Nach Corona: Luzern macht beim Homeoffice vorwärts
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Homeoffice hat Vorteile für Arbeitgeber, Angestellte – und den Hund. (Symbolbild: Unsplash/Bruno Cervera)

Von der Amtsstube zum Arbeitsplatz der Zukunft Nach Corona: Luzern macht beim Homeoffice vorwärts

5 min Lesezeit 03.07.2020, 05:01 Uhr

Der Lockdown in der Coronakrise hat den Trend zu flexiblen Arbeitsmodellen beschleunigt. Stadt und Kanton Luzern wollen die Dynamik nutzen und Homeoffice noch stärker fördern. Der grosse Sprung in der Kantonsverwaltung erfolgt mit dem Umzug an den Seetalplatz. Dort gibt es bald Neuigkeiten.

Darauf hätte wohl mancher verzichten können: Auf den Strassen stauen sich wieder die Autos, die Züge sind voll, die Menschen zurück in den Büros. Ab Montag müssen bekanntlich alle Pendler im öffentlichen Verkehr eine Hygienemaske tragen (zentralplus berichtete).

Noch vor kurzem sah das anders aus. In der Zeit des Lockdowns haben auch die trägsten und konservativsten Chefs ihren Angestellten das Homeoffice ermöglicht. Plötzlich waren die Bilder, die man vor allem von amerikanischen Tech-Firmen kennt, auch hierzulande Alltag: Arbeiten vom Sofa aus, flexibles Einteilen des Tages, Sitzungen via Skype (teils inklusive amüsante ungewollte Situationen).

Kanton Luzern schickte Grossteil nach Hause

Auch bei der kantonalen Verwaltung haben während des Lockdowns 70 bis 80 Prozent der rund 6’000 Mitarbeitenden zu Hause gearbeitet. Vor der Coronakrise war nur etwa ein Fünftel der Belegschaft im Homeoffice tätig.

Der erzwungene Wandel dürfte die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Für die Luzerner Regierung ist jedenfalls klar, dass flexible und ortsunabhängige Arbeitsformen zukunftsweisend sind. «Die positive Dynamik und die wertvollen Erfahrungen der letzten Wochen bestärken uns, zukünftig Homeoffice noch vermehrt zu fördern», schreibt sie auf eine politische Anfrage zum Thema. Geschehen soll dies unter anderem mit entsprechenden Angeboten – wie beispielsweise Workshops für Teams und Dienststellen oder Kursen für Führungskräfte zum Thema Work Smart.

«Die wertvollen Erfahrungen der letzten Wochen bestärken uns, zukünftig Home-Office noch vermehrt zu fördern.»

Luzerner Regierungsrat

Was genau die Mitarbeitenden des Kantons sich wünschen und wie sie die spezielle Coronazeit erlebten, wollte der Kanton mit einer Umfrage bei den Mitarbeitenden erfahren. Die Resultate werden derzeit ausgewertet und analysiert. «Wir wollen die Erfahrungen aus dieser Zeit und die Mitarbeiter in die Planung der Zukunft einbeziehen», sagt Yasmin Kunz, die Sprecherin des zuständigen Finanzdepartements auf Anfrage. 

Kulturwandel ist nötig

Klar ist für die Regierung bereits heute, dass die Akzeptanz für neue flexible Arbeitsformen wie etwa Homeoffice generell gestiegen ist. Und das ist von Bedeutung. Denn gute Rahmenbedingungen alleine reichen nicht. «Es geht letztlich um einen Kulturwandel», sagt Kunz. 

«Mitarbeitende, die ihre Arbeit zeitlich und örtlich selbstständig gestalten können, sind nachweislich motivierter.»

Dass sich die Verwaltung in diese Richtung bewegt, stand indes bereits vor der Coronakrise fest. Der Kanton will im kommenden Herbst die sogenannte «Work Smart Charta» unterzeichnen. Damit bekennen sich Unternehmen zur Förderung von flexiblen Arbeitsformen – wobei Homeoffice nur einen Teil davon ausmacht. «Mitarbeitende, die ihre Arbeit zeitlich und örtlich selbstständig gestalten können, sind nachweislich motivierter», begründet die Regierung den Schritt. «Sie engagieren sich mehr, können für gewisse Aufgaben viel fokussierter arbeiten, sparen Reiseweg und können ihren Beruf besser mit anderen Lebensbereichen vereinbaren.» 

Damit würde auch der Kanton gewinnen: Er werde nicht nur produktiver, sondern sei auch attraktiver als Arbeitgeber. Und indem man dazu beitrage, dass weniger Menschen pendeln müssten, leiste man auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Schöne Worte – bald nehmen sie Form an

So gut das alles in der Theorie klingt: Der Kanton hat bald handfeste Möglichkeiten, den Worten Taten folgen zu lassen. Am Standort der Zwischennutzung NF49 am Seetalplatz ist bekanntlich das neue Verwaltungsgebäude geplant: In Zukunft sollen in Emmenbrücke rund 1’300 Angestellte des Kantons, die heute auf 30 Standorte verzettelt sind, unter einem Dach arbeiten.

Wie der Neubau aussieht, der schätzungsweise 160 Millionen Franken kostet, wird voraussichtlich Ende Sommer präsentiert. Das neue Verwaltungszentrum wird auf jeden Fall modern daherkommen. «Es wird gemäss den Ideen der neuen Arbeitswelten mit all seinen Möglichkeiten gestaltet werden», verspricht der Regierungsrat.

Am Standort der Zwischennutzung NF49 wird dereinst fast die gesamte Kantonsverwaltung arbeiten.

Wie der Arbeitsalltag künftig organisiert ist, hat mit dem Klischee der Amtsstube nur noch wenig gemein. Die fixen Arbeitsplätze und Einzelbüros weichen dem sogenannten «Desk-Sharing»: Die Mitarbeiterin kommt morgens ins Büro, nimmt ihren Laptop aus dem Schliessfach und setzt sich an einen freien Arbeitsplatz. Will sie sich konzentrieren, besucht sie einen der Ruhe- oder Rückzugsorte. Zum Schwatz mit den Kollegen trifft man sich in der Begegnungszone, zur Besprechung im Konferenzzimmer.

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Das neue Verwaltungsgebäude wird, sofern Kantonsrat und Stimmbevölkerung dem Kredit zustimmen, frühestens 2025 bezogen.

Stadt Luzern: 9 von 10 Mitarbeitenden wollen zu Hause bleiben

Auch bei der Verwaltung der Stadt Luzern waren während des Lockdowns mehr 80 Prozent der Büro-Angestellten im Homeoffice tätig. Noch immer arbeiten 40 bis 50 Prozent von ihnen ganz oder teilweise in den eigenen vier Wänden, heisst es auf Anfrage.

«Mit der Corona-Krise hat das Thema einen enormen Schub erhalten.»

Christian Bünter, Personalchef Stadt Luzern

Und der Trend geht weiter in die Richtung. «Der Stadtrat begrüsst die Weiterführung vom flexiblen/mobilen Arbeiten», sagt Personalchef Christian Bünter. «Mit der Corona-Krise hat das Thema einen enormen Schub erhalten.» Eine Arbeitsgruppe habe sich bereits vor der Krise mit dem Thema auseinandergesetzt. Nun habe der Stadtrat die Personalabteilung beauftragt, die bestehende Homeoffice-Weisung aus dem Jahr 2015 zu überarbeiten.

Wie der Kanton hat auch die Stadt Luzern bei den Angestellten eine Umfrage zum Thema «Homeoffice» durchgeführt. Mehr als 90 Prozent der Befragten können sich vorstellen, einen oder mehrere Tage flexibel/mobil zu arbeiten. «Diese Klarheit hat uns positiv überrascht», sagt Bünter. Die Erkenntnisse würden ebenfalls in die Überarbeitung der Weisung einfliessen.

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