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Nach Babbel-Rauswurf: die FCL-Führung in der Einzelkritik
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Standen diesen Freitag Red und Antwort: FCL-CEO Marcel Kälin, Präsident Philipp Studhalter und Sportchef Remo Meyer. (Bild: jal )

Nur schwache Kritik an Bernhard Alpstaeg Nach Babbel-Rauswurf: die FCL-Führung in der Einzelkritik

5 min Lesezeit 05.01.2018, 20:15 Uhr

Der FC Luzern ist enttäuscht von Markus Babbel. Der Coach wird ebenso wie sein Assistent Patrick Rahmen entlassen. Die Kritik an der Vereinsführung ignoriert die Vereinsspitze. Das ist problematisch und könnte dem FCL nachhaltig schaden.

Jetzt hat auch die FCL-Führung zur aktuellen Krise gesprochen. Babbels Verbal-Attacke war inakzeptabel, er wird per sofort entlassen. Und mit ihm auch sein Assistent Patrick Rahmen. «Die beiden waren ein Duo – deshalb müssen beide gehen», erklärte Sportchef Remo Meyer diesen Freitag vor den Medien. Bis auf weiteres übernimmt U21-Coach Gerardo Seoane. Ob er auch in der Rückrunde an der Seitenlinie stehen wird, ist derzeit noch offen. Man wolle sich dies in den nächsten Tagen gründlich überlegen (zentralplus berichtete). 

Die Erklärungen von Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter, CEO Marcel Kälin und Sportchef Remo Meyer waren mit Spannung erwartet worden. Seit dem Rundumschlag von Markus Babbel am vergangenen Mittwoch brennt der Baum beim FCL. Und die Aussagen von Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg («Birchermüesli»-Trainer) gossen weiter Öl ins Feuer. Welche Falle machten die Verantwortlichen vor versammelter Schweizer Presse? zentralplus nimmt die drei Protagonisten unter die Lupe.

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Remo Meyer – der Überforderte

Bei Remo Meyer wurde eines ganz rasch klar: Der Neuling ist sich einen solchen Medienaufmarsch nicht gewohnt. Er wirkte extrem nervös. Sachlich versuchte er zu erklären, weshalb es zur Trennung mit Babbel und Rahmen kam. «Wir können dieses Verhalten nicht akzeptieren», so Meyer. Gleichzeitig wollte er Klartext sprechen. Dies wirkte unnötig aggressiv. 

Immer wieder las Meyer vorgefertigte Sätze ab. Wie etwa: «Wir haben immer ehrlich, direkt und klar kommuniziert.» Das wirkte gekünstelt und war wohl kaum selbstverfasst. Er musste sich den Vorwurf gefallen, nicht für Transparenz zu sorgen.

Sportchef Remo Meyer erklärte, wieso es zur Trennung mit Markus Babbel kam.

Sportchef Remo Meyer erklärte, wieso es zur Trennung mit Markus Babbel kam.

(Bild: jal)

In der Fragerunde offenbarte Meyer eine gewisse Dünnhäutigkeit. Weder beantwortete er beispielsweise klar, was für einen Trainer der FCL sucht, noch ging er näher auf die Personalie Gerardo Seoane ein. «Wir wollen das Beste für den Verein», ist nichts weiteres als eine Floskel. Ebenso wich er der Frage nach der Kaderqualität aus – ja, er liess sich von dieser fast provozieren. Souverän sieht anders aus. Verständlich war hingegen, dass er nicht über Neuzugänge sprechen wollte, solange die Trainer-Frage nicht geklärt ist. 

Philipp Studhalter – der Alpstaeg-Freund

Es braucht keinen Doktorabschluss, um konstatieren zu können: Bernhard Alpstaeg schadet dem FCL mit seinen Aussagen gewaltig. Erstes erfüllt Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter, Zweites hat er nicht gemerkt. «Die Aussagen decken sich mit der Meinung des Verwaltungsrates», sagt er angesprochen auf Alpstaegs Babbel-Schelte (zentralplus berichtete).

Der Hauptaktionär monierte, Babbel habe nichts erreicht. Dabei führte der Bayer den FC Luzern zwei Mal in die Europa-League-Quali. Wenn der Verwaltungsrat tatsächlich gleicher Meinung ist wie Bernhard Alpstaeg, hat man den Bezug zur sportlichen Realität aber gewaltig verloren. Oder die Aussagen des Hauptaktionärs schlicht nicht gelesen. Denn Alpstaeg kritisierte ja die gesamte Führung mit den Worten, man hätte Babbel viel eher entlassen müssen.

Philipp Studhalter erklärt die Situation.

Philipp Studhalter erklärt die Situation.

(Bild: jal)

Studhalter hat den Ruf, unter Kontrolle von Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg zu stehen. Dass dies wohl tatsächlich der Fall ist, machten Studhalters Aussagen deutlich. In der öffentlichen Wahrnehmung gibt der FCL aktuell ein schlechtes Bild ab. Auf die Frage, ob er seinen Laden noch im Griff habe, hätte durchaus eine selbstkritischere oder klare Antwort folgen können. Doch Studhalter sagte dazu nur vage: «Ich stehe voll hinter den Strukturen in unserem Verein.»

Dem stärksten Shitstorm war CEO Marcel Kälin ausgesetzt. Über zwölf Mitarbeiter haben seit seinem Start die Geschäftsstelle verlassen. Präsident Studhalter stellte zu Beginn klar, dass gewisse Abgänge völlig natürlich waren. Nichtsdestotrotz gibt es eine Handvoll Personen, die wegen Kälin kündigten. Dies scheint den Verwaltungsrat nicht zu stören. Studhalter erklärte: «Der Verwaltungsrat steht hinter Marcel Kälin.»

Marcel Kälin – der Angezählte

Diese Rückendeckung tat CEO Marcel Kälin gut. Er strahlte im Unterschied zu Remo Meyer Sicherheit aus. In seinen Statements liess er seine Erfahrung als Unternehmer durchblicken. Wobei auch er gewissen Fragen auswich. Die Kritik an seiner Person nahm er zur Kenntnis, machte jedoch auch klar, wo Grenzen überschritten werden.

FCL-CEO Marcel Kälin steht unter Beschuss.

FCL-CEO Marcel Kälin steht unter Beschuss.

(Bild: jal)

Die Aussage «wir wollen Fussballfeste feiern und Pokale gewinnen» entspricht seinem natürlichen Optimismus. Allerdings ist sie in der aktuellen Situation fehl am Platz. Vielleicht kommt sie beim Verwaltungsrat gut an, die Fans schütteln darüber aber den Kopf. Die sportliche Situation muss nun schonungslos analysiert werden. Ansonsten droht dem FCL der Abstieg.

Immerhin stand Kälin auch hin und gestand Fehler ein. «Wir sind alle nicht glücklich mit der Situation.» Und Kälin ist sich bewusst, dass die Kommunikation ein grosses Problem ist. «Intern vor extern» ist sein Leitsatz. Medienchef Max Fischer hat diesen gebrochen. Er musste diesen Freitag – Kälin kehrte aus seinem Urlaub zurück – sein Büro räumen. Babbel wählte auch den Weg an die Medien – der Ausgang ist bekannt. Der Einzige, den Kälin nicht in den Griff bekommen wird, ist Hauptaktionär Alpstaeg. Dem FCL-CEO war deutlich anzumerken, dass ihm dies missfällt.

Fazit: Der FCL verliert Sympathien

Mit dem Auftritt diesen Freitag hat die FCL-Spitze die Wogen nicht geglättet. Von Selbstkritik kaum eine Spur, von einer menschlichen Seite nimmt man Kälin, Studhalter und Meyer kaum wahr. Sympathieträger, mit denen sich die FCL-Fans identifizieren können, sind die drei nicht. Der FC Basel etwa hatte mit Bernhard Heusler so jemanden an der Spitze – der FC St. Gallen versucht es mit SRF-Mann Matthias Hüppi.

Ebenso wäre es hilfreich gewesen, die Verantwortlichen hätten ihr Bedauern über das Zerwürfnis mit Markus Babbel ausgedrückt. Der Bayer war bei den Fans ein Sympathieträger, das lassen auch die Reaktionen in den sozialen Medien erkennen. Doch die Bereitschaft, nach eigenen Fehlern zu suchen, ist in der FCL-Familie nicht weit verbreitet. 

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