Müller: «Im FCL fehlen mir derzeit Spass und Vertrauen»
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FCL-Goalie Marius Müller zieht sich nach dem Cupfinal-Sieg die Handschuhe aus und sagt drei Monate später: «Es tut weh, dass die Euphorie so schnell erodiert ist.» (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Krasser Leistungsabfall seit dem Cup-Triumph Müller: «Im FCL fehlen mir derzeit Spass und Vertrauen»

7 min Lesezeit 1 Kommentar 28.08.2021, 12:00 Uhr

Die sportliche Entwicklung des FC Luzern geht seit dem Cup-Sieg vor gut drei Monaten in die völlig verkehrte Richtung. Wie ist das nach der Transfer-Offensive möglich? Weil auch FCL-Teamleader Marius Müller vor einem Rätsel steht, will er der Sache rasch auf den Grund gehen, um zügig eine Trendwende einzuleiten.

Der 28-jährige Deutsche ist seit Donnerstag zurück auf der Allmend im Training. Seine Beckenprobleme sind nach einem fast dreiwöchigen Aufbautraining in Bern abgeklungen (zentralplus berichtete).

Für einen Einsatz im Duell der Tabellenletzten am Sonntag (14.15 Uhr) gegen Lausanne wird es FCL-Stammkeeper Marius Müller nicht reichen. Zeit, mit ihm die sportlichen Leistungen seiner Teamkollegen einzuordnen.

zentralplus: Was hat Ihnen als TV-Zuschauer des FCL-Auftritts in Genf am meisten zu denken gegeben?

Müller: Ich habe kein Vertrauen und schon gar keinen Spass gesehen. In der Vorbereitung auf die Saison und gegen den Meister YB hatten wir Spass, den Gegner laufen zu lassen. Das hat mir bei den letzten Auftritten gefehlt und wurde von Spiel zu Spiel stetig weniger. Aber ich möchte betonen: Bis und mit diesem Donnerstag ist das meine Aussensicht. Ich hatte wie die Journalisten keinen Einblick in die Luzerner Garderobe, weil ich in Bern war. Darum kann und will ich erst recht keinen Einzelnen verurteilen, weil mir die Vorgänge im Team nicht bekannt sind.

zentralplus: Die sportliche Entwicklung des FC Luzern erscheint wie ein grosses Rätsel. Ende Mai habt ihr im siegreichen Cupfinal die vielleicht beste Leistung einer Luzerner Mannschaft in diesem Jahrtausend abgeliefert. Drei Monate später steht der Klub am anderen Ende der Leistungsskala. Das ist unbegreiflich im Sinne einer sportlichen Weiterentwicklung.

Müller: Ja, da gebe ich Ihnen völlig recht. Im Moment sind wir leistungsmässig nicht gut unterwegs, auch wenn wir erst vier von 36 Meisterschaftsspielen bestritten haben. Aber ich möchte jetzt keine Ausflüchte bemühen, dass wir jetzt Zeit oder dies oder jenes brauchen.

«In meiner Laufbahn habe ich mich noch nie auf dem Rücken eines Mitspielers ausgeruht.»

zentralplus: Was dann?

Müller: Im Grunde ist die Mannschaft ja gleich geblieben. Was ich wegen der Verletzungshexe seit Tag 1 der neuen Saison schlecht beurteilen kann: Ich war in der Vorbereitung kaum auf dem Platz und machte nur eine Handvoll Trainings mit. Ich weiss nicht, was trainiert wurde und war gut vier Wochen gar nicht da. Für mich ist der Unterschied zur Leistung im Cupfinal und zum aktuellen Zeitpunkt auch ein arger: Ich konnte bis jetzt schon mal das eine oder andere Gespräch mit einem Teamkollegen führen und reinhorchen. Für mich geht’s nun darum, ein Gefühl fürs Team zu entwickeln. Das will ich in den nächsten Tagen erst mal verstehen können.

zentralplus: Sie sind also mit dem Mannschaftsrat und dem Trainer auf Ursachenforschung?

Müller: Ja, am Ende steht der Verein über allem und jedem, und wir brauchen als Angestellte Erfolg. Also dreht sich die Frage darum, wo es sportlich harzt. Was wir leisten können, hat man gegen YB gesehen, und was wir gegen Servette abgeliefert haben, kann man ja kaum in Worte fassen.

zentralplus: Kann es sein, dass im Glauben daran, mit den Bundesliga-Titanen Christian Gentner und Holger Badstuber werde alles etwas leichter fallen, auch nicht mehr alle bisherigen Teamkollegen an ihre Leistungsgrenze gegangen sind?

Müller: Hmm. Schwer zu sagen. Ich kann ja nur für mich reden und weiss deshalb nicht, was in den Köpfen meiner Teamkollegen vor sich gegangen ist. Vielleicht trifft das zu, aber ich kann nur sagen, dass ich mich in meiner Laufbahn noch nie auf dem Rücken eines Mitspielers ausgeruht habe.

zentralplus: Mit 13 Gegentoren in vier Meisterschaftsspielen ist der FCL dem Abstieg geweiht.

Müller: Klar, keine Frage. Das Thema hatten wir ja vergangene Saison schon. Hätten wir nicht am zweitmeisten Tore geschossen, wären wir zum letzten Saisonende abgestiegen. Ich will niemandem Angst machen, aber das ist einfach Fakt.

«Ich kann mich noch daran erinnern, dass mir am Anfang der Kopf gebrannt hat, als Fabio Celestini mit seiner neuen Spielidee kam.»

zentralplus: Warum kommt der FCL in diesem Punkt aber auf keinen grünen Zweig?

Müller: Wüsste ich das, würde ich mich sofort um Besserung kümmern. Im letzten April haben wir unser Spiel leicht abgewandelt und sind tiefer gestanden. Vielleicht ist das ein Lösungsansatz.Vielleicht ging der Trainer in seinem Offensivspiel, das ich sehr schätze, den einen oder anderen Schritt für die Neuverpflichtungen zu schnell. Jetzt haben wir mit Holger Badstuber und David Domgjoni zwei Spieler hintendrin, die Zeit brauchen, um seine Idee und Konzeption zu verstehen.

zentralplus: Aber Sie selber fingen mit Beginn des letzten Jahres sofort Feuer und Flamme für die moderne Spielidee des damals neu engagierten FCL-Trainer Fabio Celestini.

Müller: Im Gegensatz zu den Neuen weiss ich, was der Trainer verlangt. Aber ich kann mich noch daran erinnern, dass mir am Anfang der Kopf gebrannt hat, als Fabio Celestini mit seiner neuen Spielidee kam und ich abends nach Hause ging. Damit man es nicht falsch versteht: Ich bin ein glühender Fan von der Spielweise des Trainers, das ist moderner Fussball. Aber auch anspruchsvoll.

zentralplus: Denken Sie, dass es mit der Qualität in der aktuellen Mannschaft der Luzerner reicht für den Ligaerhalt? Oder braucht es noch Verstärkungen bis zum Schliessen des Transferfensters Ende August?

Müller: Hören Sie auf mit Ligaerhalt! Unsere aktuelle Qualität übersteigt spielerisch jene, die wir letzte Saison hatten. Wenn du dich in dieser Mannschaft gefunden hast und alles gut läuft, spielst du in der Super League in den ersten drei Positionen mit. Darüber brauchen wir nicht zu reden.

zentralplus: Aber in diesem frühen Stadium der Saison sieht wenig nach dieser sportlichen Entwicklung aus.

Müller: Wenn du das als Team nicht auf den Platz kriegst und das System nicht greift, dann musst du das abwandeln, bis es jeder Spieler kapiert. Darum kommt jetzt die Länderspiel-Pause genau richtig, um intensiv an unseren Defiziten zu arbeiten. Wir haben einen Stamm in der Mannschaft, der genau weiss, was verlangt wird und wie es funktioniert. Darum brauchen wir jetzt keine zusätzliche Zeit zu verlangen, das lasse ich nicht mehr gelten. Es ist jetzt die Aufgabe jener, die verstanden haben, worum es geht, um unsere neuen Teamkollegen mitzuführen. Das ist die Pflicht. Und das müssen wir Spieler schnell machen. Ich habe echt keine Lust mehr auf maximalen Erfolgsdruck in der nächsten Winterpause.

«Wir haben die Begeisterung nicht mitnehmen können in die aktuelle Saison.»

zentralplus: Aber nur in der Not, wie zum Showdown der abgelaufenen Spielzeit, lässt FCL-Trainer Fabio Celestini offensichtlich teamintern mit sich über eine Anpassung seines modernen Verständnisses von Fussball reden. Gegenüber der Öffentlichkeit rückt er keinen Zentimeter von seiner Spielidee ab. Reden Sie nächstens mit dem Chef über möglicherweise erfolgversprechende Anpassungen in dessen Spielsystem?

Müller: Auf gar keinen Fall! Da ist Fabio Celestini Profi genug, um zu erkennen, was als Nächstes getan werden muss. Wenn wir als Mannschaftsrat gefragt werden sollten, dann können wir ihm sicher klar kommunizieren, womit wir uns wohler fühlen würden. Wir brauchen sicher keinen Trainer, der agiert wie ein Wetterfähnchen. Gegenüber uns einmal so, gegenüber der Öffentlichkeit einmal anders. Der Trainer muss seiner Truppe eine klare Vorstellung der Spielidee vermitteln, sonst verliert er seine Glaubwürdigkeit.

zentralplus: Letzte Saison hat Fabio Celestini den ersten Pokalsieg seit 29 Jahren mit dem FCL erreicht. Worum geht es in diesem Zielkonflikt also letztlich konkret?

Müller: Du musst es als Trainer schaffen, deine Vorstellung von Fussball auf die Fähigkeiten der aktuellen Mannschaft anzupassen. Und genau das hat Fabio Celestini mit dem Cupsieg im Mai bewiesen, dass er das kann. Er hat schnell erkannt, an welchen Stellschrauben er drehen muss, um eine Wende herbeizuführen.

zentralplus: Und was heisst das für den FCL mit Blick auf die unmittelbare sportliche Zukunft?

Müller: Wir müssen in der Länderspielpause analysieren, was unsere Probleme sind. Und dann wird sicher mal unsere Garderobentüre geschlossen bleiben, damit wir uns alle ins Gesicht sagen, was wir fühlen und was bei uns los ist.

zentralplus: Schade einfach, dass die grandiose FCL-Euphorie nach dem Cupsieg ziemlich schnell erodiert ist.

Müller: Ja, das empfinde ich auch so und tut mir richtig weh. Wir haben die Begeisterung nicht mitnehmen können in die aktuelle Saison. Klar, das weiss jeder, was wir im Mai erreicht haben. Aber das fühlt sich nach diesem Start in die aktuelle Spielzeit nicht mehr so an.

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1 Kommentare
  1. Vasco10, 30.08.2021, 13:18 Uhr

    Ein toller Typ dieser Mülli! Ich hoffe Herr Celestini gibt ihm die Kapitänsbinde wenn er wieder auf dem Platz steht. Er hat zweifelsohne auch das Zeugs zu einem Super-Trainer und wie er sich nach dem Spiel gestern um eine Brändi-Truppe gekümmert hat, war grosses Kino!

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