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Mode-Festival «Gwand» – das Comeback wird erneut verschoben
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Suzanna Vock – Luzerner Modeschöpferin und Gründerin der «Gwand» – lässt sich von finanziellen Engpässen in der Modewelt nicht unterkriegen. (Bild: Lisa Moana Meier)

Finanzierung: Suzanna Vock sagt Anlass 2018 ab Mode-Festival «Gwand» – das Comeback wird erneut verschoben

4 min Lesezeit 30.03.2018, 16:27 Uhr

Es hätte das Comeback des Jahres werden sollen: Die Luzerner Modeschöpferin Suzanna Vock gab im Januar bekannt, dass sie das Mode-Festival «Gwand» im Dezember 2018 wiederbelebe. Daraus wird nichts, wie aus einem E-Mail an zentralplus hervorgeht. Vock nimmt nun Stellung.

«Ein solches Festival kann man nicht aus dem Hut zaubern», hat Suzanna Vock, Luzerner Modeschöpferin und Gründerin des Mode-Festivals «Gwand», vor zwei Monaten gesagt. Damit traf sie wohl ins Schwarze. Sie scheint ihr Herzensprojekt, das Mode-Festival nach 13 Jahren wieder auf die Beine zu stellen, unterschätzt zu haben.

Im Jahr 1993 gründete Vock die Modeshow und -plattform «Gwand». Während 13 Jahren fand das «Gwand Fashion Festival» insgesamt zehn Mal statt und hat sich so von einer Plattform für einheimische Designer zu einem der bedeutendsten Modeevents der Schweiz gemausert. Das Festival erregte auch die Aufmerksamkeit der internationalen Modeszene. Mehrere Jahre wurde an der «Gwand» der damals weltweit höchstdotierte Modepreis verliehen.

Die «Gwand» im Zeichen der nachhaltigen Mode

Mitte Januar verkündete Vock die frohe Botschaft, dass sie Luzern erneut in eine Modemetropole verwandeln möchte (zentralplus berichtete). Vom 7. bis zum 9. Dezember 2018 hätte die Modeshow «Gwand» unter dem Zeichen der nachhaltigen Mode in der Messe Luzern stattfinden sollen.

Eben: «hätte». Datum, Standort und die ersten Sponsoren wurden bereits an Bord geholt – doch nun fällt vorerst alles ins Wasser.

Denn es ist notabene nicht das erste Mal, dass das Mode-Festival abgesagt, beziehungsweise verschoben, wird. 2005 wurde die «Gwand» aufgrund einer Schwangerschaft von Suzanna Vock eingestellt. 2017 wurde ein erstes Revival verkündet und wieder abgesagt – und nun auch die Veranstaltung im Dezember 2018. Was ist passiert?

Leere Taschen bei Vock?

In einem Mail, das Suzanna Vock an zentralplus gesendet hat – denn zentralplus war Medienpartner der «Gwand» –, schrieb die Modeschöpferin, dass «die meisten Sponsoren erst Budget für 2019 generieren können». Auch sei die «Gwand AG» erst im Dezember und nicht wie geplant bereits im August 2017 gegründet worden.

«Das hat alle Gespräche mit den zukünftigen Sponsoren aufgehalten», begründet Vock die Verschiebung des grossen Revivals in ihrer E-Mail. 

«Würde die Gwand im Dezember stattfinden, würden wir viele Einbussen machen.»

Suzanna Vock, Luzerner Modeschöperin und Gründerin der «Gwand»

Telefonisch nimmt Suzanna Vock Stellung. «Wir haben klare Vorstellungen, was das Mode-Festival kosten wird», sagt Suzanna Vock. Erste Sponsoren habe man an Land ziehen können, so auch das Zürcher Modehaus «Modissa». Mit anderen möglichen Sponsoren sei Vock in «finalen Verhandlungen», unter anderem in den Bereichen Design, Kosmetik, Transport und erneuerbare Energien.

«Man kann diese Sponsoring-Verhandlungen nicht voraussagen. Dazu müsste man eine Wahrsagerin sein.»

Suzanna Vock

Doch nicht nur das Budget sei Hauptgrund für die Verzögerung des grossen Revivals. Auch das Datum im Dezember sei eine Notlösung gewesen, mit der Vock nie zufrieden gewesen sei. «Würde die ‹Gwand› im Dezember stattfinden, würden wir viele Einbussen machen», so Vock. Viele, darunter auch prominente, Gäste, seien im Dezember verhindert, denn Familie habe zu der Zeit Vorrang. «Im Frühling erblüht alles», meint Vock.

Erleichterung bei Vock

Enttäuscht ist Suzanna Vock jedoch überhaupt nicht. Im Gegenteil: «Ich bin erleichtert.» Sie weiss, dass es schwierig ist, die Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Dass sie ihr Herzensprojekt unterschätzt habe, insbesondere nach jahrelanger Abstinenz, bestreitet sie: «Die Leute wissen einfach nicht, wie es mit dem Sponsoring läuft. Man kann diese Verhandlungen nicht voraussagen. Dazu müsste man eine Wahrsagerin sein.»

Verhandlungen brauchen Zeit, und einen Sponsor gewinnen zu können brauche viel Vertrauen, bis der Vertrag besiegelt werde.

«Wir möchten keine Kompromisse eingehen, nur weil wir sparen mussten und zu wenig Budget zur Verfügung hatten.»

Suzanna Vock

Es sei keine einfache Sache. Laut Vock spielen verschiedene Faktoren mit – so auch der Faktor Glück und Zufall. «Man muss darauf hoffen, dass die Argumente ankommen. Dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtigen Leute trifft.»

Plane man ein so grosses Festival, seien Verschiebungen nicht ausgeschlossen und würden gar an der Tagesordnung sein. Insbesondere dann, wenn ein Comeback geplant werde, das mit einem völlig neuen Konzept daherkommen soll. Vock ist überzeugt: «Ich verliere mein Gesicht dabei nicht. Denn ich weiss, dass die ‹Gwand› stattfinden wird.»

Die Luzerner Modeschöpferin kann mit dem Entscheid, die «Gwand» zu verschieben, gut leben. Denn sie möchte keinen «Kompromiss-Event» lancieren, wie sie selbst sagt: «Ich möchte das grosse Comeback der ‹Gwand› so gestalten, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir möchten keine Kompromisse eingehen, nur weil wir sparen mussten und zu wenig Budget zur Verfügung hatten.»

Die «Gwand» im 2019 – eine Utopie?

Ein kleines Trostpflaster für alle Mode-Liebhaber: Für den Dezember werde ein Launch-Event geplant – zwar im kleinen Rahmen, jedoch mit grosser Prominenz.

Die Luzerner Modeschöpferin möchte 2019 eine «topprofessionelle Gwand» organisieren und sei nun mit wichtigen Partnern im Gespräch. «Und so, wie es ausschaut, haben wir sehr gute Möglichkeiten, das Festival auf 2019 gut zu finanzieren.»

Das Mode-Festival werde nun auf März 2019 aufgeschoben. Eigentlich «nur» eine Verzögerung von drei Monaten. Ob diese Zeit ausreichen wird, um genügend finanzielle Mittel auftreiben zu können, wird sich zeigen. Wir dürfen gespannt sein, ob 2019 – dann nach 14 langen Jahren – der Catwalk endlich wieder zur Leuchtenstadt führt. Und sich Luzern – wenn auch nur für wenige Tage – in eine Fashionmetropole verwandeln wird.

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