasser gefüllt werden. Und die sind leider für gewisse Orte zu gross und sperrig um verwendet zu werden. In engeren Hauseingängen und Gassen funktioniert das nicht.

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