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Mit Paragraphen gegen die Vernunft
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Das nachträglich eingereichte Baugesuch wurde abgelehnt – nun droht dem Böschenhof auf dem Sonnenberg ein vorzeitiges Ende. (Bild: zvg )

Kampf um Krienser Böschenhof Mit Paragraphen gegen die Vernunft

4 min Lesezeit 1 Kommentar 23.10.2015, 10:16 Uhr

Unzählige behinderte Menschen erleben auf dem Reitbetrieb Böschenhof schöne Momente – nun soll der Betrieb eingestellt werden. Selbst die Gemeinde Kriens, die den teilweisen Abriss verfügt, bedauert dies. Das Problem: Die Aussenanlagen auf dem Sonnenberg stehen in der Landwirtschaftszone. Doch nun regt sich Widerstand.

«Wo hören Paragraphen auf und wo fängt die Vernunft an?», fragt sich Hansruedi Hofer, Leiter des Reitbetriebs Böschenhof auf dem Sonnenberg in Kriens. Der Grund für seinen Ärger sind der Kanton Luzern und die Gemeinde Kriens. Diese hat angeordnet, dass einige der Aussenbauten – die in den vergangenen Jahren ohne entsprechende Bewilligung entstanden sind – bis im März 2016 abgerissen und renaturiert werden müssen. 

In den vergangenen Jahren ist der Böschenhof, der sich gleich neben dem Restaurant Schwyzerhüsli befindet, zu einem wichtigen Therapieort für unzählige körperlich und geistig behinderte Menschen geworden.

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«Bevor ich ans Ende denke, kämpfe ich ums Weitermachen.»
Hansruedi Hofer, Böschenhof 

«Das Rundzelt, der Badeturm, der Schotterplatz und das Round-Pen sind für mich wichtige Arbeitsgrundlagen», erklärt Hofer. «Ohne diese existenziellen Elemente könnten in Zukunft weder Reitlager für Kinder noch Lager oder Workshops für Behinderte, Hippotherapien oder reguläre Reitstunden durchgeführt werden.» Das heisst: Der Böschenhof müsste seine Türen schliessen – und das bereits früher als erwartet (siehe Box). 

Nicht zu wissen, wie es um die Zukunft des Betriebs steht, ist für Hofer sehr belastend. «Meine Existenz ist davon abhängig», sagt er. «Aber bevor ich ans Ende denke, kämpfe ich ums Weitermachen.»

Nachträgliches Gesuch abgelehnt 

Das von Hofer nachträglich eingereichte Baugesuch wurde vom Baudepartement Kriens und der kantonalen Dienststelle für Raum und Wirtschaft (Rawi) abgelehnt. «Weil mein Haupterwerb weder die Landwirtschaft noch ein landwirtschaftlicher Nebenerwerb ist, sondern das Erteilen von heilpädagogischem und konventionellem Reitunterricht, wurde mir die Baubewilligung verweigert», erklärt Hofer. Denn: Der Hof befindet sich in einer Landwirtschaftszone.

Ersatzneubau geplant

Unabhängig davon, ob Hansruedi Hofer mit seiner Verwaltungsbeschwerde und der Petition Erfolg haben wird oder nicht – früher oder später muss er den Böschenhof ohnehin verlassen. Denn: Beat Eberli, der Besitzer des alten Bauernhauses am Sonnenberg, plant, auf dem Grundstück, das sich in einer Landwirtschaftszone befindet, einen Ersatzneubau zu errichten. Für dieses Vorhaben hat er nach einem zehnjährigen Drama mit den Behörden 2014 grünes Licht bekommen. Wann Eberli mit dem Bau beginnen will, ist noch ungewiss. «Dass das Baugesuch von Ruedi Hofer nicht bewilligt wurde, ist für mich unverständlich», sagt Beat Eberli. Das Wohnhaus befinde sich in einem schlechten Zustand, weshalb ein Ersatzneubau nötig sei. 

Dagegen wehrt sich Hansruedi Hofer. Er legte beim Kantonsgericht eine Verwaltungsbeschwerde ein und startete die Petition «Ryte of em Sonnebärg». Sein Ziel: den Gemeinderat von Kriens vom Nutzen des heilpädagogischen Reitbetriebs überzeugen und dessen Weiterführung erreichen.

«Da sich der Böschenhof ausserhalb der Bauzone befindet, ist der Kanton für die Baubewilligungen zuständig», erklärt der Krienser Gemeindeammann Matthias Senn. Er bedauert Hansruedi Hofers Situation. «Das ist sehr unbefriedigend, gerade da es sich beim Böschenhof um eine sehr wertvolle Einrichtung handelt.» Senn betont jedoch, dass es sich beim Entscheid bezüglich der Bewilligung weniger um eine politische als um eine rechtliche Frage handelt. «Die Gesetzeslage ist leider eindeutig», sagt er und kritisiert, dass die Gesetzgebung in den Landwirtschaftszonen sehr restriktiv sei. «Zu was für speziellen Situationen dies führen kann, sieht man ja an diesem Beispiel.»

Grosse Solidaritätswelle

Abgesehen vom bürokratischen Dilemma: Die Solidaritätswelle für den heilpädagogischen Reitbetrieb auf dem Sonnenberg ist gross. Die vielen sozialen Institutionen, die das Angebot von Hansruedi Hofer regelmässig nutzen – darunter befinden sich unter anderem die Kinder- und Jugendpsychiatrie Kriens, Insieme Luzern, die Stiftung Dreipunkt Luzern und das Therapieheim Sonnenblick Kastanienbaum –, haben sich mit Stellungnahmen an das Kantonsgericht gewendet.

Auch für die Stiftung Brändi in Horw wäre die Schliessung des Böschenhofs ein Verlust. «Wir dürfen regelmässig feststellen, dass dieses wertvolle Angebot für die Bewohnerinnen und Bewohner eine grosse Bereicherung in ihrem Lebensalltag darstellt», schreibt Mario Sonanini, Sozialpädagoge bei der Stiftung Brändi. Den behinderten Menschen werden auf dem Böschenhof wichtige physische, psychische Erfahrungen und soziale Begegnungen ermöglicht. «Es ist ein wichtiger Ortswechsel, um sich selber sein zu dürfen – und dies ganz ohne fremde Erwartungen», so Sonanini weiter. Die Ruhe, die natürliche Vielfalt und die Pferde seien eine Kraftquelle.

«Es wird Kleingewerbe zerstört»

«Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich von so vielen Unterstützung erhalte, und die positiven Rückmeldungen berühren mich sehr», freut sich Hofer. So hätten gar seine Reitschüler damit begonnen, auf dem Dorfplatz Unterschriften zu sammeln. Auch die am Mittwoch von Hofer lancierte Online-Petition wurde bis Donnerstagnachmittag bereits von mehr als 600 Personen unterzeichnet und von Unterstützern auf sozialen Medien geteilt.

«Dieser Reitbetrieb hat Geschichte und Charakter. Da gehört nichts anderes hin. Erst recht kein Neubau.»
Nadia Zoller, Unterzeichnerin der Petition

Einer davon ist Patrick Bücher aus Luzern. Er setzt sich für den Reitbetrieb ein, weil «der Böschenhof zum Sonnenberg dazugehört und die Menschen, welche von Hansruedi Hofer profitieren, für einmal nicht Immobilienmakler, Banker oder sonstige Profiteure sind, sondern Menschen mit Behinderungen, Randständige, kleine Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder so ‹komische Cheibe›, wie ich einer bin». 

Solche Institutionen müssen geschützt werden, sagt Nadia Zoller aus Ebikon über ihre Motivation, die Petition zu unterzeichnen. «Dieser Reitbetrieb hat Geschichte und Charakter. Da gehört nichts anderes hin. Erst recht kein Neubau.» Die geplante Renaturierung sei nicht nachvollziehbar, meint auch Dave Büttler aus Luzern. «Auf dem Pilatus drüben hat es genug Wildnis. Hier wird Kleingewerbe zerstört.»
 
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1 Kommentare
  1. Heinz Gadient, 24.10.2015, 10:30 Uhr

    Wie wäre es, wenn sich der Krienser Gemeinderat erst mal um all die illegalen Ferienhäuschen am Pilatus kümmern würde. Dies wird seit Jahren verschleppt – warum lässt sich nur vermuten.