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Musik kennt keine Grenzen
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Steven Sloan leitet eine Premiere: das erste gemeinsame Konzert von Sinfonieorchester und der Jungen Philharmonie. (Bild: PD/Christoph Fein)

Musikfestival «Szenenwechsel» in Luzern Musik kennt keine Grenzen

4 min Lesezeit 22.01.2016, 09:39 Uhr

Die Migration: ein Reizwort und ein brennendes Thema. Doch was hat das mit Musik zu tun? Ganz einfach: Auswanderung und Exil beeinflussen seit jeher auch Komponisten. Dies zeigt das Festival «Szenenwechsel» der Luzerner Musikhochschule. Mit einer Premiere – und einer traurigen Erinnerung.

Menschen wandern aus, emigrieren, ziehen fort. Es gibt viele Gründe dafür: Sie werden verfolgt, der wirtschaftliche Druck ist zu gross und woanders winken bessere Chancen. Diese Gesetze gelten seit Jahrhunderten – und im Moment wieder mehr denn je.

Das Festival «Szenenwechsel» behandelt einen anderen Aspekt von Migration: jenen in der Musik. Seit Menschengedenken wandern auch Musikerinnen und Musiker aus, gehen ins Exil, kehren zurück. Und die Gründe waren und sind dieselben wie immer, wenn Menschen sich aufmachen in ein anderes Land: politische Verfolgung, wirtschaftliche Hoffnungen oder auch ganz banal: die Liebe.

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Und selbst hier und heute: Welcher Musiker, egal ob Jazzer, Sänger/Songwriter oder klassisch ausgebildet, träumt nicht von einer Karriere in einer Metropole, wo die Chancen besser sind? Wie inspirierend muss es sein, den Bruch zu vollziehen, das alte Leben hinter sich zu lassen.

Aus Enttäuschung über die Welt

Das Festival «Szenenwechsel» der Musikhochschule Luzern verbindet immer wieder klassische Musik mit aktuellen Themen und spannenden Orten. Dieses Jahr lautet das Motto «Grenzenlos – Musik zwischen Exil, Emigration und Rückkehr».

«Das Thema ist im musikalischen Kontext hochinteressant, da solche Bewegungen sich auch immer in den Werken widerspiegeln und ihren musikalischen Charakter beeinflussen», sagt Michael Kaufmann, Direktor der Hochschule Luzern – Musik. Heimatgefühle, Traditionen und der Bruch damit – es sind solche Themen, die Komponisten antreiben. Von der Renaissance bis heute. Und mit Exil kann auch das «innere Exil» gemeint sein, in das sich «ein Musiker aus Enttäuschung über die Welt zurückzieht», so Kaufmann.

Spielt das Eröffnungskonzert: die Big-Band der Hochschule Luzern.

Spielt das Eröffnungskonzert: die Big-Band der Hochschule Luzern.

(Bild: PD)

Hoffnungsvolle Musik im Exil

Das Festival verteilt sich während fünf Tagen über die ganze Stadt (siehe Box). Es gibt Big-Band-Sound im Luzerner Saal, Volksmusik in der Jazzkantine, ein Orgelvesper in der Lukaskirche, ein Sinfoniekonzert im KKL und zeitgenössische Musik im Neubad.

Das Festival

Szenenwechsel: «Grenzenlos – Musik zwischen Exil, Emigration und Rückkehr», 24. bis 29. Januar 2016 in Luzern. Infos bei der Hochschule Luzern – Musik

 

Komponisten wie Paul Hindemith, Arnold Schönberg oder Ernst Krenek hatten unter den Nationalsozialisten in Deutschland zu leiden, konnten sich zu Hause künstlerisch nicht entfalten und landeten im Exil. Ihre «hoffnungsvolle Musik in düsteren Zeiten» ist am 26. Januar in der Lukaskirche zu hören.

Premiere: Junge Philharmonie trifft auf Sinfonieorchester

Ähnlich erging es den Filmkomponisten Béla Bartók und Erich Wolfgang Korngold, auch sie litten während des Zweiten Weltkriegs unter Verfolgung. Ihre Werke, die im amerikanischen Exil entstanden, sind am 27. Januar im KKL zu hören. Eine Premiere: Es ist die erste Aufführung, welche die Studierenden der Jungen Philharmonie Zentralschweiz und das Luzerner Sinfonieorchester gemeinsam bestreiten.

Die Zusammenarbeit soll laut LSO-Intendant Numa Bischof Ullmann künftig «unbedingt gesucht und verstärkt werden». Der Abend findet unter der Leitung des amerikanischen Dirigenten Steven Sloane statt, seines Zeichens Professor an der Universität der Künste in Berlin.

Erinnerung an Israel Yinon

Das Sinfoniekonert dürfte auch aus einem anderen Grund emotional werden: Es ist dem Dirigenten Israel Yinon gewidmet, der am gleichen Festival vor einem Jahr während der Aufführung der «Alpensinfonie» auf der Bühne zusammenbrach und gestorben ist. Ein Schock für Musiker und Zuschauer. «Die Thematik des Exils und der Emigration stand dem Weltbürger nahe und beschäftigte ihn immer wieder», sagt Michael Kaufmann.

Wer eher auf zeitgenössische Zugänge aus ist, geht ins Neubad. Thema ist dort nicht das politische Exil von Künstlern. Vielmehr untersucht das Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern das Exil «als künstlerische Notwendigkeit». Eine Frage, die sich wohl einige Kreative aus Luzerns Talentschmieden stellen: Bietet das kleine Luzern genug Entfaltungsmöglichkeiten und Überlebenschancen?

Eine internationale Musik?

«Es gibt unter den Komponistinnen und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts viele, die sich freiwillig für ein Leben im Exil entscheiden. Entweder, weil sie die ästhetische Intoleranz ihres eigenen Landes nicht ertragen, oder schlicht, weil sie dort nicht in der Lage sind, von ihrer Kunst zu leben», heisst es im Programm. Und für jene Emigranten ist Europa ein beliebtes Pflaster: Die kulturelle Freiheit und Kunstförderung ist für viele Komponisten weltweit attraktiv.

Aber zu was führt das denn, wenn Musik immer weniger Landesgrenzen kennt: zu einer internationalen Musik? Oder bleibt Musik trotzdem regional verankert? Und kann sogar Integration über Musik stattfinden? Antworten gibt’s – vielleicht – am «Szenenwechsel».

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