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«Multikulturalität ist sowieso die Zukunft»
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Die multikulturelle 4. Primarklasse im Schulhaus Fluhmühle in Littau. Das Klassenbild der Zukunft? (Bild: cha)

Hoher Ausländeranteil im Schulhaus Fluhmühle «Multikulturalität ist sowieso die Zukunft»

3 min Lesezeit 28.01.2015, 11:49 Uhr

David Leclerc unterrichtet eine Primarklasse im Schulhaus Fluhmühle. In seiner Klasse sitzt gerade mal ein Kind ohne Migrationshintergrund. Schulklassen mit Kindern aus verschiedensten Kulturen seien die Zukunft, sagt Leclerc. Wie geht man damit um?

Ein Schüler steht vor der Klasse. Sein Aussehen zeugt von afrikanischen Wurzeln. Deutlich wird dies, als er in gebrochenem Deutsch über einen Comic, den er soeben gelesen hat, referiert. Es ist ein Band von «Asterix und Obelix», welchen er seinen Mitschülern schmackhaft machen will. Es sei spannend, aber etwas schwierig zu lesen, meint er.

Zu Besuch bei einer 4. Primarklasse im Schulhaus Fluhmühle. Dieses liegt am Ende der Baselstrasse im Stadtteil Littau. Obwohl die Schüler genauso aufgeregt sind, wie andere auch, wenn eine fremde Person während dem Unterricht das Schulzimmer betritt, wird schnell klar: Eine normale Klasse, wie sie noch vor mehreren Jahren üblich war, ist das nicht.

«Nur wenige sind hier geboren»

Bereits die Namensschilder der Schülerinnen und Schüler verraten: Diese Schulklasse beherbergt einen Mix verschiedenster Kulturen. Von insgesamt zwanzig Schulkindern hat lediglich eine Schülerin keinen Migrationshintergrund. «Die meisten Familien sind zugewandert – nur wenige Kinder sind hier geboren», sagt der Lehrer David Leclerc.

Dies merke er im Unterricht. «Viele haben Defizite im Deutsch.» Leclerc müsse bei seiner Klasse – was die Sprache anbelangt – einfach stärker darauf pochen. «Wenn ich etwas erkläre, muss ich mir teils auch mehr Zeit nehmen», sagt er.

Begabtenförderung kommt manchmal zu kurz

Zeit, die insbesondere die leistungsschwächeren Schüler beanspruchen. «Weil die Mehrheit eher schwach im Deutsch ist, bleibt so die Begabtenförderung auch mal auf der Strecke.» Die Defizite spiegeln sich insbesondere in der Zahl der DaZ-Stunden (Deutsch als Zweitsprache) wider. Deren Anzahl sei deutlich höher als in anderen Schulhäusern, meint Leclerc gelassen. Doch diese Umstände seien für ihn, wie auch für das gesamte Schulhaus, der Normalzustand.

Individuelles Abwägen der Stärken

Doch wie geht man damit als Lehrperson um? «Manchmal gebe ich leistungsschwachen Schülern mehr Chancen.» Ein individuelles Abwägen also. «Wenn mal die Hausaufgaben nicht gemacht sind, verlange ich diese einfach auf den nächsten Tag», so Leclerc, und zeitweise drücke er auch ein Auge zu. «Dann, wenn ich merke, dass ein Schüler mit der gestellten Aufgabe grosse Mühe hat.»

«Schüler in heterogenen Klassen denken nicht so eng.»

David Leclerc, Lehrer im Schulhaus Fluhmühle

Mehr erlebt als andere

Was ihm an seinen Schülern ebenfalls auffalle, ist, dass einige oftmals geistig abwesend seien. «Diese Kinder haben in ihrem jungen Alter schon mehr erlebt, als andere», nennt Leclerc einen möglichen Grund. Immigration, die Flucht und die Umstände, mit einer fremden Kultur konfrontiert zu werden, sind nicht förderlich für die Entwicklung eines Kindes.

Basel- und Bernstrasse

«Der Ausländeranteil im Schulhaus Fluhmühle ist sehr hoch», erklärt Leclerc. In erster Linie hat dies mit der Nähe zum «BaBeL»-Quartier zu tun. «Die Wohnungen in besagtem Quartier und in Littau sind im Vergleich zur Stadt Luzern günstig.» Das «BaBeL»-Quartier weist unter allen Quartieren der Stadt Luzern den höchsten Ausländeranteil auf. Mit einem Anteil von 52,6 Prozent leben dort bereits mehr Ausländer als Schweizer. Die meisten davon stammen aus Serbien, dicht gefolgt von Portugal und Sri Lanka. (Quelle: Lustat Statistik Luzern)

Von wegen Nachteile

Doch von «Nachteilen» spricht David Leclerc zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr würden diese Umstände seine Arbeit sehr spannend machen. «Schüler in heterogenen Klassen denken nicht so eng. Sie sind offener, nicht so engstirnig und schneller selbständig.» Klar gebe es immer wieder Ausnahmen, aber im Allgemeinen habe sich für ihn dieses Bild bewahrheitet.

Als Beispiel nennt Leclerc die verschiedenen religiösen Feiertage. «Wir behandeln in der Klasse auch die verschiedenen Feiertage.» Und wenn ein muslimisches Kind eine Dispensation für den Ramadan einreiche, «denken die anderen Kinder nicht sofort: Ich will dann auch schulfrei haben.» Vielmehr sei dies Alltag und nicht einmal der Frage wert.

«Unsere Schule geht als gutes Beispiel voran, dass Multikulturalität nicht abschrecken soll.»

David Leclerc

Mal etwas anderes

Die Schulklasse habe auch einmal ein Asylheim besucht. «Ein Schüler, der einst dort wohnte, kam zu mir in die Klasse. Es hat sich gut angeboten, den Kindern, die nicht damit vertraut sind, mal etwas anderes zu zeigen.» David Leclerc resümiert: «Es ist eine lohnende Arbeit, die wir gut meistern. Unsere Schule geht als gutes Beispiel voran, dass Multikulturalität nicht abschrecken soll. Und dies ist sowieso die Zukunft.»

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