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Mit oder ohne Autos: Car-Parking unter Schweizerhofquai ist finanzierbar
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So sähe die Ausfahrt des unterirdischen Seeparkings bei der Hofkirche aus. (Bild: Visualisierung/zvg)

Machbarkeitsstudie zum Seeparking veröffentlicht Mit oder ohne Autos: Car-Parking unter Schweizerhofquai ist finanzierbar

4 min Lesezeit 02.05.2018, 10:55 Uhr

Bis jetzt war es nur eine Idee. Nun haben die Initianten des Seeparking am Mittwoch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie präsentiert. Ihr Fazit: Das Parkhaus für Cars ist machbar und rentabel zu betreiben. Sogar die Stadt soll mitverdienen am Projekt.

Letzten Sommer hat eine Gruppe um den Luzerner Architekten Marc Syfrig überraschend die Idee für das Seeparking lanciert (zentralplus berichete). Bei allen Fragezeichen bezüglich Machbarkeit stiess die Idee auf Wohlwollen. Selbst beim parkhaustechnisch eher zurückhaltenden Stadtrat: Neben dem Musegg-Parking, über das die Luzerner Bevölkerung im Herbst abstimmen wird, ist das Seeparking als zweite Option im Rennen.

Die Initianten betonten bisher, dass es sich erst um eine Idee handelt. Nun ist man einen Schritt weiter und hat die Marchbarkeit des Seeparking abgeklärt. Fazit: «Das Seeparking ist bautechnisch, verkehrstechnisch und betriebswirtschaftlich machbar.» Verantwortlich für die Studie war Bauingenieur Gregor Schwegler, beteiligt waren zudem Verkehrsingenieur Oscar Melo und Bauingenieur René Zemp.

120 Franken für eine Stunde

Das rund 320 Meter lange Seeparking würde unter dem heutigen Schweizerhofquai – zwischen Schwanenplatz und Luzernerhof – unter den Boden gebaut. Die Einfahrt würde über eine Rampe via Gotthard- und Alpenstrasse führen, die Ausfahrt am Standort der heutigen Verkehrsinsel bei der Hofkirche. Die Personenausgänge sind beim Schwanenplatz und Schweizerhof vorgesehen.

Neben maximal 37 Parkplätzen für Cars könnte es als Option auch Platz für rund 166 Autos geben. Aber die Initianten betonen: Das Seeparking könnte auch alleine mit den Carparkplätzen rentabel betrieben werden, sie rechnen mit 6 bis 7 Prozent Rendite. «Autoparkplätze machen nur Sinn, wenn man sie oberirdisch kompensiert, etwa im Weyquartier», sagt Syfrig.

Die Einfahrt der Cars würde über eine Rampe auf der Alpenstrasse führen, die Ausfahrt über eine Rampe bei der Hofkirche.

Die Einfahrt der Cars würde über eine Rampe auf der Alpenstrasse führen, die Ausfahrt über eine Rampe bei der Hofkirche.

(Bild: zvg)

Die Baukosten schätzen die Initianten auf rund 140 Millionen Franken, dafür müssten die Touristen selber aufkommen mit deutlich höheren Parkplatzgebühren als bis anhin: Eine Stunde parkieren und eine Einfahrt ins Parking würde 120 Franken kosten. Die Stadt Luzern soll gar mitverdienen am Parkhaus, einerseits über den Baurechtszins, 

Das Pricing bezeichnen die Initianten als «Paradigmenwechsel»: Touristen sollen weiterhin ins Zentrum fahren können, aber dafür mehr bezahlen. Sie glauben sogar, dass man so den Carverkehr besser steuern könnte und letztlich den Carverkehr reduzieren könnte.

Verträgt sich mit Tiefbahnhof

Nun hat man auch Antwort auf eine wichtige bauliche Frage: Das Seeparking käme dem Tiefbahnhof nicht in die Quere, dieser würde rund 9 Meter tiefer liegen. Auch der heutige Verkehrsfluss würde nicht tangiert, das hätten Simulationen und Berechnungen ergeben. «Wir haben Verkehrsflusssimulation am Verkehrsknoten Hofkirche gemacht, und die haben gezeigt, dass es geht», sagt Oscar Melo.

So sähe das Seeparking im Querschnitt aus.

So sähe das Seeparking im Querschnitt aus.

(Bild: zvg)

Während der Bauzeit würde zwar der Verkehr temporäer oberirdisch eingeschränkt auf drei Spuren, aber selbst die Bäume am Quai müssten nur temporär weichen und würden danach wieder gepflanzt. Das Parking würde mit einer massiven Deckelkonstruktion gebaut und käme ohne Stützen aus. «Das ist eine sehr probate Bauweise im innerstädtischen Raum, weil man die Verkerhsbelastung einschränken kann und die Konstruktion sehr steif ist», sagt René Zemp.

Die Studie hat laut Initianten rund eine halbe Millionen Franken gekostet, mitfinanziert wurde sie von der Tourismuswirtschaft, beispielsweise Bucherer, Casagrande, Embassy oder Gübelin.

Allmend alleine reicht nicht

Die neuste Carstudie der Stadt Luzern empfiehlt, die Reisebusse auf die Allmend zu verbannen, dafür werden das Inseli und der Schwanenplatz dereinst von ihnen befreit (zentralplus berichtete). Doch weil die Allmend alleine nicht reicht, braucht’s zusätzliche Parkplätze – und hier kommen die Parkhaus-Projekte ins Spiel. «Das Seeparking ist die ideale Ergänzung zum Carhub Allmend», ist Architekt Marc Syfrig überzeugt. Er ist klar der Meinung, dass nicht nur der Schwanen-, sondern auch der Löwenplatz von Cars befreit und aufgewertet werden müsste.

Verkehrsplaner Oscar Merlo (links) und Architekt Marc Syfrig.

Verkehrsplaner Oscar Merlo (links) und Architekt Marc Syfrig.

(Bild: jal)

Die Kapazität des Seeparkings liegt genau im Rahmen, den die aktuellste Studie der Stadt Luzern empfiehlt. So viele Parkplätze für Cars bräuchte es neben dem grossen neuen Terminal auf der Allmend als Ausweicheoptionen.

Die Initianten haben ihre Hausaufgaben nun gemacht, jetzt sehen sie die Politik gefordert – der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt: Bald wird der Stadtrat seinen Bericht und Antrag zur Parkhaus-Musegg-Initiative vorstellen, Ende Juni wird das Parlament die Mobilitätsstrategie diskutieren. Am 23. September wird schliesslich das Volk über die Initiative und den Gegenvorschlag des Stadtrates entscheiden. «Ich will Gewinner produzieren, politische Schützengräben interessieren mich nicht», sagt Syfrig.

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