Die Luzerner Pirmin Bütler und Alessandra Sorrentino wollen mit ihren selbst gebauten Solarvelos 10'000 Kilometer zurücklegen.
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Die Luzerner Pirmin Bütler und Alessandra Sorrentino wollen mit ihren selbst gebauten Solarvelos 10'000 Kilometer zurücklegen.

Selbst gebautes Solar-Velo ist fünf Meter lang Mithilfe der Sonne: Zwei Luzerner starten ihre Reise quer durch Europa

4 min Lesezeit 1 Kommentar 26.06.2021, 12:11 Uhr

Velo-Trips sind schwer in Mode. Doch so wie die Luzerner Alessandra Sorrentino und Pirmin Bütler sind wohl die wenigsten unterwegs: Ihre selbst gebauten Solar-Velos sollen sie in 100 Tagen quer durch Europa befördern – 10’000 Kilometer weit.

Nach einem Elektro-Bike dreht sich heute keiner mehr um. Ganz anders bei den Vehikeln von Pirmin Bütler und Alessandra Sorrentino. Ihre umgebauten Cargo-Velos sind inklusive Anhänger rund fünf Meter lang. An der Front und auf dem Anhänger leiten rund 420 Watt starke Solarpanele die Sonnenenergie direkt an den Elektromotor weiter. «Die Velos sind ein super Eisbrecher, um mit Leuten in Kontakt zu kommen», sagt Bütler schmunzelnd.

Die rund 60 Kilogramm Gewicht werden von einem Elektromotor der Firma Maxon angetrieben und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 35 Kilometern in der Stunde. Rund 100 Tage sollte die Reise dauern, wenn Wetter und Material mitspielen. Trotz des Gewichts der Solar-Bikes schwärmt Pirmin Bütler von deren Fahreigenschaften: «Solange wir mit etwas Tempo unterwegs sind, fühlen sich die Bikes leicht und wendig an.»

Die Fahrzeuge sind auch gerade noch schmal genug, um auf die Velostreifen zu passen. Stress mit Autofahrern oder der Polizei hat es bisher keinen gegeben. Sorrentino: «Im Gegenteil, die meisten sind sehr rücksichtsvoll und interessieren sich für unsere Solar-Velos.»

Europa statt China

Die Stunden, welche die beiden 30-Jährigen in den Bau ihrer neuen Solar-Velos investiert haben, sind ungezählt. Im vergangenen Jahr sind Alessandra Sorrentino und Pirmin Bütler mit den Vorgängern der heutigen Bikes nach Kalabrien gefahren, der Heimat Sorrentinos. «Da haben wir auch gemerkt, was funktioniert und was nicht», sagt Sorrentino. Zum Beispiel waren die Prototypen zu schwer. «Wir hatten deshalb innert zwölf Tagen zwölf gebrochene Speichen zu beklagen.»

«Unsere Bikes sind nicht die schnellsten und nicht die ausgefeiltesten. Dafür sind sie robust.»

Alessandra Sorrentino

Ursprünglich war der Plan, mit dem Solar-Velo bis nach China zu fahren – doch da machte Corona den beiden einen Strich durch die Rechnung. Für dieses Jahr suchten sie nun eine neue Herausforderung: «Auf einer Reise hatte ich mal von der Suntrip-Challenge gehört, einer Idee aus Frankreich. Da dachten wir, dass dies eine tolle Gelegenheit für ein Abenteuer sein könnte», sagt Bütler. Die Herausforderung besteht darin, 10’000 Kilometer quer durch Europa mit dem Elektro-Velo zurückzulegen – ohne die Akkus an einer Steckdose aufzuladen.

Pirmin Bütler, gelernter Elektroniker, hat für den Bau des Solar-Velos 2.0 auch seinen Vater mit ins Boot geholt. «Wenn wir nicht zur Suntrip-Challenge aufgebrochen wären, würde er wohl noch heute dran bauen und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen.» Für einzelne Arbeiten wurden auch zwei befreundete Velomechaniker beigezogen. Auf unzähligen Testfahrten haben die beiden nach möglichen Schwachpunkten gesucht und diese ausgemerzt.

Auf dem Autotransporter nach Belgien

Das Paar startete vor rund einer Woche in Brüssel. Dort konnten die Abenteurer auch einen Blick auf die Gefährte der anderen Teilnehmer werfen. Sorrentino: «Unsere Bikes sind nicht die schnellsten und nicht die ausgefeiltesten. Dafür sind sie robust.» Ums Gewinnen gehe es ihnen nicht. «10’000 Kilometer zu absolvieren sind uns Challenge genug.» Dabei wird Sorrentino wohl nicht bis zum Ende dabei sein können, da sie nur einen Monat Zeit hat. Ihr Ziel wird es sein, die rund 5’000 Kilometer bis in die Schweiz zu schaffen. Bütler wird dann den Rest alleine zu absolvieren versuchen.

Robustheit statt Hightech

Und doch macht sich noch ein gewisser Ehrgeiz bemerkbar: «Unter den Teilnehmern hat es schon ein paar Angeber, die das Rennen unbedingt gewinnen wollen. Vielleicht können wir sie ja eine Zeit lang ärgern», spekuliert Bütler. Zugute kommen könnte ihnen am Ende die Robustheit ihrer Fahrräder. Wenn die Hightech-Geräte der anderen nämlich Schaden nehmen, sind sie schwerer zu reparieren. «Ein Teilnehmer aus Deutschland hat bereits vor dem Start wieder abreisen müssen. Sein filigran gebautes Renngefährt erlitt einen Rahmenbruch. Das war sehr schade, denn das Bike war wirklich toll konstruiert.»

Doch nun freuen sich die beiden erst einmal auf besondere Erlebnisse. 200 Kilometer pro Tag haben sie sich zum Ziel gesetzt. Die Reise führt zunächst in die lettische Hauptstadt Riga. «Bis jetzt läuft alles nach Plan. Wir befinden uns kurz vor Kopenhagen und wollen heute noch Schweden erreichen», schreiben sie per Whatsapp. Das Wetter sei zwar ab und zu etwas launisch, «aber die Beine machen gut mit», sagt Sorrentino.

Aktuell sind Sorrentino und Bütler in Dänemark:

Wundertüte Corona

«Auf der weiteren Reise werden wir auch sehen, welche Länder wir einfach so besuchen können und welche nicht. Dies wegen der Corona-Situation und der unterschiedlichen Quarantäne-Regeln», so Bütler. Besonders sind eben nicht nur die Bikes, sondern auch das internationale Reisen unter den speziellen Bedingungen. «Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt, aber das macht es ja gerade spannend», so Sorrentino.

Auf ihrer Website kann man übrigens verfolgen, wo sich die beiden gerade aufhalten – und ob sie die Spitzenfahrer ab und zu etwas ärgern können.

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1 Kommentare
  1. Hug, 26.06.2021, 15:05 Uhr

    Toller Artikel, hat mir sehr gut gefallen.

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