Nach der Coronakrise: Ferien am Vierwaldstättersee statt am Mittelmeer
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Die Schweizer machen vermehrt Ferien in der Region (Bild: Tobias Lackner)

Luzerner Studie über das neue Reiseverhalten Nach der Coronakrise: Ferien am Vierwaldstättersee statt am Mittelmeer

3 min Lesezeit 2 Kommentare 20.04.2020, 11:04 Uhr

Knapp drei Viertel aller Schweizer hat laut einer Umfrage in diesem Jahr eine Reise geplant. Jeder dritte Schweizer hat wegen der Coronakrise aber seine Pläne geändert. Die ersten Bahnbetreiber reagieren bereits.

Wenn die Bergbahnen im Sommer wieder fahren dürfen oder die Reise nach Italien oder Spanien wieder erlaubt ist, so machen 38 Prozent der Befragten Ferien wie geplant. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für Kommunikation und Marketing (IKM) der Hochschule Luzern.

Bemerkenswert: Ein Drittel der Schweizer Ferienwilligen hat die Reise storniert oder sein Ferienziel angepasst, wie die «Luzerner Zeitung» am Montag schreibt. Betroffen vom veränderten Reiseverhalten sind besonders Reisen nach Südeuropa (16 Prozent) und nach Mitteleuropa (15 Prozent). Die weiteren 28 Prozent der befragten Personen haben gar keine Reisepläne.

Kann die Schweiz (trotzdem) profitieren?

Profiteur der Stornierungswelle werde das Tourismusland Schweiz sein. Das ist auch für die Tourismusregion Luzern entscheidend, da wegen der Coronakrise wohl gar keine oder nur wenige ausländische Gäste ihre Ferien in der Schweiz verbringen werden.

Auch der Einkauf wird künftig lokaler

«Die Covid-19-Zeit wird auch in der Zukunft ihre Spuren hinterlassen», schreibt die Forschungsgruppe des Instituts für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern. Die Studie hat neben veränderten Reiseplänen durch Corona noch weitere mögliche Verhaltensänderungen festgestellt:

  • Familie: 15 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wollen sich künftig mehr der Familie widmen als vor der Coronakrise.
  • Gesundheit: 14 Prozent geben an, künftig mehr auf die Gesundheit zu achten. Viele haben das Joggen und gesundes Essen für sich entdeckt. Ein Viertel der Bevölkerung gibt an, zurzeit häufiger zu kochen und zu backen als vor der Krise.
  • Einkaufen: 12 Prozent sagen, sie wollen in Zukunft besser auf die regionale Herkunft von Produkten achten.

Wichtige Gruppen, etwa aus Asien und den USA, dürften komplett wegfallen. Das treffe die Zentralschweiz und das Berner Oberland stärker als Graubünden, heisst es in der Studie weiter. Dort sei der Anteil von Schweizer Touristen bereits vorher gross gewesen.

Das IKM der Hochschule Luzern hat 1’003 Personen in der ganzen Schweiz befragt. Das Institut hat untersucht, wie die Pandemie das Konsum- und Freizeitverhalten der Bevölkerung umgekrempelt hat.

Auf der Rigi werden viele Neulinge erwartet

Bereits künden erste Zentralschweizer Bergbahnen Anpassungen an, um im Sommer einen Corona-konformen Betrieb zu gewährleisten. Beispielsweise die Rigi-Bahnen. Deren Chef Frédéric Füssenich sagt gegenüber dem «Tages Anzeiger»: «In unseren Szenarien gehen wir 2020 nicht mehr von internationaler Kundschaft aus, dafür könnte es aber einen Ansturm von Schweizer Gästen geben.» Er ist überzeugt, dass man im Sommer Leute auf der Rigi sehen wird, «die sonst nie zu uns kämen.»

Füssenich stellt Massnahmen in Aussicht, um das Ansteckungsrisiko der Gäste zu vermindern. Zum Beispiel pro Gondel nur noch eine Person zu transportieren. Dabei stelle sich aber die Frage der Wirtschaftlichkeit. Das Problem sei auf der Schiene einfacher zu lösen. «Wir können uns gut vorstellen, nur noch eine begrenzte Anzahl von Passagieren pro Waggon zuzulassen.»

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2 Kommentare
  1. CScherrer, 22.04.2020, 08:14 Uhr

    Lustig! Jetzt sind die Schweizer auf einmal wieder gefragt! Gierig hat man jahrelang soviel wie möglich genommen. Keine Ermäßigungen! Die Bevölkerung wurde mit einem peinlichen Coupon-/Gutschrift-Heftchen, welches in einer lächerlich schwachen Aufmachung produziert wurde, abgespeist. Asiaten werden zu Spottpreisen auf den Pilatus, Titlis oder das Jungfraujoch gekarrt. Und der doofe Schweizer bezahlt den vollen Preis. Auf einmal wird auch den Blendern aus der Tourismusbranche klar, dass eben nicht die Asiaten zum nachhaltigen Tourismus gehören.
    Die überhöhten Preise müssen deutlich gesenkt werden, dann wird auch die Schweiz für Schweizer wieder ein attraktives Reiseziel.

  2. Andreas Peter, 20.04.2020, 12:11 Uhr

    „Freue“ mich schon auf die überfüllte Ufschötti.
    Ich wohne im Tribschen Quartier und gehe dort normalerweise fast täglich baden, wenn es das Wetter erlaubt.
    Ob daheim bleiben jetzt so schlau ist?
    Vielleicht fahre ich dieses Jahr ausnahmsweise ans Mittelmeer. „Social distancing“ ist dort wohl eher möglich.

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