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Mundart-Initiative: Zwei weitere Lesermeinungen Mundart-Initiative: Kanton Zug hat gar keinen Einheits-Dialekt

3 min Lesezeit 05.09.2016, 11:35 Uhr

Die Mundart-Initiative der SVP, über welche der Kanton Zug am 25. September abstimmt, ist stark umstritten. Die Kantonsratsmitglieder Rita Hofer (ALG, Hünenberg) und Daniel Stadlin (GLP, Zug) lehnen die Initiative ab und empfehlen den Gegenvorschlag. Rita Hofer, selbst Lehrerin, befürchtet, dass durch den Mundartzwang nicht mehr alle Kinder dem Unterrricht folgen könnten. Daniel Stadlin spricht von einem Dialekt-Wirrwarr im Kanton Zug, welcher die Umsetzung der Initiative erschweren würde.

Der Leserbrief von Rita Hofer:

Die SVP bemängelt, dass die Kinder die Mundart-Sprache nicht mehr beherrschen! Das Sprechen lernen die Kinder vorallem von ihren Eltern, d.h. die Mundart wird bereits vor dem Eintritt in die Schule erworben. Es gibt viele Gelegenheiten ausserhalb und innerhalb der Schule in denen die Mundart gepflegt wird. Die Schule hat den Auftrag, die geschriebene Sprache zu vermitteln. Damit werden auch Grundlagen geschaffen für den Erwerb der Fremdsprachen. Keine Fremdsprache wird direkt in die Mundart oder umgekehrt übersetzt. Die Standartsprache in der Volksschule hat zum Ziel, dass die Sprachkompetenz im Deutsch verbessert wird durch die praktische Anwendung im Unterricht. Die Initiative geht soweit, dass in bestimmten Fächern nur noch die Mundart gesprochen werden darf. Als Fach-Lehrperson TW habe ich den Anspruch, dass alle Kinder dem Unterricht folgen können und aus diesem Grund ist es zwingend, dass in allen Fächern die Standartsprache nach Bedarf verwenden werden kann. Die Chancengleichheit ist in unserem Schulgesetz festgeschrieben. Dies bedeutet, dass  alle Kinder dem Unterricht folgen können und nicht einzelne Kinder durch einen Sprachzwang benachteiligt werden.  Der Gegenvorschlag würde genau dies ermöglichen. Damit wäre die Kompetenz im Umgang mit Mundart und Standartsprache klar bei den Pädagogen, die für das Unterrichtsgeschehen verantwortlich sind. Sie setzen  zielgerichtet die Anwendung der Unterrichtsprache ob Mundart oder Standartsprache im Unterricht um. Die Unterrichtssprache mittels Gesetz festzuschreiben ist nicht zielführend und kann der Integration nicht dienlich sein.

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Im Sinne der Chancengleichheit und einer zeitgemässen Bildung lehne ich die Initiative ab und unterstütze den Gegenvorschlag.

Rita Hofer, TW-HW-Lehrerin, Kantonsrätin ALG

 

Der Leserbrief von Daniel Stadlin:

Die Initiative verlangt im Kindergarten Mundart als Unterrichtssprache, was grundsätzlich der heutigen Situation entspricht, wird doch hier die Standardsprache nur in wiederkehrenden Situationen angewendet. Nicht so in der Primarschule. Hier gilt die Standardsprache. Die Initianten wollen dies nun ändern und neu in den Fächern Musik, Bildnerisches Gestalten, Handwerkliches Gestalten und Sport zur Mundart wechseln. Das Festmachen der Sprache an Fächern ist aber kaum sinnvoll, ist doch die Forderung der Initianten, im Unterricht je nach Fach in Standardsprache oder in Mundart zu unterrichten, in der schulischen Realität kaum machbar. Heute basiert der Unterricht auf dem kantonalen Konzept „Gute Schule – Beurteilen und Fördern“, der auch fächerübergreifend sein kann. So arbeitet z.B. ein Kind an Mathematik, während ein anderes sich dem Bildnerischen Gestalten widmet. Daher wäre es schwierig festzulegen, wann und mit wem in welcher Sprache gesprochen werden soll. Zudem bildet der Kanton Zug sprachlich gesehen keine Einheit, den Zuger Dialekt gibt es nicht. Es herrscht ein Dialekt-Wirrwarr und es wird kaum jemand aus dem Kanton Zug aufgrund seines Dialekts erkannt.

Die Initiative ist starr, engt den Unterricht ein und verhindert einen frühen, spielerischen Zugang zur Schriftsprache. Die Sprachkompetenz wird verschlechtert und die Integration fremdsprachiger Kinder erschwert. Gerade diese müssen die Standardsprache lernen, denn nur so haben sie Zugang zur Bildung und letztlich zu unserer Gesellschaft. Die von der Initiative gewollte Regelung, im Kindergarten und in gewissen Fächern der Primarschule ausschliesslich Mundart zuzulassen, ist deshalb abzulehnen und stattdessen dem ausgewogenen Gegenvorschlag – im Kindergarten grundsätzlich Mundart und in der Schule grundsätzlich Standardsprache – zuzustimmen.

Daniel Stadlin, Kantonsrat GLP, Zug

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