Nach Betriebsübergabe: Der oberste Luzerner Beizer wurstet sich in Rente
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Wechselt die Zunft: Der Luzerner Gastropräsident Ruedi Stöckli wird vom Wirt zum Metzger. (Bild: zvg)

Ruedi Stöckli bleibt im Amt Nach Betriebsübergabe: Der oberste Luzerner Beizer wurstet sich in Rente

4 min Lesezeit 1 Kommentar 11.06.2021, 05:00 Uhr

Ruedi Stöckli bleibt Präsident des Luzerner Gastroverbands, obwohl er keine eigene Beiz mehr hat. Er erklärt, warum das so ist, wieso er sich auch nach seiner Zeit als Wirt mit Kulinarik auseinandersetzen wird und weshalb ihn vieles in seiner Branche trotz Corona sehr zuversichtlich stimmt.

Er war in den vergangenen 16 Monaten wohl eines der bekanntesten Gesichter in unserer Region. Ruedi Stöckli, Präsident von Gastro Luzern, war von Amtes wegen ein von den Medien oft konsultierter Mann. Der Wirt des Landgasthofes Strauss in Meierskappel und ehemalige SVP-Kantonsrat war für die Medienschaffenden ein dankbarer Gesprächspartner. Denn er hielt mit seiner Meinung nicht zurück, war nie um einen flotten Spruch verlegen und fiel durch seine pointierten Ansagen an die Politik auf.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass sich der 64-Jährige aus der Beizenlandschaft zurückzieht. Seinen Betrieb, den er zusammen mit Ehefrau Bernadette 34 Jahre lang erfolgreich geführt hat, hat er im April seinen Nachfolgern Andreas und Lyuba Berger übergeben (zentralplus berichtete). «Die grosse Mehrheit des Personals wird von den neuen Pächtern übernommen. Darum wird sich für die Gäste nur wenig verändern», sagt Stöckli am Telefon. Am Anfang werde er, zusammen mit seiner Frau, seinem Nachfolger noch regelmässig aushelfen.

Klare Erwartungen an die Nachfolge

Obwohl er jetzt keine Beiz mehr hat, bleibt er dem Luzerner Gastroverband noch eine Weile als Präsident erhalten. Wie kommt das? «Ich habe vor der letzten Wahl versprochen, dass ich meine Amtszeit ganz sicher fertig mache. Dieses Versprechen will ich einhalten. Es sind jetzt noch gut zwei Jahre», so Stöckli. Für seine Nachfolge als oberster Luzerner Beizer schwebt ihm eine interne Lösung vor.

«Klar ist für mich aber, dass er oder sie selber einen Betrieb führen muss und weiss, wie es an der Front zu und hergeht.» Dass er selber bis zum Ende seiner Amtszeit keine Beiz mehr hat, liege daran, dass er das gute Angebot im April mit der damals noch unsicheren Zukunft nicht habe ausschlagen wollen.

«Eine Dorfbeiz hat auch einen gesellschaftlichen Auftrag.»

Was er nach seiner Zeit als Wirt machen wird, weiss Ruedi Stöckli schon genau. «Ich werde vermehrt meinem neuen Hobby nachgehen und zusammen mit einem befreundeten Metzger eigene Würste und Terrinen herstellen. Zudem werde ich wohl auch häufiger auf die Jagd gehen. Insbesondere im Elsass und in Deutschland.» Die Wurst- und Wildprodukte vertreiben Stöckli und sein Kollege an Private und Restaurants in der Region. «Dies wollen wir noch ein bisschen ausbauen. Ich bleibe so auch mit vielen Wirten in Kontakt», so der gelernte Koch.

Ruedi Stöckli bei der Jagd im Jahr 2006.

«Wollten keinen Gault-Millaut-Betrieb»

Zurück zu seinem Nachfolger im Landgasthof Strauss. «Es war in den letzten Monaten aus bekannten Gründen nicht leicht, jemanden zu finden», blickt Stöckli zurück. Folglich hätten sich, trotz der prominenten Adresse, auch nur sieben Interessenten gemeldet. Und weiter: «Einige davon wollten einen Gault-Millaut-Betrieb einführen. Da wir eine Dorfbeiz sind und sowohl unsere Gäste als auch die verschiedenen Dorfvereine nicht erschrecken möchten, haben wir diesen Kandidaten abgesagt. Denn eine Dorfbeiz hat auch einen gesellschaftlichen Auftrag.»

Folglich sei er erleichtert, dass es nun eine Nachfolge gibt, sagt Stöckli. «Ich hatte mich aufgrund ihres Konzepts relativ früh für Andreas und Lyuba Berger entschieden und bin froh, dass sie von Anfang gesagt haben, dass sie es durchziehen, egal, was kommt.»

«Ich habe den Eindruck, dass alle mehr oder weniger mit der Unterstützung zufrieden sind, die sie vom Staat erhalten haben.»

Mit Blick auf die Pandemie und auf die damit insbesondere für die Gastrobranche verbundenen Schwierigkeiten sei er jedoch erstaunt gewesen, wie viele Unternehmer einen neuen Betrieb eröffnet haben. «Das hat mich ehrlich gesagt überrascht und ich hatte nicht damit gerechnet, dass es in unserer Sparte so rasch wieder vorwärtsgeht», sagt Stöckli vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Endes der Pandemie. Und er zeigt sich erleichtert, dass fast alle Restaurants überlebt hätten.

«Ich habe den Eindruck, dass alle mehr oder weniger mit der Unterstützung zufrieden sind, die sie vom Staat erhalten haben. Die Situation hat sich mittlerweile entschärft», konstatiert Stöckli. Und er ist zuversichtlich, dass ein guter Sommer vieles wieder kompensieren kann. «Das war bereits letztes Jahr so, als wir in unserem Restaurant einen Bombensommer hatten. Auch dank eines zusätzlichen Tages, an welchem wir geöffnet hatten.»

Die Wolken am Gastrohimmel verziehen sich

Dass das Gastgewerbe mit einem blauen Auge davongekommen ist, habe aber auch damit zu tun, dass innerhalb der Branche grosse Solidarität herrschte und man sich ständig gegenseitig Mut gemacht habe. «Im Rückblick war es für mich als Gastropräsident eine enorm spannende Zeit, da ich viel stärker mit unseren Mitgliedern in Kontakt gekommen bin, als dies vor Corona der Fall war», sagt Stöckli.

Der Exwirt ist zuversichtlich, dass es in seiner Branche nun rasch vorwärtsgeht. «Mit der Impfung wird die Lage wieder aussichtsreicher und man kann wieder investieren. Ich hoffe, dass nun auch alle Stammgäste wieder in den ‹Strauss› kommen. Bis jetzt habe ich nämlich noch nicht alle gesehen», sagt er zum Schluss.

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1 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 11.06.2021, 09:26 Uhr

    Ist mir Wurscht.

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