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Mit Turnover in der Traumwolke
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Turnover zu Gast in der Schüür. (Bild: Marco Faoro)

Schwebender Gitarrenrock in der Luzerner Schüür Mit Turnover in der Traumwolke

4 min Lesezeit 04.03.2020, 12:05 Uhr

Einst noch in den Gefilden des Pop- und Emo-Punk unterwegs, haben sich die vier Jungs von Turnover aus Virginia seit längerem vollends dem Dream Pop verschrieben. Schwelgende Gitarrenlines, ruhige, melancholische Gesangsparts mit nachdenklichen Texten und ein treibendes, doch nie zu lautes Schlagzeug bringt die Band um Frontmann Austin Getz auf grosse und kleine Bühnen auf der ganzen Welt. So auch am Dienstagabend im Foyer der Schüür Luzern.

Ein Vorteil von kleinen, intimen Konzerten wurde einem in den letzten Tagen durch das vom Bund beschlossene Veranstaltungsverbot bewusst: Sie dürfen unter Auflagen trotzdem durchgeführt werden. Doch nicht nur das, die Konzerte mit kaum hundert Leuten geben der Live-Musik des Abends eine ganz andere Atmosphäre.

Man ist dem Sound, der Band näher, sowohl in Bezug auf die körperliche Distanz wie auch gefühlsmässig. Dieser Ausgangslage sind sich auch Turnover bewusst, als sie die Bühne im Foyer der Schüür betreten.

Als Opening-Act eröffnete eine junge Schweizer Band namens Ruined rund um Frontsänger und Gitarrist Gian, die mit ihrem eingängigen Pop-Punk-Sound das Publikum bereits richtig anheizte.

Dichte Klangwelten ziehen das Publikum in den Bann

Bereits vom ersten Takt an ziehen einem Turnover in ihren Bann: Der Sound ist träumerisch, die beiden Gitarren verschwimmen mit den Keyboardklängen des Sängers und harmonieren, während die Bassgitarre mit zwischendurch knackigen, rhythmischen und wiederkehrenden melodiösen Einlagen einen wunderbaren Boden legt.

Komplettiert wird der Sound durch die treibenden, mal hier mal da verzierten Schlagzeugbeats von Schlagzeuger Casey Getz. Ganz besonders ist auch die Stimme des Sängers Austin Getz, die mit Hilfe eines Effektgerätes viel breiter tönt, als sie bereits ist.

Dream Pop stets weiter perfektioniert

Turnover schafften ihren Durchbruch mit dem 2015 erschienenen Album «Peripheral Vision». Es ist das erste Mal, dass die Band dem Pop-Punk des Debütalbums «Magnolia» 2013 den Rücken kehrt und mit ihrem Mix aus Indie-Rock und Dream Pop zu begeistern vermag.

Und genau die Songs ihres zweiten Albums kamen in der Schüür auch beim Publikum am besten an. Beispielsweise bei «Cutting My Fingers Off», «New Scream» oder «Dizzy on the Comedown» sang ein Grossteil des Publikums textsicher mit und wippte noch ein wenig mehr zum Takt. Es sind wunderschöne Texte, die einem ans Herz gehen, doch nie zu sentimental wirken.

Gewisse Stücke handeln von verlorener Liebe, zerstörten Beziehungen, und in diesen Momenten ist man Sänger Austin noch ein wenig näher, da doch die meisten mit ein wenig Herzschmerz durch die Welt gehen. Aber auch die Songs der beiden letzten Alben vermögen zu begeistern; als Zuhörer schwebt man richtiggehend auf den verwobenen, manchmal fast zu träumerischen Tönen.

Aussergewöhnliche Momente fehlten

Obwohl Turnover es während dem ganzen Set schaffen, das Publikum einzuweben in ihren beinahe tranceartigen Dream Pop, fehlen doch zwischendurch richtige Highlights, etwas, um aus der verwöhnenden Traumwolke ein wenig auszubrechen.

Kein Gitarrensolo, kein (zu) laut werdender Schlagzeugaufbau, keine Bassisteneinlage, sondern Song für Song in ähnlicher, träumerischer Manier. Auch die Musiker auf der Bühne brechen nie aus dieser Traumwolke aus, sondern bewegen sich stets sanft mit, ohne gross aufzufallen. Was eher negativ auffällt, sind die Stimmeffekte des Sängers, die während des ganzen Konzerts gleich eingesetzt werden und gegen Ende des Konzertes ein wenig zu stören beginnen.

Weniger wäre mehr

Natürlich gehören die Gesangseffekte zum Sound von Turnover, da sie auch genauso auf ihren Aufnahmen zu hören sind, doch hätte auch hier etwas Abwechslung gutgetan. Es wäre vielleicht auch schön gewesen, den Mut aufzubringen, einen Song akustisch nur mit der Gitarre zu performen. Eine akustische Gitarre wurde auch bei einem Lied eingesetzt, sie ging aber beinahe unter im dichten Sound der restlichen Instrumente.

Manchmal ist weniger eben doch mehr, das gilt auch für träumerische Indie-Rock-Songs. Trotz allem war es für Turnover ein gelungener Abend und das Publikum verliess das Konzert mit lächelnden, glücklichen Gesichtern und schien noch immer ein wenig zu schweben.

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