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Muss man sein Kind denn vermissen?
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Entspannen ohne Deadline. Manchmal ist eine Auszeit vom Eltern-Alltag keine schlechte Idee. (Bild: Fotolia)

Ferien ohne Filius Muss man sein Kind denn vermissen?

2 min Lesezeit 1 Kommentar 12.08.2018, 10:37 Uhr

Eltern-Bloggerin Jana Avanzini ist nach einem Jahr erstmals wieder eine ganze Woche ohne Kind verreist. Eine Woche pure Verantwortungslosigkeit. Und das war richtig, richtig gut.

Wir sind verreist. Ohne Kind, dafür mit Freunden. Das erste Mal, seit der Stammhalter vor etwas mehr als einem Jahr auf die Welt drängte.

Und wir haben es genossen. Wir haben getrunken und geraucht wie vor zehn Jahren, gefeiert bis in die Morgenstunden, geschlafen bis am Mittag. Wir haben in schicken Restaurants viel zu kleine Häppchen gegessen, Ruinen und Grotten durchstreift und stundenlang in düsteren Absteigen auf Scherben-Teppichen getanzt.

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Wir sind mitten in der Nacht ins Meer gesprungen, haben die Organisation den anderen überlassen und ich wusste den Code zum Appartement ehrlicherweise auch am letzten Tag noch nicht. Keine Verantwortung, keinen Plan, Sonnencreme vergessen – sich einfach nur treiben lassen.

Kurz: Es war grossartig.

«Ach, der arme Kleine!»

Und das Kind? Wir haben es tatsächlich nicht einfach auf dem Wickeltisch vergessen, wie so einige Nachfragen suggerieren könnten, sondern ganz seriös bei den Grosseltern einquartiert. «Aber vermisst ihr den Kleinen denn nicht?», fragen all die kinderlosen Freunde. 

Die Antwort, die relativ unvermittelt kommt, löst überraschtes Gelächter, mitleidiges Lächeln und grosse Augen aus. Die Antwort ist ein ehrliches «Nein». Und die Erwartung des Gegenübers offensichtlich eine andere.

Natürlich freut man sich und sehnt man sich kurz, wenn Videos von den Grosseltern ankommen. Das Video eines essensverschmierten Gesichts, das auf dem Badetuch vor sich hin blabbert. Doch wir wissen: Es geht ihm gut, wohl eher zu gut – bei den Grosseltern.

Für einmal auf den Ratgeber hören

Und ich habe es im vergangenen Jahr eher vermisst, ein paar Tage einfach nur an mich zu denken, mal verantwortungslos zu handeln, einfach nur zu sein. Mich spontan bei einem Ausflug einzuklinken. Oder für einmal nicht das gefühlt halbe Kinderzimmer zum Kaffeetrinken mitzuschleppen. Mal wieder mehrfach hintereinander Gespräche zu führen und dabei mit beiden Ohren und Augen involviert zu sein.

Zeit für sich zu nehmen, für sich alleine und für sich zu zweit, ist etwas, das Ratgeber doch wohl nicht umsonst auf jeder zweiten Seite betonen. Manchmal sollte man durchaus auf sie hören.

Und einen Menschen zu lieben, bedeutet hoffentlich nicht, dass man ihn ständig und überall mit sich herumschleppen muss.

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1 Kommentare
  1. Rita Kronenberg, 15.08.2018, 14:40 Uhr

    Find ich ein super Artikel! Sollten viel mehr Eltern auch ab und zu so machen. Nicht Sklave seiner Kinder werden. Und dann auch noch so denken, wenn die Kinder “flügge” werden und sich nicht an sie klammern. Oder wenn man älter wird, meint die Kinder müssen sich nun immer um uns kümmern und ihre Zeit mit uns verbringen.