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Möchtegang: Einen Schritt vor dem Hitalbum
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Die Möchtegang mit Phumaso & Smack, C.mEE, DJ C-Cut & Digi, Bandit und den Zugern Fratelli-B (Bild: Beka Bitterli)

CD-Kritik: Möchtegangs «Campione» Möchtegang: Einen Schritt vor dem Hitalbum

4 min Lesezeit 19.09.2016, 15:08 Uhr

Nach ihrem Debütalbum «Mittwuch Nami» 2014 meldet sich die Möchtegang mit einem neuen Album namens «Campione» zurück. Die selbstbetitelte «beste Rapcrew in der Schweiz», bei denen auch die Zuger Fratelli-B mitwirken, verknüpft interessante Texte mit hitverdächtigen Beats. Der letzte Schritt zum Hitalbum fehlt allerdings noch.

Die 2013 gegründete Hip-Hop-Gruppe brachte Mitte September ein zweites Album auf den Markt. Der Name des Albums kommt von der italienischen Siedlung Campione, die am Lago di Lugano liegt und komplett vom Kanton Tessin umschlossen ist. Campione ist der Ort, der in der ersten Singleauskopplung «Vino Ticino» besungen wird. Dieser Song deckt auch auf, wie diese Platte entstanden ist. Die Jungs sind ins Tessin gefahren, und anstatt bei 40 Grad die Sonne zu geniessen und sich im Pool abzukühlen, haben sie dieses Album aufgenommen.

«Kei Zyt zum Bade, das sind Rap Holidays», heisst es in einer der Strophen. Und der Zuhörer kann sich freuen, dass die Möchtegang diese Zeit genutzt haben, denn die 15 Titel klingen bis auf ein paar Ausnahmen sehr durchdacht und man hat nicht nur auf den Text Wert gelegt, sondern auch die Beats sind sehr passend gewählt und unterlegen die Lines sehr gut.

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Auch die Samples und Cuts zwischendurch machen die Lieder noch mehr zu Ohrwürmern («Vo wo ich chum»). Auch die Themen sind grösstenteils sehr interessant. Es beginnt, weniger überraschend, mit der Ansage, dass die Möchtegang zurück sei. Nacheinander liefern die sechs Rapper ihre häufig intelligenten, teilweise aber auch banalen Lines ab, unterbrochen vom gesungenen Refrain. Diese Formel wird bei allen Songs auf dem Album angewendet. Was nicht heissen soll, dass es langweilig ist. Im Gegenteil: Dadurch, dass sich die Rapper immer wieder abwechseln, hört man immer aufmerksam zu und die Songs bleiben vielfältig.

Menschen wie du und ich

Was die Texte so gut macht, ist die Nähe zum Zuhörer, die vermittelt wird. Denn wenn die Gang davon redet, dass sie immer knapp bei Kasse ist («25igscht»), kann man sich auch selbst mit ihnen identifizieren. Obwohl sie fünf Songs vorher darüber rappen, wie arrogant sie sind, merkt man spätestens bei diesem Song, dass die sechs auch über sich lachen können und nicht alles so ernst nehmen.

Auch im eher ernst geratenen «Illusione» geben sich die Musiker sehr persönlich und man erfährt von ihren geplatzten Träumen. Diese Selbstironie macht das Album hörenswert, da sie wissen, dass sie es nicht nötig haben, den Vollzeit-Gangster zu spielen. Auch die Anlehnung an den Song Blaui Peperoni von Lo & Leduc ist sehr gelungen, wo aus «irgendöppis hemmer richtig gmacht» dann «irgendöppis hemmer gf**** letscht Nacht» wird. Solche humorvollen Bezüge kommen aber leider eher selten vor.

Die zweite Singleauskopplung, «Aber ebe», erzählt davon, dass man so vieles machen und erledigen könnte, aber es trotzdem nicht tut, wie zum Beispiel endlich ins Fitnessstudio zu gehen und den Bierbauch wegzutrainieren, «Aber ebe», wir sind uns zu bequem dafür. Mit weiteren Zeilen bringen sie einem zum Schmunzeln und nachdem man das Album durchgehört hat, weiss man, dass dieses Album einfach Spass macht. Da kann man auch mal einen Ausrutscher in die sehr primitive Zone («Bingo 2») durchaus verzeihen, denn darüber zu rappen, wie man Geschlechtsverkehr hat, und dass man das grösste Glied im Rap-Game mit sich herumträgt, ist so alt wie die Rapmusik selbst.

Der letzte Schritt zum Hitalbum fehlt (noch)

Obwohl das Album wirklich weitestgehend tolle Stücke enthält, fehlt noch ein kleines Stück, bis man wirklich vollständig von der Platte überzeugt wäre. Natürlich vergleicht man sie mit dem Vorgänger und kann leider keine allzu grossen Veränderungen erkennen. Man vermisst diese Tiefe, eine Auseinandersetzung mit gewissen Themen. Auch mal eine Abweichung vom altbewährten Schema täte der Möchtegang sehr gut. Wenn nur zwei Rapper in einem Song ihren Part haben, bekommt man mehr von ihnen mit und so können sie auch ihre Fertigkeiten besser unter Beweis stellen und sich besser entfalten und müssten nicht das Mikrofon weitergeben, obwohl sie doch gerade erst begonnen haben.

Diese abwechslungsreiche, kreative Platte wird den Möchtegang-Fans und auch anderen Schweizer Rap-Interessierten sehr gefallen. Es ist ein weiteres Album mit Ohrwürmern, Hits zum Mitwippen und zum Schmunzeln. Die Jungs bräuchten einfach gewisse Risiken einzugehen für ein nächstes Album, damit die Spannung wieder steigen kann.

 
 

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Ein von Möchtegang (@moechtegang) gepostetes Foto am 15. September 2016 um 21.12 Uhr

 

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