Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Mit wem steigen die Linken in den zweiten Wahlgang?
  • Politik
  • Wahlen
Wer steigt in den zweiten Wahlgang: SP-Mann Jörg Meyer oder die Grüne Korintha Bärtsch? (Bild: zvg)

Luzern: Die Diskussionen laufen auf Hochtouren Mit wem steigen die Linken in den zweiten Wahlgang?

5 min Lesezeit 1 Kommentar 31.03.2019, 19:34 Uhr

SP und Grüne gehören zu den grossen Gewinnern im Kanton Luzern. Gemeinsam kommen sie auf einen Wähleranteil von über 25 Prozent. Damit untermauert Linksgrün den Anspruch auf einen Sitz im Regierungsrat. Die grosse Frage lautet: Muss SP-Kandidat Jörg Meyer dafür über die Klippe springen?

Wie geht es auf linker Seite im Regierungsratswahlkampf weiter? Das ist die grosse Frage am Abend des Wahlsonntags in Luzern.

Gross ist die Freude bei Grünen und SP über das gute Abschneiden ihrer zwei Kandidaten. Sowohl Jörg Meyer (SP) als auch Korintha Bärtsch (Grüne) holten über 42’000 Stimmen – und damit deutlich mehr als die zwei linksgrünen Kandidaten vor vier Jahren (hier geht’s zum Liveticker).

Unterstütze Zentralplus

Vor allem aber liegen beide vor dem amtierenden Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos), der nur auf dem siebten Platz landete und schlechter abschnitt als noch 2015. «Dass beide linken Kandidaten vor Marcel Schwerzmann sind, ist ein Bombenerfolg», schwärmt SP-Parteipräsident David Roth. 

Anspruch von Linksgrün gefestigt

Dazu kommt der Erdrutschsieg von Linskgrün im Kantonsrat. Die Grünen gewinnen insgesamt sieben Sitze sowie die Jungen Grünen einen dazu. SP und GLP schicken jeweils drei zusätzliche Vertreter in den Kantonsrat – insgesamt ist das ein Sitzgewinn von 14 Sitzen. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Anspruch des linksgrünen Blocks auf einen Sitz im Regierungsrat nicht leugnen, wie auch SP-Präsident David Roth betont.

Die Frage ist nur: Wie gelingt es den linken Parteien, den Einzug in die Regierung im zweiten Wahlgang zu bewerkstelligen?

Dilemma für die SP

Im politischen Luzern war bis vor diesem Sonntag sonnenklar, dass die grösste linke Partei den vor vier Jahren abhandengekommenen Sitz der Linken zurückerobern wird. Der 50-jährige Kantonsrat Jörg Meyer ist kompetent, gemässigt und bis ins bürgerliche Lager hinein wählbar.

Doch der Schwung von Grünen und Grünliberalen bringt die SP in ein Dilemma. Hält sie daran fest, selber zurück in die Regierung zu wollen, gefährdet sie unter Umständen den Erfolg von Linksgrün.

Zwar schliessen SP und Grüne zurzeit eine Doppelkandidatur offiziell (noch) nicht aus. Da zwei Sitze zu vergeben sind, wäre das rein rechnerisch wohl keine Konkurrenz, da viele Linke beide auf den Zettel schreiben dürften. Doch um zu verhindern, dass sich die Stimmen von Mittewählern auf zwei Kandidaten verzetteln, sind sich viele Beobachter einig, dass die Linke besser ihre Kräfte bündeln sollte.

Etwa Politikberater Mark Balsiger auf Twitter:


 

Frauenfrage könnte Trumpf sein

Insofern wäre es der logische Schritt, wenn Jörg Meyer sich zugunsten von Korintha Bärtsch zurückziehen würde. Denn die junge Bärtsch schwimmt auf der grünen Welle und könnte, wie Martin Neukom in Zürich, das Momentum auch im Mai auf ihrer Seite wissen. Zudem lag sie in den bevölkerungsreichen Wahlkreisen Luzern-Stadt und Luzern-Land vor Konkurrent Meyer.

Das dürfte auch daran liegen, dass Korintha Bärtsch als einzige Kandidatin auf die Unterstützung vieler Frauen zählen durfte. Denn die Luzerner Regierung ist bekanntlich seit 2015 rein männlich – ein Fakt, den viele, auch bürgerliche Wähler und insbesondere Wählerinnen, als störend empfinden. Das brachte der SP im Vorfeld der Wahlen Kritik ein, da sie ebenfalls einen männlichen Kandidaten aufs Ticket setzte.

«Wir haben ein gemeinsames Ziel: den linksgrünen Regierungsratssitz.»

Maurus Frey, Präsident Grüne

Muss sich Jörg Meyer also zugunsten von Korintha Bärtsch zurückziehen? Da heisst es bei der SP: kein Kommentar. Parteipräsident David Roth sagt, für eine solche Aussage sei es noch zu früh. Jörg Meyer selber schliesst diese Option hingegen nicht aus.

Dass Bärtsch vor ihm liegt, mag Meyer nicht als Niederlage werten, im Gegenteil: «Ich bin fast noch zufriedener, dass zwei Linke vor einem Bisherigen liegen. Das unterstreicht noch deutlicher, dass sich in der Regierung etwas ändern muss.» Welche Strategie dafür am erfolgversprechendsten sei, müssten die Parteien nun analysieren.

Das sagt Roland Fischer

Seine Enttäuschung über das eigene Resultat nicht ganz verhehlen konnte Roland Fischer (GLP). «Klar hätte ich mir noch etwas mehr Stimmen erhofft», sagt er. «Aber angesichts dessen, dass wir als kleinste Partei die kleinste Wählerbasis haben, bin ich grundsätzlich zufrieden.»

Es ist davon auszugehen, dass sich Roland Fischer für den zweiten Wahlgang zurückziehen wird. Bestätigen mochte er das am Sonntagabend noch nicht. «Ich werde gemeinsam mit der Partei das Resultat analysieren und mit ihr über das weitere Vorgehen entscheiden.»

Auch Maurus Frey von den Grünen hält fest: «Wir haben ein gemeinsames Ziel: den linksgrünen Regierungsratssitz.» Da müsse womöglich auch jemand zurückstecken, meint er vielsagend. Und Kandidatin Korintha Bärtsch deutete an, indem sie von einem Frauenwahljahr und dem Wunsch nach einer weiblichen Vertretung in der Regierung sprach, dass sie das nicht sein will.

Klar ist für Maurus Frey auf jeden Fall: Das «Zuger Szenario», wo die Linke im Oktober unter anderem aufgrund einer Doppelkandidatur von SP und Alternativ-Grünen ihren Sitz verloren hat, dürfe sich in Luzern nicht wiederholen. Das spricht dafür, dass sich die Linken in Luzern auf ein Einerticket einigen dürften. 

Die langfristige Überlegung

Gerüchten zufolge sollen SP und Grüne vereinbart haben, dass jene Partei in den zweiten Wahlgang steigt, deren Kandidat oder Kandidatin mehr Stimmen holt. Und das ist überraschenderweise Korintha Bärtsch, die im ersten Wahlgang rund 400 Stimmen vor Jörg Meyer lag.

«Wir haben gewisse Abmachungen getroffen, aber über Details gebe ich keine Auskunft», sagt David Roth dazu. Auch Maurus Frey, Präsident der Grünen, gibt sich äusserst wortkarg. 

Klar ist: Es spricht einiges dafür, dass Korintha Bärtsch die besseren Karten hat. Die SP hat es vor vier Jahren mit Felicitas Zopfi nicht geschafft, den SP-Sitz von Yvonne Schärli zu verteidigen. Sie will sich während der nächsten vier Jahre nicht auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, möglicherweise eine Frau in der Regierung verhindert zu haben. Die Bürgerlichen werden dies genüsslich auszuschlachten wissen. Zum Beispiel, falls die SP ihnen nicht genehme Vorstösse zur Gleichberechtigung von Mann und Frau – zum Beispiel Quoten – lancieren würden.

Langfristige Konsequenzen

Gleichwohl: Die Frage für die SP – für den zweiten Wahlgang nochmals anzutreten oder nicht – könnte längerfristige Konsequenzen haben. Denn sollte die 34-jährige Korintha Bärtsch am 19. Mai ins Rennen steigen und tatsächlich die Sensation schaffen, den Regierungsratssitz zu erobern, wäre der linke Sitz wohl nicht nur während den kommenden vier, sondern voraussichtlich mindestens für acht oder gar zwölf Jahre von den Grünen besetzt.

Die SP wäre mit 19 Sitzen zwar noch immer stärkste linke Partei im Parlament, aber gleichzeitig nur eine Art Juniorpartner der Regierungspartei. Ein Status, der die stolzen Sozialdemokraten, die bis 2015 während 56 Jahren in der Regierung sassen, schmerzen dürfte.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Tonino Bucher, 31.03.2019, 22:25 Uhr

    Beim 2. Wahlgang im Kanton Luzern ist es eigentlich einfach:
    Ein Regierungsrat pro Gemeinde genügt.
    Und die Wählerin wählt das Original.
    Und beim 2. freien Regierungssitz ist hoffentlich der „Frauenbonus“ nicht das Killerargument.