Nach Entlassungen bei Tavolago: Unsicherheit bei den Springern
  • Regionales Leben
  • Wirtschaft
Auch beim von der Tavolago organisierten Lozärner Oktoberfest kommen Springer zum Einsatz. Es findet dieses Jahr nicht statt. (Bild: Lozärner Oktoberfest)

Gibt es einen Anspruch auf Taggelder? Nach Entlassungen bei Tavolago: Unsicherheit bei den Springern

2 min Lesezeit 1 Kommentar 11.09.2020, 20:15 Uhr

Rund zwei Dutzend Mitarbeitende von Tavolago, dem Gastrounternehmen der Schifffahrtsgesellschaft, wurden entlassen. Nicht betroffen sind zahlreiche Mitarbeitende auf Abruf – die jetzt aber keine Aufträge mehr erhalten.

Neben den ausgesprochenen Kündigungen sind Mitarbeitende der Tavolago ohne garantiertes Pensum – also Stundenlöhner auf Abruf – informiert worden, dass sie wohl bis in den Sommer 2021 hinein mehrheitlich nicht zu Arbeitseinsätzen bei Tavolago aufgeboten werden (zentralplus berichtete).

Diese Massnahme betrifft mehrere Dutzend Personen, die bei der Tavolago ein Arbeitsverhältnis haben, sagt Geschäftsführer Fredy Wagner auf Anfrage. Es handle sich um Personen, die oftmals nur saisonal oder an vereinzelten Grossanlässen im Einsatz stehen.

Die Tavolago hat in einem internen Mail angekündigt, dass sie niemandem Steine in den Weg legt, der von sich aus gehen möchte. Auf Wunsch könnten Mitarbeitende das Unternehmen «ohne Einhaltung der Kündigungsfrist» verlassen.

Für die Tavolago vorteilhaft …

Bei diesen Personen herrscht nun grosse Unsicherheit. Besonders, was die arbeitsrechtliche Situation betrifft. Denn: Wer Arbeitslosengeld beantragen will, der muss zuerst kündigen. Doch: Wer sich selbstverschuldet in Arbeitslosigkeit begibt, hat in der Regel keinen Anspruch auf Taggelder, oder erst nach Ablauf einer Frist. Einfacher ist es, wenn das Arbeitsverhältnis seitens des Arbeitgebers aufgelöst wird.

Hat sich Tavolago um die Kündigungen gedrückt, da ja de facto keine Arbeit mehr da ist? Auf Nachfrage bei der Gewerkschaft Unia schickt Giuseppe Reo voraus, dass Arbeitsverträge, bei denen kein fixes Pensum festgehalten wird, selten vorteilhaft für den Arbeitnehmer sind, weil sie ihm keine Arbeit garantieren. «Aus Sicht der Tavolago ist es erklärbar, dass sie die Vertrage aufrechterhält», sagt Reo. So könne sie Personal wieder aufbieten, sobald wieder Arbeit da ist und müsse keine neuen Mitarbeiter suchen so der Gewerkschaftsvertreter.

…nicht aber für die Arbeitnehmer

Reo vermutet aber einen weiteren Grund: Nämlich, dass die Tavolago auch deshalb auf weitere Kündigungen verzichtet hat, um nicht unter das Massenentlassungsgesetz zu fallen. Dieses würde einen Sozialplan erfordern.

Mit ihrem Vorgehen, die Verträge aufrechtzuerhalten, tue die Tavolago in diesem Fall den betroffenen Arbeitnehmer keinen Gefallen: «Für die Springer wäre es wohl besser, wenn ihnen gekündigt würde, damit sie Taggelder erhalten.»

Wenn jemand von sich aus kündige, so Reo, würden in der Regel die Einkünfte der letzten zwölf Monate angeschaut, um die Entschädigung festzulegen. «Wer aber unregelmässig gearbeitet hat und nur wenige Aufträge erhielt, der droht zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Im schlimmsten Fall bekommt er gar nichts.»

Reos Empfehlung mag in diesem Fall salopp wirken, ist aber ehrlich gemeint: «Man sollte sich genau anschauen, welche Arbeitsverträge man unterschreibt.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Betti, 11.09.2020, 23:22 Uhr

    Ich weiss dass davon nicht nur Personal betroffen ist, welches nur saisonal oder nur an einzelnen Grossanlässen eingesetzt wurde. Es betrifft viele langjährige Mitarbeiter die aus persönlichen oder familiären Gründen kein Vollzeitpensum leisten können. Teilzeitverträge wurden auch nach vielen Jahren Betriebszugehörigkeit keine genehmigt. Es wäre nur fair gewesen den Aushilfen auch zu kündigen, aber da sieht man die fehlende Loyalität den Mitarbeitern gegenüber.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.