Mit Video Regionales Leben

EWL-Panne im Quartier Langensand-Matthof
Deshalb war das Trinkwasser in Luzern verunreinigt

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentar: 1
Er und sein Team leiteten Detektivarbeit. Christian Hofmann, Leiter Rohrnetze und Mitglied der EWL-Geschäftsleitung sagt, wie die Ursache entdeckt worden ist.
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Er und sein Team leisteten Detektivarbeit. Christian Hofmann, Leiter Rohrnetze und Mitglied der EWL-Geschäftsleitung sagt, wie die Ursache entdeckt worden ist. (Bild: PLU)

Im Sommer mussten die Bewohner des Langensand-Matthof-Quartiers in Luzern über mehrere Tage ihr Wasser abkochen. Eine Verunreinigung sorgte in Luzern für rote Köpfe. Bis heute hat die EWL nicht bekannt gegeben, wie dies passieren konnte. Nun ist das Geheimnis gelüftet.

Bis zu 12 Tage lang nach Entdecken einer Verunreinigung mussten die Bewohner des Luzerner Quartiers Langensand-Matthof ihr Trinkwasser abkochen (zentralplus berichtete). Es war für viele Leute eine nervenaufreibende Zeit.

Nicht nur das verschmutzte Wasser bereitete Sorgen, auch waren plötzlich noch mysteriöse Flyer im Umlauf, die für einen Wasserfilter warben (zentralplus berichtete). Auch die Kommunikation der EWL hat lange zu wünschen übrig gelassen (zentralplus berichtete). Seit dem August ist einige Zeit vergangen. Bis jetzt gab es noch keine Information, was genau wie passiert ist.

Ursache ist ein neu eingebautes Trinkwasserrohr

Diesen Dienstag hat EWL an einer Pressekonferenz bekannt gegeben, was die Ursache für die Verschmutzung gewesen ist, nämlich ein neu eingebautes Trinkwasserrohr. An diesem neuen Rohr haftete Schmutz, der eingetrocknet war. Laut EWL wurde das Rohr nun ausgebaut und ersetzt. «Die Ursache zu finden und Lehren für die Zukunft zu ziehen war für uns zentral», sagt Patrick Rust, der Vorsitzende der Geschäftsleitung.

Gefunden hat die EWL den Übeltäter mit einer Kamera, die in das betreffende Rohr im Gebiet Imfangring eingesetzt wurde. «Bei der branchenüblichen Sichtkontrolle vor dem Einbau des Rohrs, war dies leider nicht sichtbar», sagt Christian Hofmann, Leiter Rohrnetze bei der EWL.

Im Video erklärt dir Christian Hofmann, was die EWL alles gemacht hat, um die Stelle zu finden.

Das Rohr wurde drei Monate lang zwischengelagert

Das neue Wasserrohr war wegen einer ungeplanten Etappierung auf der Baustelle drei Monate lang vor Ort gelagert. Normalerweise wird ein Rohr eine bis maximal drei Wochen vor Ort zwischengelagert. «In dieser Zeit haben sich die Verschlusskappen vom Rohr gelöst», sagt Patrick Rust. Diese Kappen schützen das Rohr normalerweise vor einer Verschmutzung.

«Wir werden die Verschlusskappen nun zusätzlich sichern, damit dies nicht mehr passiert», sagt Rust. Zusätzlich hat die EWL die Unternehmenskommunikation überarbeitet. «Wir haben aus den Fehlern gelernt.» So gibt es nun bei der Krisenkommunikation vorbereitete Merkblätter, die eine saubere Kommunikation in solch einem Fall professionalisieren sollen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden, speziell die Auslösung der App «Alertswiss» bei der Polizei, wurde überarbeitet. Abschliessend sagt der EWL-Chef: «Wir entschuldigen uns vor allem bei den Anwohnerinnen und Anwohnern, die in dieser Zeit das Wasser abkochen mussten.» 

Panne kostet EWL 400’000 Franken

Am Ende war es ein kleines Pflänzchen, das sich in dieses Rohr geschlichen hatte. «Wir haben im Labor Teile eines Blattes gefunden», sagt Kantonschemiker Silvio Arpagaus. «Es war recht viel pflanzliches Material.» So hat wohl ein Blatt im Rohr Moos angesetzt. Wie dieses Blatt in die Leitung gekommen ist, bleibt unklar.

Dass es nach dem Einsetzen eines neuen Rohrs derart Probleme gibt, hat die EWL in den letzten 30 Jahren laut Chef Patrick Rust noch nie erlebt. Verunreinigungen sollten eigentlich kein Problem sein. Denn kommen neue Trinkwasserrohre in den Boden, unterziehen die Mitarbeiter diese vor dem Einsatz nochmals einer Sichtkontrolle. «Sind die Rohre dann verbaut, spülen wir sie nochmals intensiv durch», sagt Rust. Daher könne es eigentlich nicht sein, dass so etwas passiere. Die Mitarbeiter der EWL treffe keine Schuld, glaubt Rust. Denn: «Die Verunreinigung war nicht von Auge sichtbar.»

Durch die Panne musste der Kanton rund 1’500 zusätzliche Wasserproben nehmen. «Diese Proben muss die EWL bezahlen», sagt Arpagaus. Die EWL bezahlte den betroffenen Anwohnern 30 Franken auf die Stromrechnung und ersetzte die Wasserfilter jedes betroffenen Hauses auf eigene Kosten. «Wir haben beispielsweise auch bei einem betroffenen Restaurant die Wasserfilter bei der Kaffeemaschine ersetzt», sagt Rust. Komplett kostet die Panne das Unternehmen rund 400’000 Franken.

Verwendete Quellen
  • Besuch der EWL-Pressekonferenz
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. EWL-Kritiker, 28.09.2022, 13:10 Uhr

    «Die EWL bezahlte den betroffenen Anwohnern 30 Franken auf die Stromrechnung», steht im Artikel. Ist jedoch noch nicht erfolgt! Auf der Akontorechnung vom 14.9.2022 ist der Betrag noch nicht in Abzug gebracht worden! Eine Nachfrage ergab: Zähler wird erst im November abgelesen, Abzug wird erst dann auf der entsprechenden Rechnung erfolgen.

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